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Paralympischer Wintersport: Heiße Kufen und schwere Steine

Schwerpunkt: Sport

Paralympischer Wintersport: Heiße Kufen und schwere Steine

Es ist wieder Wintersport-Zeit. Und nach den erfolgreichsten Sommer-Paralympics aller Zeiten im Jahr 2008, bereiten sich schon jetzt die Wintersportler aus aller Welt auf die nächsten Winterspiele 2010 in Vancouver, Kanada, vor. Drei der fünf winterlichen Disziplinen, für die sie trainieren, sind Biathlon, Schlitten-Eishockey und Rollstuhl-Curling. Wie die Sportarten entstanden sind, seit wann sie paralympisch sind und wie sie funktionieren – hier steht’s.

01.01.2009

 
 

Mit voller Wucht: Sledge-Eishockey

Foto: Sledge-Eishockey-Spieler
Mit gemütlichem Schlittenfahren
hat das hier wenig zu tun;
© Prezioso/IPC

Eishockey ist was für Draufgänger, denn es geht schnell und robust zu. Kraft, Schnelligkeit und Geschick sind hier wichtig – und die Schutzkleidung. Allein der Puck kann 100 bis 170 Kilometer pro Stunde schnell werden.

Sledge-Eishockey (englisch für „Schlitten“) wird genauso gespielt wie herkömmliches Eishockey – allerdings sitzen die Spieler auf Schlitten und fahren nicht auf Schlittschuhen. Außerdem haben sie jeweils zwei kurze Schläger, deren Enden mit Spikes („Rillen“) besetzt sind. Mit dieser Seite stoßen sich die Spieler ab, mit der anderen, gebogenen, schlagen sie den Puck. Gespielt werden dreimal 15 Minuten pro Spiel. Sechs Spieler je Mannschaft sind auf dem Feld, den Torwart eingeschlossen. Wer die meisten Tore schießt, gewinnt.

Erst in den 60ern ist diese Sportart entstanden. In einem schwedischen Rehabilitationszentrum beschlossen einige Athleten, dass sie auch mit Behinderung weiter Eishockey spielen wollten und erfanden einen Schlitten aus einem Metallrahmen und zwei Kufen, zwischen denen ein Puck hindurch passt. Was zunächst auf einem See nahe Stockholm gespielt wurde, kam schon 1994 in Lillehammer bei den Winterparalympics zum Einsatz.

Hier geht es zur Deutschen Sledge Eishockey Nationalmannschaft

 
 

Schach auf dem Eis: Rollstuhl-Curling

Foto: Mann beim Rollstuhl-Curling
Im Englischen heißen die Steine
"Donuts"; © IPC

Was Curling so interessant macht: die Mischung aus Strategie und Technik. Deshalb wird es auch „Schach auf dem Eis“ genannt.

Ziel des Spiels ist es, die eigenen Steine möglichst nah und die gegnerischen möglichst weit weg vom Mittelpunkt eines kreisrunden Zieles in 40 Metern Entfernung zu schieben.

Beim Curling („curl“ ist englisch und bedeutet „drehen“) werden Steine übers Eis in ein Ziel geschoben. Ein Curling-Team hat je vier Spieler, die spezielle Namen haben: Lead, Second und Third. Der Skip ist der Spielführer und bestimmt die Taktik, wie der nächste Zug gespielt wird.

In einem End spielen alle Spieler abwechselnd mit dem Gegner zwei Steine mit der Hand oder einem Stick (Stiel). Der Stein - der aus Granit besteht und fast 20 Kilogramm wiegt - wird gespielt, während der Rollstuhl steht. Es gewinnt die Mannschaft, von der zum Schluss mehr Steine näher am Mittelpunkt liegen.

Der Unterschied zum Curling ohne Rollstuhl liegt darin, dass nicht mit einem Besen vor dem Stein entlang gewischt wird, um dessen Richtung zu beeinflussen.

Das Spiel hat eine lange Tradition: der älteste erhaltene Curlingstein stammt aus dem 15. Jahrhundert und wurde in Schottland gefunden. Unter den paralympischen Wintersportarten ist Curling allerdings ein Frischling. In Turin feierte der Sport 2006 seine Premiere. Mittlerweile begeben sich rund 25 Nationen aufs Glatteis.

Lesen Sie hier mehr: Deutscher Curling Verband

 
 

Jagd im Schnee: Biathlon

Foto: Biathletin beim Schießen
Biathlonfahrer sind mit ruhiger
Hand und flinken Beinen unterwegs;
© Lieven/IPC

Die Herausforderung beim Biathlon: Die Sportler brauchen sowohl Ausdauer als auch Konzentration und Zielsicherheit.

Auf Skiern laufen Sportler bei der Langstrecke fünfmal und beim Sprint dreimal 2,5 Kilometer. Dazwischen machen die Sportler Schießstops. Sie schießen liegend auf ein Ziel in zehn Metern Entfernung. Wer daneben schießt, erhält entweder eine Zeitstrafe von einer Minute bei der Langstrecke oder muss eine Strafrunde von 150 Metern beim Sprint zurücklegen. Wer die geringste Zeit braucht, hat gewonnen.

Je nach Art der Körperbehinderung (Gehbehinderung, Querschnitt und so weiter) werden die Athleten in Klassen eingestuft und fahren entweder mit Skiern oder Sitzskiern. Sehbehinderte Athleten müssen beim Biathlon den richtigen Ton treffen. Denn sie schießen mit Lasergewehren anstelle des Luftgewehrs, das die Sehenden verwenden. Das Ziel finden sie mit einem Tonsignal über einen Kopfhörer. Je näher die Mitte ist, desto höher wird der Ton. Beim Fahren werden sie von einem Führer über die Strecke gelotst.

Schon vor über 5000 Jahren gab es Aufzeichnungen über das Jagen auf Skiern. Ende des 19. Jahrhunderts wurden Langlauf und Schießen zu militärischen Zwecken in Wettkämpfen geübt. Bei den paralympischen Spielen 1988 in Innsbruck, Österreich, stand Biathlon zum ersten Mal für Körperbehinderte auf dem Wettkampfplan und 1992 in Albertville auch für sehbehinderte Sportler.

Mehr dazu beim DBS Skiteam nordisch

 
 

Loipen und Pisten: Ski alpin und Skilanglauf

Foto: Skiläuferin
Schneller als die Polizei erlaubt
beim Abfahrtski; © Lieven/IPC

Die beiden übrigen paralympischen Wintersportarten sind Ski alpin (Abfahrtski) und Skilanglauf. Hier gibt es mehr über die beiden Sportarten:

Deutsches Paralympic Skiteam

 
 

Nach dem Krieg entstanden: Die Paralympischen Spiele

Die Geschichte der Paralympischen Spiele selbst begann nach dem zweiten Weltkrieg mit einem Wettbewerb in Stoke Mandeville, England. Veteranen, die durch Kriegsverletzungen auf einen Rollstuhl angewiesen waren, wollten wieder Sport treiben. Die ersten paralympischen Sommerspiele fanden 1960 in Rom statt, die Winterspiele 1976 in Örnsköldsvik, Schweden. Die nächsten Winterspiele werden 2010 in Vancouver, Kanada, sein, wo sich rund 600 Athleten in 50 Wettkämpfen messen.

Die offizielle Seite zu den Paralympischen Winterspielen in Vancouver 2010

Natascha Mörs
REHACARE.de

 
 

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