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Zahlreiche Möglichkeiten: Multiple Sklerose und Sport

Schwerpunkt: Sport

Zahlreiche Möglichkeiten: Multiple Sklerose und Sport

Mit freundlicher Genehmigung des Magazins "aktiv dabei" vom Behindertensportverband Nordrhein-Westfalen (BSNW).

 
 

Winston Churchills berühmtes Zitat "no sports" hat in der momentanen Fitness-Gesellschaft an Relevanz verloren. Heute wird Sport gleichgesetzt mit Gesundheit, Spaß und geselligen Begegnungen. Menschen mit Multipler Sklerose (MS) haben jedoch nur beschränkten Zugang zu zahlreichen Sportangeboten, obwohl körperliche Betätigung positive Effekte erzielt.

01.01.2006

 
 
Foto: Sportgruppe 
© aktiv dabei

"Kann und darf ich trotz meiner MS-Erkrankung Sport treiben?" ist gerade für diejenigen Patienten, die noch relativ leistungsfähig sind, eine bewegende Frage. Dazu ist zu sagen, dass Sport ein wesentliches Mittel ist, um die körperlichen Beeinträchtigungen durch die Erkrankung so gering wie möglich zu halten. Koordinative Übungen versetzen das Nervensystem in die Lage, die Funktion der beeinträchtigten Nervenfasern zumindest teilweise zu übernehmen und zu kompensieren. Ähnlich der Vorgänge beim motorischen Lernen oder bei der Therapie nach einem Schlaganfall. Aktivität und regelmäßige Übungen sind daher dringend zu empfehlen, zumal durch körperliche Aktivität Komplikationen der Erkrankung wie Thrombosen, Infektanfälligkeit, Kontrakturen, Osteoporose und auch der Resignation des Patienten vorgebeugt werden kann.

Ziele des Sports sind z.B.:

  • Verbesserung der Koordination und der Herz-Kreislauffunktionen

  • Sicherheit im Umgang mit Hilfsmitteln (z.B. Rollstuhl)

  • Überwindung von Isolationstendenzen

  • Steigerung des Selbstwertgefühls über Erleben der eigenen Leistungsfähigkeit

  • Steigerung der Lebensqualität durch aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben

Welche Sportarten sind geeignet, welche nicht? Diese Frage ist genau so wenig pauschal zu beantworten, wie die Frage nach den Symptomen von MS. Keinesfalls sollte man sich für die persönlichen Ziele am sonst üblichen "höher, schneller, weiter" und an technisch perfekten Bewegungsabläufen einer Sportart ausrichten. Wichtig ist es für MS-Patienten, eine Überlastung zu vermeiden. Hierzu gehört eine gesunde Einschätzung der eigenen Belastungsgrenzen.

 
 
Foto: Patienten an der Sprossenwand 
© aktiv dabei

Sportarten, die mit schnellen Reaktionen (zum Beispiel schnelle Ballspiele) einhergehen, erscheinen wegen der häufigen visuellen Probleme weniger geeignet. Ebenso Aktivitäten, die nicht kurzfristig abgebrochen werden können (längere Skitouren, lange Schwimmstrecken im freien Gewässer). Dagegen können Wassersportarten wie Rudern und Paddeln durchaus sinnvoll sein und sogar einen hohen Aufforderungs- und Erlebnischarakter haben.

Auch Sportarten, die nicht unbedingt zu den großen Volkssportarten zählen, wie das Tauchen, sind nicht grundsätzlich tabu. Das freudvolle Miteinander ohne (übertriebenen) Leistungsgedanken und die notwendigen Sicherheitsaspekte sollten auf jeden Fall im Vordergrund stehen.

Verkürzungen von Muskeln und die daraus resultierende eingeschränkte Beweglichkeit sind sehr häufige Komplikationen bei MS. Die Erhaltung und Verbesserung der Beweglichkeit mittels gymnastischer Übungen ist daher eine vorrangige Aufgabe, die in den Rehasportgruppen verfolgt wird.

Wärme scheint bei vielen MS-Betroffenen die neurologischen Symptome kurzeitig zu verschlimmern (Uhthoff-Phänomen). Daher sollten die Übungen, die der Übungsleiter durchführt, gut zu dosieren sein und dem einzelnen genügen, Spielraum für die eigene Belastungssteuerung zu lassen. Eine gute Belüftung des Raumes und, falls machbar, ein Verlegen der Aktivitäten auf kühlere Tageszeiten sowie das Meiden intensiver Sonneneinstrahlung gehören, wie das Einhalten von Pausen und ein entspannender Stundenausklang, zur Vorsorge.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das individuelle Krankheitsbild darüber entscheidet, was machbar und empfehlenswert ist und was nicht. Es ist daher ratsam, sich einer Sportgruppe anzuschließen, die von einem speziell ausgebildeten Übungsleiter geführt wird.

© aktiv dabei

- Bestehende Sportgruppen in Ihrer Nähe nennt Ihnen der BSNW unter: www.bsnw.de

 
 

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