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„Wir sind keine Favoriten“ – Interview mit Bundestrainer Papageorgiou

Schwerpunkt: Sport

„Wir sind keine Favoriten“ – Interview mit Bundestrainer Papageorgiou

Mit freundlicher Genehmigung des Magazins aktiv dabei veröffentlicht REHACARE.de ein Interview mit dem Trainer der bislang erfolgreichsten deutschen Behinderten-Sportmannschaft.01.04.2004

Foto: Athanasios Papageorgiou 
© aktiv dabei

"Aktiv dabei" sprach mit Bundestrainer Athanasios Papageorgiou über Standvolleyball und die Chancen der deutschen Mannschaft bei den anstehenden Weltmeisterschaften.

aktiv dabei: Sie betreuen das Deutsche Nationalteam der Behinderten seit vielen Jahren, wie sind Sie zum Behindertensport gekommen?

Papageorgiou: Die Frage ist einfach und sehr interessant zu beantworten. Ich habe während meines Diplomstudiums Behindertensport auch als Schwerpunktfach – damals hieß es Versehrtensport – absolviert, das war 1967, und erst danach habe ich Volleyball und Basketball als weitere Schwerpunktfächer hinzugenommen.

Das heißt, ich kannte damals Herrn Professor Kosel bereits sehr gut, denn er war mein Lehrer. 1983 haben wir eine Dienstreise gemacht, Prof. Wilke, Prof. Kosel und ich nach Athen und Thessaloniki, um die Beziehungen zwischen den Universitäten zu verbessern. Im Rahmen dieser Reise in 10.000 m Höhe hat Prof. Kosel mich gefragt, ob ich bereit wäre, die Volleyballer zu betreuen, weil der damalige Trainer nicht mehr weitermachen wollte. Ich habe spontan zugestimmt.

Nach drei Wochen fanden die Deutschen Meisterschaften im Volleyball in Saarwellingen statt. Dort habe ich eine neue Nationalmannschaft gebildet, bestehend aus zwölf Spielern. Nach drei Monaten sind wir mit dem neuen Team, zu dem auch zwei Doppel-Unterschenkenamputierte gehörten, zur WM gefahren. Dort haben wir nach einem Spiel gegen Israel den 2. Platz gemacht. Israel war damals die weltbeste Mannschaft und gewann erst nach fast drei Stunden knapp mit 3:2.

aktiv dabei: Das Volleyballteam des DBS ist die erfolgreichste Sportspielmannschaft im Deutschen Sport überhaupt. Haben Sie ein Erfolgsgeheimnis, das Sie uns verraten?

Papageorgiou: Wir beim Behindertensport sind weit entfernt von einer Professionalisierung. Mittel sind daher chronisch knapp.

Zum Beispiel macht Polen mindestens einen dreimonatigen Lehrgang vor einer WM oder EM. Das gleiche gilt für die Slowaken und die Israelis spielen miteinander in einer Liga. Das heißt, sie haben viel bessere Vorraussetzungen als wir. Bei uns reichen die Mittel nur für drei bis vier Lehrgänge vor einer WM. Für mehr reicht unser Geld nicht.

Das Plus, das wir haben, ist unser Vereinswesen. Denn jeder Spieler, der bei uns in der Volleyball-Nationalmannschaft spielt, muss in einem nicht behinderten Verein spielen. Unabhängig von der Spielklasse – ob Oberliga oder Kreisklasse, das spielt keine Rolle. Entscheidend ist, und das ist meine Vorgabe an alle Spieler, sie müssen Leistungsträger in der Mannschaft sein. Sie müssen unter den ersten sechs sein, so dass sie genügend Spielpraxis haben. Das Vereinswesen der Bundesrepublik hilft uns sehr, auch wenn die anderen sehr viel tun, haben wir immer einen Vorteil.

In den Lehrgängen arbeiten wir hauptsächlich an der Taktik. Jetzt haben wir eine neue Mannschaft, die Spieler sind nicht so gut ausgebildet, deshalb müssen wir jetzt auch ein bisschen Technik schulen, und das erschwert natürlich das Ganze. Also das Erfolgsgeheimnis ist letztlich, dass wir das Vereinswesen haben, und das wir in diesen drei, vier Lehrgängen ein sehr gutes Spielsystem erarbeiten können. Die Spieler sind in der Lage, das Erarbeitete umzusetzen. Das Vereinswesen allein reicht natürlich nicht aus, sondern die Spieler müssen sehr motiviert sein.


- Zum zweiten Teil des Interviews

 
 

Präsentiert mit freundlicher Genehmigung von aktiv dabei!


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Präsentiert mit freundlicher Genehmigung von aktiv dabei! - www.bsnw.de

 
 

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