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Dreiradfahren: Neue Technik bringt Querschnittsgelähmten zum Weltrekord
Schwerpunkt: Sport
Dreiradfahren: Neue Technik bringt Querschnittsgelähmten zum Weltrekord
Jedes Jahr staunen Hobbyradfahrer aufs Neue, wie sich Erik Zabel und Co. bei der Tour de France an sportliche Höchstleistungen heranstrampeln. Weniger bekannt sind der Internationale Funktionelle Elektrostimulation Sporttag (FES) im britischen Cardiff: Ende Juni hatten dort komplett Querschnittsgelähmte zum ersten Mal die Möglichkeit sich beim Dreiradfahren und Rudern zu beweisen.
01.08.2006
Da Querschnittsgelähmte nur schwer das Gleichgewicht auf Dreirädern halten können, entwickelten Mediziner und Forscher der Neurologischen Klinik am Klinikum der Universität München spezielle technische Methoden und Trainingsprogramme für Querschnittsgelähmte zur Verwirklichung des Radfahrens. Und der Erfolg gab den Münchner Wissenschaftlern Recht: Einer ihrer Patienten, Reinhardt Vetter, gewann das Rennen. Er setzte sich gegen die anderen elf Teilnehmer durch und stellte mit einer Zeit von fünf Minuten und vier Sekunden den Weltrekord für 1000 Meter-Radrennen für Querschnittgelähmte auf.
Spannung beim Start; © FES
Dass dieses Ergebnis nicht nur einfach durch Glück zustande kam, zeigte eine weitere Münchner Patientin. Sabine Kaiser erreichte das Ziel im Mittelfeld bei den Dreiradfahrern. Als Anerkennung für die hervorragenden Ergebnisse der Sportler sollen die nächsten FES-Sporttage in München abgehalten werden.
Hinter der besonderen Trainingsmethode der Münchner Forscher steckt die Elektrostimulation. Auf die Haut geklebte Elektroden reizen die im Muskel verlaufenden Nerven mit Strom und die dazugehörigen Muskelpartien ziehen sich dann zusammen. Eine elektrische Stimulation der Beinmuskeln, die in einer bestimmten Reihenfolge ablaufen muss, kriegt es hin, dass sich gelähmte Körperteile bewegen. Sogar soweit, dass gelähmte Beine Fahrradpedale treten können. Aber letztendlich reicht diese Methode bis heute nicht aus, dass ein Querschnittgelähmter Strecken damit zurücklegen kann, die der Alltag abverlangt.
Das Team um Dr. Johann Szecsi und Professor Andreas Straube führte deshalb ein spezielles Projekt durch: "Funktionelle Elektrostimulation und Fahrradfahren: Entwicklung eines Standards zur Verbesserung der gesundheitlichen Situation und der Mobilität von Menschen mit Lähmungen der Beinmuskulatur". Dabei wurde eine Methode erarbeitet, die eine optimale Anpassung von Fahrrad und Stimulation des Patienten erreichte. Nach der grundsätzlichen Etablierung der FES-Radfahrtechnologie für Querschnittgelähmte an der Münchner Universität im Jahre 2003, verglichen die Forscher die Leistungen von Liegerädern und normalen Fahrrädern, wie beispielsweise einem Hollandrad.
Der deutsche Sieger in Aktion;
© FES
Dabei zeigte sich, dass das Liegerad bessere Erfolge erbrachte. Als besonders effektiv erwiesen sich leichte Liegeräder und solche mit geringem Rollwiderstand. Damit der Patient die Intensität der Stimulation selbst einstellen konnte, wurde am Lenker ein Gashebel angebracht.
Im Bereich der Stimulation forschten die Wissenschaftler mit verschiedenen Frequenzen. Dabei kamen sowohl niedrige Stimulationen um die 20 Hertz sowie mittlere Frequenzen um 4000 Hertz zum Einsatz. Außerdem experimentierte die Forschergruppe mit doppelten Impulsen.
Erfolgreich waren die Münchner Wissenschaftler mit dem Heimtraining. Indem die acht Studienteilnehmer dreimal pro Woche mindestens eine Stunde am Ergometer zuhause trainierten, erzielten die Forscher Kraft-, Ausdauer- und Massenzuwächse der gelähmten Muskulatur von bis zu 50 Prozent. Die Kraft- und Massenzuwächse der Muskulatur der Studienteilnehmer werden durchschnittlich alle zwei bis drei Wochen im Münchner Zentrum für Sensomotorik geprüft, notwendige Änderungen des Trainings werden mit den Studienteilnehmern besprochen und durchgeführt.
Mittlerweile können alle Patienten ihre Dreiräder durch flüssiges Treten der Pedale bewegen und ebene Strecken von bis zu 2,5 Kilometern je Sitzung zurücklegen. In einem zweiten Projekt wird bereits diese Methode an Patienten mit halbseitiger Lähmung, Multipler Sklerose und anderen Lähmungserkrankungen erprobt.
REHACARE.de; Quelle: Zentrum für Sensomotorik der Neurologischen Klinik, Klinikum der Universität München - Großhadern
- Weitere Informationen finden Sie unter: www.klinikum.uni-muenchen.de












