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Therapeut mit der kalten Schnauze

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Therapeut mit der kalten Schnauze

Schwarz-weiß gefleckt und 75 Kilogramm schwer – das ist Therapiehund Bandit. Auf der REHACARE stellt seine Besitzerin beim „Marktplatz Gehirn“ die Canistherapie bei Patienten mit Wachkoma und Autismus vor.09.10.2010

Foto: Schwarz-weiß gefleckter großer Hund 
Bandit liegt ganz entspannt da,
während sein Frauchen über die
Therapie mit ihm berichtet;
© Messe Düsseldorf

Bandit ist ein ganz entspannter und ruhiger Hund. „Das ist auch wichtig. Solange er etwa Körperkontakt mit einem Patienten hat, bewegt er sich nicht von der Stelle“, erzählt Susanne Kaiser, Heilpraktikerin aus Düsseldorf. Vor etwa sechs Jahren hat sie diese Therapie hauptsächlich für Menschen mit Hirnschäden entwickelt.

Die tiergestützte Therapie mit Hunden, auch Canistherapie genannt, wird bei der Wiedereingliederung von sozial, geistig oder auch körperlich benachteiligten Personen in die Gesellschaft oder das Privatleben eingesetzt. Dabei handelt es sich um eine natürliche Reizstimulation: Die Patienten fühlen das warme Fell des Hundes, sehen seine Bewegungen, riechen ihn und hören die Geräusche, die er macht.

Bevor sie mit der Therapie beginnt, spricht Susanne Kaiser allerdings erst einmal mit dem Pflegepersonal und der Familie. Sie klärt, welche Ziele erreicht werden sollen, und auch, ob der Patient überhaupt Tiere, vor allem Hunde, mag und auf sie reagieren würde.

Wachkoma-Patienten sollen sich in erster Linie durch den intensiven Körperkontakt mit Bandit entspannen und ihn mit allen Sinnen wahrnehmen. Eine Patientin, die sonst nur in der Embryonalhaltung lag, hat diesen direkten Kontakt mit Bandit regelrecht eingefordert und nahm eine vergleichsweise entspannte Position ein. Auch ihre sonst immer zur Faust geballte Hand öffnete sie und griff damit sogar nach Bandits großer Pfote.

Auch bei autistischen Kindern kommt der Vierbeiner gut an: „Der Schwerpunkt in der Therapie mit Autisten liegt vor allem auf der Bewegungskoordination und der selbstbestimmten Kontaktaufnahme“, erklärt Kaiser. Nähert sich das Kind dem Hund, dreht Bandit seinen Kopf vom Kind weg. „Damit gibt er dem Kind die Freiheit, selbst zu entscheiden, wie viel Kontakt es wirklich zulassen will. Durch dieses Verhalten werden die Kinder dann meist mutiger und suchen intensiven Körperkontakt“, erzählt Bandits Besitzerin.

 
 
Foto: Besucherinnen im Rollstuhl streicheln Bandit 
Bandit ist ein richtiger Kuschelhund. Er sucht Kontak zu den Menschen und die Besucher der Messe schließen ihn sofort ins Herz; © Messe Düsseldorf

Die Dauer einer Therapiestunde kann ganz unterschiedlich sein: Bei Wachkoma-Patienten dauert sie meist zwanzig bis dreißig Minuten. Bei Autisten muss manchmal schon nach fünf Minuten abgebrochen werden. Susanne Kaiser betont allerdings: „Trotz der vermeintlich kurzen Dauer, darf man die Wirkung nicht unterschätzen. Die Kinder werden ruhiger und schlafen besser und bei Wachkoma-Patienten kann die erreichte Entspannung bis zu zwei Tage anhalten.“ Damit seien manchmal längere Effekte zu erzielen als mit Physiotherapie.

Aber nicht jede Rasse ist für diese Art der Therapie geeignet. Es kommt auf die Belastbarkeit des Hundes an, aber auch auf seinen Charakter und seine Vorlieben. Bandit ist ein Landseer. „Ich habe mich für einen so großen und kräftigen Hund entschieden, weil er so auch bei Erwachsenen eingesetzt werden kann“, sagt Susanne Kaiser. Umarmt ein spastischer Patient den Hund und verkrampft plötzlich, dann hält Bandit das aus. Mit anderen Rassen wäre so etwas nicht möglich.

Susanne Kaiser hat es in den letzten sechs Jahren bis jetzt noch nicht erlebt, dass der Kontakt mit Bandit ohne Wirkung gewesen wäre: „Ich bekomme immer noch eine Gänsehaut, wenn ein Patient Fortschritte macht, die man nicht vorhersehen konnte.“

Nadine Lormis
REHACARE.de

 
 

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