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Corinna May - Ich kann nicht leben ohne Musik

Schwerpunkt: Musik

Corinna May - Ich kann nicht leben ohne Musik

Corinna May - das Jahr 2002 machte sie bekannt. Die blinde Sängerin gewann den Vorentscheid zum Eurovision Song Contest und ging für Deutschland mit dem Lied "I Can't Live without Music" nach Tallin in Estland. Dort belegte sie dann nur den 21. Platz, aber ihr Name war in aller Munde.

16.06.2006



Eigentlich ist die 35-Jährige Diplom-Masseurin und medizinische Bademeisterin. Ihren gelernten Beruf hängte sie für ihre Liebe zur Musik an den Nagel. REHACARE.de sprach mit Corinna May über die Anfänge ihrer Sangeskarriere, ihre Behinderung und ihre Wünsche für die Zukunft.

REHACARE.de: Sie haben viele Jahre als ausgebildete Diplom-Masseurin und medizinische Bademeisterin gearbeitet. Wie kam es dazu, dass Sie eine Karriere als Sängerin eingeschlagen haben?

 
 
Foto: Corinna May auf der Bühne 
Corinna May kritisiert die Medien;
© REHACARE.de

Corinna May: Ich hab immer schon nebenbei gesungen. Am Anfang habe ich im Chor gesungen, später dann in einer Jazzband. Ich hatte dann so viele Auftritte, dass ich mir überlegt habe, es wäre auch schön, wenn ich es beruflich machen könnte. Denn es war immer schon mein Traum, ich wollte schon immer Sängerin werden. Ende 1996 habe ich meinen Manager kennen gelernt und 1997 habe ich dann meinen Beruf an den Nagel gehängt.

REHACARE.de: Sie singen mal deutsche Schlager, sie covern, es gab auch englischen Pop und Jazz. Welche Musikrichtung steht eigentlich wirklich für Corinna May?

Corinna May: Erst mal mag ich diese Schubladen nicht, in die in Deutschland Künstler gesteckt werden, das find ich ganz fürchterlich. Meine Schublade ist ja Schlagersängerin und da pass ich einfach nicht rein. Ich bin nicht nur Schlagersängerin. Ich bin halt Sängerin und das beinhaltet für mich alle Genres mal anzutesten und für mich zu gucken, in welchem ich mich wohl fühle. Musik ist viel zu vielfältig, um mir da ein Genre auszusuchen. Jazz wäre mir zu langweilig und Schlager wäre mir allerdings auch zu langweilig. Ich brauch Abwechslung. Allerdings ist mein Album "Jetzt wie noch nie" schon deutsch. Es erscheint im Herbst und vereint Deutschpop mit deutschem Schlager. Aber ich mach auch weiterhin mit meinem Trio Jazzmusik.

REHACARE.de: Was für Schwierigkeiten kommen auf Sie zu, wenn Sie Ihren Job sei es auf der Bühne oder im Tonstudio ausüben und dabei nicht sehen können?

Corinna May: Keine. Vor dem Auftritt gehe ich die Bühne immer ab. Meist habe ich einen Barhocker dort stehen, damit ich mich orientieren kann. Im Tonstudio gibt es keine Schwierigkeiten, denn zum Singen, muss man doch nicht sehen können.

REHACARE.de: Wurden Sie wegen Ihrer Blindheit im harten Musikgeschäft diskriminiert?

Corinna May: Grundsätzlich ist es immer schwierig einen Plattenvertrag zu bekommen. Aber Diskriminierungen habe ich nicht erfahren. Die Plattenfirmen waren zwar anfangs eher skeptisch. Sie haben es sich schwieriger vorgestellt, als es in Wirklichkeit ist. Denn sie wussten nicht wie sie reagieren sollten. Dies hängt meist mit Berührungsängsten zusammen. Aber wenn die Menschen mich dann kennen lernen, dann hat sich dies erledigt.

REHACARE.de: Soweit ich weiß, haben Sie bis jetzt nicht Ihre Behinderung in Ihren Songtexten thematisiert, ist das richtig?

Corinna May: Ich thematisiere das nicht großartig. Denn es nervt mich total, wenn in den Medien immer blinde Sängerin steht. Denn die Blindheit hat mit meiner Musik nichts zu tun. Ich möchte wie jeder andere Künstler wahrgenommen werden. Und nicht wie im Grand Prix 1999 das Wort "Mitleidsbonus" hören, das macht mich sauer. Ich will aufgrund meines Talents wahrgenommen werden und nicht aufgrund meiner Behinderung.

 
 
Foto: Corinna May lacht 
"Ich bin schon als Kind mit Jazz
groß geworden"; © Baltic Musik

REHACARE.de: Welche Menschen haben ihr Leben am meisten beeinflusst?

Corinna May: Privat haben mich meine Eltern geprägt. Mein Vater hat eine riesengroße Jazzplatten- sammlung. Ich bin schon als Kind mit Jazz groß geworden und hab wahrscheinlich schon im Bauch von meiner Mutter diese Musikrichtung gehört. Später wurde ich durch Soul und R&B sehr geprägt. Musikalisch haben mich im Jazzbereich Ella Fitzgerald und Sarah Vaughan beeinflusst. Im Pop-Bereich kam Ende '85 Whitney Houston auf den Markt. Wer so singt, ist einfach nur gesegnet mit der Stimme. Und im Soulbereich prägte mich Aretha Franklin.

REHACARE.de: Was stellen Sie sich für Ihre Zukunft vor?

Corinna May: Ich habe den Wunsch, dass das Album einen guten Anklang bei den Fans findet und dass es weiter mit meiner Karriere geht. Ein weiterer Wunsch ist, dass Journalisten lernen auch mal den Künstler, wenn er behindert ist, einfach als Künstler wahrzunehmen. Und das die einfach auch mal "Sänger" schreiben. Dieses "blind" ist für die Musikalität eines Künstlers völlig unwichtig. Es ist unwesentlich, ob er gucken kann, oder nicht. Joanna Zimmer und ich können singen und das könnten wir vielleicht auch, wenn wir sehen könnten. Es ist völlig unabhängig voneinander. Wir haben dieses Geschenk von Gott bekommen.

REHACARE.de: Wenn Sie die Macht hätten, was würden Sie als erstes für blinde Menschen verbessern?

Corinna May: Ich würde die Infrastruktur verändern. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten. Es geht schon los, wenn man an der Ampel steht und kein Signal für Sehbehinderte ertönt. Oder im Supermarkt: dort werden die Waren oft umgestellt und weil am Personal gespart wird, hat man oft keinen Ansprechpartner. Dann bin ich ständig am suchen. Das Leben ist so einfach zu visuell geprägt.

REHACARE.de: Was können Sie Menschen mit Handicaps als Ratschlag mit auf den Weg geben?

Corinna May: Einfach offen auf die Menschen zugehen. Ich lebe mein Leben ganz normal. Denn oft haben die anderen Menschen Berührungsängste. Wenn man gefragt wird, ob man Hilfe braucht und diese nicht benötigt, dann einfach höflich ablehnen. Ansonsten fragen die Menschen nicht mehr. So sehen sie, dass die Person zwar behindert ist, aber normal reagiert. Wenn ich Hilfe brauche, dann frag ich auch. Und wenn der Erste vorbeigeht, dann frag ich halt den Nächsten, denn hilfsbereite Menschen gibt es nicht immer.

REHACARE.de

- Mehr zu Corinna May gibts auf ihrer offiziellen Homepage unter: www.corinnamay.de

 
 

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