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Guildo Horn und seine Gäste
Schwerpunkt: Musik
Guildo Horn und seine Gäste
"Piep, piep, piep, ich hab dich lieb" - so kennen wir Guildo Horn, als er sich mit einer "aussagekräftigen" Botschaft an das europäische Publikum zum Eurovision Song Contest wandte. Aber der 43-Jährige ist nicht nur Sänger, sondern er verfolgt noch viele andere Projekte. Unter anderem ab dem 18. Juli ein ganz besonderes. Dann ist er Moderator einer neuen Talkshow "Guildo und seine Gäste". Der Clou: Guildo lädt geistig behinderte Menschen zu sich ins Studio ein, um sich mit ihnen zu unterhalten. REHACARE.de sprach mit dem Spaßvogel über die Sendung, "Normalos", "Behinderte" und Musik.
17.07.2006
REHACARE.de: Sie moderieren ab dem 18. Juli eine Talkshow mit geistig behinderten Gästen. Wer hatte diese Idee und wie entstand sie?
Guildo Horn: Die Sendung ist das Ergebnis meiner jahrelangen Arbeit mit sowohl lernbehinderten-, als auch geistig- und mehrfach behinderten Erwachsenen und einem Abendessen mit Frank Elstner. Da haben wir beide uns nämlich die Köpfe heiß geredet, und plötzlich war die Idee geboren.
In der Talkshow wird sich Guildo mit seinen Gästen über aktuelle Themen der Woche unterhalten; © SWR
REHACARE.de: Gibt es Erfahrungen mit dem Konzept aus anderen Ländern?
Guildo Horn: Nein. Bisher erscheinen geistig Behinderte im Fernsehen eigentlich stets nur als Hilfsempfänger. Wir dürfen dann an dieser Gesellschaftsgruppe unseren Altruismus abfeiern. Natürlich hat das auch seine Daseinsberechtigung, um Gelder für Förderung etc. zu akquirieren. Das zeigt aber nur die Hälfte der Medaille, denn Menschen mit geistiger Behinderung haben einfach viel mehr drauf und darüber hinaus vor allem ein Recht auf eine eigene Plattform in der sie sich als selbstständige Erwachsene zeigen können.
REHACARE.de: Worum genau soll es in dieser Talkshow gehen, was sind die Themen der Sendungen und wer ist das Zielpublikum?
Guildo Horn: "Guildo und seine Gäste" versteht sich nicht als Sendung, die sich ständig auf das Thema Behinderung stürzen muss. Wir werden das allerdings auch nicht explizit vermeiden. Ansonsten werden meine Gäste und ich uns den aktuellen Themen der Woche zuwenden, und darüber hinaus über alles Mögliche reden, was uns alle so bewegt. Ob Fußball, Doping, Arbeitslosigkeit, Liebe, Unterarmnässe. Vor allem werden wir `ne Menge Spaß miteinander haben.
REHACARE.de: Wie viel Gäste werden da sein? Wer werden ihre Gäste sein und woher bekommen Sie diese Kontakte?
Guildo Horn: Es werden immer vier Gäste anwesend sein. Bei der zweiten und vierten Sendung ist die Besonderheit, dass zwei Gäste der vorherigen Shows anwesend sind. Einen Teil meiner Gäste kenne ich noch aus der Lebenshilfe Werkstätte Trier. Dort habe ich Theater- und Musikgruppen geleitet. Zwei andere Gäste, Klaus und Carlos sind Bandmitglieder von Tabuwta (einer Musikgruppe bestehend aus Musikern mit Behinderungen) und die übrigen haben wir innerhalb der letzten Wochen gecastet.
REHACARE.de: Wie viel Sendungen sind geplant?
Guildo Horn: Der SWR, dem ich gerne auch für seinen Mut danken möchte, plant erstmal beginnend vom 18.07. um 23:05 Uhr vier Sendungen auszustrahlen. Und dann "schauŽn wer mal". Da es sich hier um ein echtes Pilotprojekt handelt weiß halt keiner von uns wo das Ganze hinläuft. Das macht die Geschichte für uns alle auch so besonders spannend und interessant. An dieser Sendung arbeiten wir jetzt seit ein paar Monaten mit einem wunderbaren Team und wir alle sind uns bewusst, wie speziell und angenehm reizvoll die Aufgabe ist. Vor allem sind wir erpicht darauf unseren Gästen einen gnadenlos angenehmen Einstieg in die Fernsehlandschaft zu bereiten.
"Von jüngster Kindheit an habe ich Kontakt zu geistig und mehrfach behinderten Erwachsenen"; © SWR
REHACARE.de: Warum wurden Sie gefragt, diese Sendung zu moderieren?
Guildo Horn: Da das Konzept ja von mir ist, hat sich diese Frage nicht gestellt. Von Hause aus bin ich Diplom Pädagoge und habe von jüngster Kindheit an über die Arbeit meiner Mutter, die in Trier den Lebenshilfebus fuhr, Kontakt zu geistig und mehrfach behinderten Erwachsenen. Der Umgang mit diesen Menschen ist für mich ganz selbstverständlich. Das ist natürlich auch die Grundvoraussetzung, um ein solches Format zu moderieren, was ich im Übrigen noch nie getan hab. Dies ist also auch meine Moderatorenpremiere. Ich freu mich drauf.
REHACARE.de: Wird denn nicht genug getalkt: Warum braucht es gerade diese Talkshow?
Guildo Horn: Gerade weil zuviel getalkt wird, und ich meine jetzt nicht nur die unzähligen Nachmittagsteile, wird es Zeit mal vernünftige, authentische Menschen zu Wort kommen zu lassen.
REHACARE.de: Woher kommt ihr Interesse an Menschen mit Handicaps?
Guildo Horn: Ich mag Leute, die sich nicht verstecken und ihre Gefühle und Gedanken offen darlegen und nicht ständig damit beschäftigt sind, durchschnittlich zu wirken. In diesem Punkt können wir "Normalos" alle noch was von den "Behinderten" lernen. Für mich ist es immer wieder verblüffend wie beispielsweise in den bekannten Politformaten studierte, teils promovierte Leute sitzen und es auf die Reihe kriegen, so viel zu reden und doch so wenig zu sagen. Das wird bei meinen Gästen mit Sicherheit nicht so sein.
REHACARE.de: Ihre Songs sind sehr spaßorientiert. Haben Sie das Thema Behinderung eigentlich schon mal in Ihren Liedern thematisiert?
Guildo Horn: Nö, das will ich auch gar nicht. Ich habe eh nicht vor in meiner Sendung viel über das Thema Behinderung zu reden. Man fragt einen Gast bei Christiansen ja auch nicht nach seinem Harnsäurespiegel.
REHACARE.de: Gibt es in Zukunft weitere Projekte, die Sie mit Menschen mit Behinderungen planen?
Guildo Horn: Jetzt freue ich mich erst einmal auf eine tolle Sendung und werde sicherlich um die Weihnachtszeit wieder mit Tabuwta ein Konzert geben.
"Ich bin vielseitig interessiert und hab mir meinen Beruf vor allem gerade deshalb gewählt, weil ich mich hier völlig austoben darf."; © SWR
REHACARE.de: Sie sind Diplompädagoge, Sänger, Musicaldarsteller, Bafögbotschafter, Vogel des Jahres, WM Botschafter für Rheinland Pfalz 2006 und demnächst Moderator auf SWR. Wie erklären sie sich, dass Ihr Leben so vielseitig ist?
Guildo Horn: Ich bin vielseitig interessiert und hab mir meinen Beruf vor allem gerade deshalb gewählt, weil ich mich hier völlig austoben darf. Jeden Tag die gleiche Baustelle ist eben nicht mein Ding und ich hab auch nicht das Bedürfnis stets mein eigenes Klischee erfüllen zu müssen. Das heißt jedoch nicht, dass ich so schnell mal über die einzelnen Sachen hinwegstreife. Wenn ich mich für ein Projekt entschieden habe dann gehe ich mit Haut und Haaren darin auf.
REHACARE.de: Was haben Sie musikalisch noch für Projekte? Werden Sie Ihre Musik auch in der Show integrieren?
Guildo Horn: Ich bin seit Jahren eigentlich ständig auf Tour mit meiner Band den "Orthopädischen Strümpfen". Vielleicht veröffentlichen wir zum Jahresende noch ein neues Album. "SchauŽn wer mal" auch hier, ob die Zeit reicht. "Guildo und seine Gäste" spielt im Studio, das meinem Wohnzimmer nachempfunden wurde. Da stehen ein Flipper und eine Menge an Instrumenten, die nur gespielt werden wollen.
REHACARE.de
- Weitere Informationen zu Guildo Horn finden Sie unter: www.guildo-horn.com












