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Der Kopf gibt den Ton an

Schwerpunkt: Musik

Der Kopf gibt den Ton an

Lungentraining, das Spaß macht - mit einem Instrument, das klingen kann wie ein Saxophon, wie ein Klavier oder gar wie ein Schlagzeug. Da muss wohl Magie im Spiel sein. Nicht ganz - zwar heißt das Instrument Magic Flute, übersetzt Zauberflöte, aber man muss nicht hexen können, um sie zu spielen. Alles, was man dafür braucht, ist der eigene Kopf.

01.10.2008

 
 
Foto: Kleiner Junge spielt Magic Flute
Ein glücklicher Musikant;
© Magic Flute

Einmal pusten – ein Ton. Den Kopf nach oben und unten schwenken und schon erklingt eine Tonleiter. Völlig perplex staunte der kleine Glenn im August 2006, als aus dem Gerät, in das er hineinblies, die ersten Töne herauskamen. Zum ersten Mal konnte er ein Musikinstrument spielen. Denn er ist ohne Arme geboren und die Hände liegen direkt an seinen Schultern.

Dass Glenn Musik machen kann, hat er der Idee dreier Männer aus drei verschiedenen Ländern zu verdanken. Einer davon ist Ruud van der Wel. Er ist Atemtherapeut im Rehazentrum Rijndam in Rotterdam, Niederlanden, wo er mit körperlich und geistig behinderten Kindern und Jugendlichen zwischen vier und 20 Jahren arbeitet. Viele der Kinder müssen Atemübungen machen, weil sie Muskelerkrankungen haben wie Duchene oder Muskelschwund. Normalerweise müssen die Patienten dafür beispielsweise in Röhrchen mit Bällen pusten, um ihre Lungen zu trainieren – Spaß macht das aber nicht so richtig.

Also sah sich van der Wel vor rund fünf Jahren nach Alternativen um und kam über das Internet in Kontakt mit dem New Yorker David Whalen, der selbst nach einem Skiunfall Tetraplegiker ist und immer nach neuen Wegen sucht, trotz seiner Behinderung Musik zu machen. Die beiden stellten sich ein Blasinstrument vor, für das man keine Hände braucht, um es zu spielen. Technisch umsetzen konnten sie ihre Vorstellungen aber erst, als sie den Iren Brian Dillon, Spezialist und Magic Flute.

Wie es funktioniert: Auf einem Stativ ist die Flöte fest angebracht. Über ein Mundstück wird hineingeblasen – der Ton wird lauter, je fester gepustet wird. Die Kopfbewegungen hoch und runter bestimmen die Tonhöhe. Das Display des Kontrollgerätes, das an die Flöte angeschlossen ist und auch mit Pusten und Blasen bedient werden kann, zeigt an, welchen Ton der Musikant gerade spielt. Mit einem Kabel kann das Blasinstrument an andere elektrische Tonquellen angeschlossen werden wie Keyboard, Synthesizer oder Computer. Damit lassen sich dann die unterschiedlichsten Klänge erzeugen von Flöte und Gitarre bis hin zu Schlagzeug und Rhythmen.

Das Blasinstrument schlägt gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Die Lunge - ob stärker oder schwächer - wird trainiert. Und es spielt keine Rolle mehr, ob jemand seine Arme bewegen kann oder nicht. Denn man braucht ja nur den Kopf, um Songs zu spielen. Und wer weiß, vielleicht wird ja der nächste Rockstar ein „magischer Flötist“ sein.

Zusammen mit Ruud van der Wel können die Besucher der diesjährigen REHACARE in Düsseldorf die Magic Flute in Halle 6 an Stand 44 selbst ausprobieren.

Natascha Mörs
REHACARE.de

 
 

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