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Leben mit Beini - Teil 2
Schwerpunkt: Prothesen
Leben mit Beini - Teil 2
01/02/2006
Vom Plastik- und FleischbeinEine ungleich schwerere Behinderung als Daniel hat Niko Kolley, der ganz ohne rechtes Bein geboren wurde; eine Dysmelie, die der Hüftexartikulation entspricht. "Die Ärzte haben uns davon trotz 3-D-Ultraschall-Analyse nichts erzählt", sagt seine Mutter Martina. "Aber unser erster Impuls war: Hauptsache, das Kind lebt!" Heute ist der vierjährige Niko ein quicklebendiger Junge und ein echtes Bewegungstalent, was er beim Spielen mit dem Hüpfball unter Beweis stellt.
Niko nennt seine Prothese
"Plastikbein"; © HANDICAP
Im Alter von 10 Monaten bekam er seine erste Prothese, mit 20 Monaten konnte er laufen. Dabei ist so eine Beckenkorbprothese mit künstlichem Knie- und Hüftgelenk ein ziemliches Ungetüm für einen kleinen Jungen, aber Niko hat noch nie darüber geklagt, dass ihm etwas weh tut. Er steigt mit Prothese Treppen hoch und runter und hat überhaupt keine Angst, sich dabei einmal auf die Nase zu legen. "So langsam reflektiert er aber, dass er anders ist", sagt seine Mutter. Niko nennt seine Prothese "Plastikbein", das andere Bein ist sein "Fleischbein". Zwei "Fleischhände" hat er natürlich auch.
So richtig nervig seien nur die beiden ersten Prothesen gewesen, weil die ständig kaputt gingen, erinnert sich Martina Kolley: "Neue Prothesen kann man schließlich nicht wie Milch im Laden kaufen". Viel schlimmer aber war, dass die Krankenkasse eine Prothesenversorgung zunächst kategorisch ablehnte, und zwar mit der Begründung: "Das ist uns zu teuer für ein kleines Kind". Die Alternative wäre der Rollstuhl gewesen, "aber das war für uns nie eine Frage", sagt Martina Kolley. Nachdem sie mit einer Klage drohte, gab es keinen Streit mehr mit der Kasse. "Man hat ein Recht auf die Versorgung und darf sich nicht einschüchtern lassen, sondern muss knallhart sein", lautet ihr Resümee. "Aus dem Schlimmsten sind wir nun erst einmal raus, und später werden die Prothesen für Niko sicher noch besser sein", hofft Ehemann Thomas.
Sport macht Spaß; © HANDICAP
Schon heute geht Niko mit seiner Beckenkorbprothese aufs Trampolin und kann sogar mit einem Dreirad fahren. "Das eröffnet ihm einen viel größeren Aktionsradius", freut sich Martina Kolley. "Man darf behinderte Kinder nicht zu Hause verstecken, sondern muss ihnen alles möglich machen."












