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Hürden benennen

Schwerpunkt: Familie

Hürden benennen

06.01.2006
 
Der Alltag enthält viele Barrieren
© Uni Leipzig

Dass der Alltag mit behinderten Kindern unendlich mehr Hürden aufweist als der mit nichtbehinderten, ist unbestritten. Um ein Fakten-Fundament zu legen, analysieren die Sozialmediziner der Universität Leipzig den Alltag von Familien mit behinderten Mitgliedern.

Der erste Schritt bildete die im vergangenen Jahr veröffentlichte Studie "Lebenswelten behinderter Kinder und Jugendlicher in Sachsen". "Wir haben 2427 behinderte und nichtbehinderte Kinder gebeten, uns mittels Fragebögen ihre Erfahrungen und Probleme, Gefühle und Wünsche mitzuteilen", erläutert die Medizinsoziologin Dr. Marion Michel. "Hinzu kamen noch über 800 Familien die wir auf dem gleichen Wege befragten und 374 Familien, die uns zu vertiefenden Interviews zur Verfügung standen."

Aus diesem komplexen Überblick ergaben sich erstmals zahlreiche Vergleiche. So ist es eindeutig: Familien mit behinderten Kindern sind - trotzt steuerlicher Entlastungen und Sozialleistungen - finanziell schlechter gestellt. Das liegt zum einen daran, dass es die Eltern besonders schwer haben, sich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten. Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder setzen engere Grenzen hinsichtlich Fortbildungen. Gleichzeitig liegen die Ausgaben für den Alltag über denen anderer Familien. Das beginnt schon bei den höheren Müllkosten, wenn größere Mengen Zellstoffwindeln entsorgt werden müssen, reicht über häufigere Fahrtkosten bis hin zur schnelleren Abnutzung von Kleidung und Einrichtungsgegenständen.

"Erschreckend war für uns auch, dass die Familien oftmals unzureichend informiert waren über die Behinderung des Kindes, über mögliche Therapien, über Entwicklungsprognosen und selbst über die ihnen zustehende Unterstützung", begründet Dr. Michel ihre Forderung nach mehr Dialog und kompetenteren Auskünften.

So wie die Analyse belegte, dass einige Probleme die Familien wesentlich stärker als erwartet belasten, konnten auch Befürchtungen entkräftet werden. Beispielsweise sind die Partnerschaften von Eltern mit behinderten Kindern nicht mehr oder weniger stabil als im Durchschnitt des Landes, wobei hier Unterschiede bei einzelnen Behinderungsarten deutlich werden.

Die abgeschlossene Studie zu behinderten Kindern und Jugendlichen war zudem Anstoß für weitere Untersuchungen, die sich der medizinischen Versorgung von Menschen mit Hörschädigungen und der zahnmedizinischen Versorgung von Lernförderschülern widmen und das Bild weiter abrunden. Kürzlich begannen sie zudem mit einer Studie über behinderte Mütter.

- Informationen zur Universität Leipzig unter: www.uni-leipzig.de

 
 

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