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Die ASO-Kids-Band: „Plötzlich schnappte sie sich das Mikrofon und erzählte“
Specials
Die ASO-Kids-Band: „Plötzlich schnappte sie sich das Mikrofon und erzählte“
Musik macht mutig. Das beweist eine fetzige Band aus Langenstein in Österreich. Schüler mit Verhaltensauffälligkeiten, Lernschwierigkeiten und schweren körperlichen Behinderungen sowie einige ihrer Lehrer sind die Stars der ASO-Kids-Band.
01.12.2010
Diplom-Pädagogin Bettina Auböck
ist eine passionierte Sängerin;
© privat
Leiterin der Truppe ist die Lehrerin Bettina Auböck. Sie unterstützt die Schüler zwischen sieben und 18 Jahren, indem sie mal den Taktstock, mal das Tamburin und mal das Mikro zum Schwingen bringt. REHACARE.de sprach mit der aufgeschlossenen Österreicherin über ansteckende Musik, bewegende Erlebnisse und einen Proberaum, der bald zu eng wird.
REHACARE.de: Frau Auböck, hört man die ASO-Kids-Band spielen, glaubt man kaum, dass die Schüler in der Band alle unterschiedliche Beeinträchtigungen haben. Wie ist das möglich?
Bettina Auböck: Die Instrumente sind so vorbereitet, dass man sie einfacher spielen kann als gewöhnlich. Die Gitarren sind beispielsweise auf eine Tonart gestimmt, sodass die Kinder mit einem Griff mehrere Akkorde spielen können. Und das Keyboard lässt sich mit einem Finger bedienen. Ein Mädchen ist Spastikerin und kann einen Arm nicht richtig bewegen – sie spielt mit dem gesunden Arm eine Trommel. Das ist alles eine Sache der Übung.
REHACARE.de: Wie oft probt die Band?
Auböck: Normalerweise jeden Donnerstag. Wir machen aber auch mal längere Pausen, damit die Lust aufs Spielen bleibt. Und da wir ein Schulprojekt sind, haben wir in den Ferien auch frei. Die Kinder vermissen die Musik aber ziemlich schnell und freuen sich immer, wenn es wieder losgeht.
REHACARE.de: Wie ist die Gruppe entstanden?
Auböck: Aus dem Musikunterricht heraus, den ich in einigen Klassen an unserer Schule gebe. Mit ein paar Schülern habe ich einige Weihnachtslieder in der Schule vorgetragen. Unser Direktor schlug vor, auch anderen Schülern das Gitarrespielen beizubringen. Das ist recht schwierig und ich hatte zunächst Zweifel. Doch er ist selbst Musiker und zeigte uns die vereinfachte Spielweise. Er hat sich von Anfang an für das Projekt ins Zeug gelegt, Instrumente und Ausstattung besorgt und spielt selbst mit. Aus Allgemeine Sonderschule haben wir ASO gemacht – der Name der Band war gefunden. Zuerst waren sieben Schüler in der Gruppe, jetzt sind es schon 14.

Die bunte Truppe in Action. Der abgestimmte Look passt zur harmonischen Stimmung der Musiker; © ASO Langenstein
REHACARE.de: Von rund 50 Schülern an der gesamten Schule ist das eine ganze Menge. Wie erklären Sie sich diesen Zuwachs?
Auböck: Ich denke, die Begeisterung der Kinder ist ansteckend. Sie gehen voll auf durch die Musik. Endlich können sie einmal im Rampenlicht stehen und merken, dass sie auch mit ihren Einschränkungen ganz viel erreichen können. Das ist unser Hauptanliegen geworden.
REHACARE.de: Steckt hinter dem ganzen Projekt ein pädagogisches Konzept?
Auböck: Nicht direkt. Eigentlich ist es von Beginn an Learning by Doing – einfach zusammen musizieren. Aber die positiven Auswirkungen auf das Verhalten der Schüler sind deutlich zu sehen. Selbst Kinder mit schlechter Konzentration und auffälligem Verhalten werden zugänglicher und disziplinierter. Niemand zwingt sie zu irgendetwas und trotzdem strengen sie sich sehr an. Die Auftritte und der Applaus stärken ihr Selbstbewusstsein und sie wirken zufriedener.
REHACARE.de: Wie zeigt sich das?
Auböck: Da gab es ein ganz bewegendes Erlebnis. Wir waren im Bus auf der Reise nach Wien zur Preisverleihung des Fairness Awards. Ein Mädchen, das sonst nur wenig spricht, oder nur dann, wenn es dazu aufgefordert wird, sprang plötzlich auf, schnappte sich das Mikrofon und erzählte, wie froh sie sei, in der Band sein zu dürfen. Damit hatte ich nicht gerechnet.
REHACARE.de: Apropos Fairness Award – das ist nicht die einzige Auszeichnung, die es für die Musik an der ASO Langenstein schon gab…
Auböck: Richtig. Auch beim Europäischen Frühling 2010 und dem Teacher Award gab es positive Reaktionen.

Auch bei der SCHEZ-Preis-Gala 2009 gewann die Band;
© ASO Langenstein
REHACARE.de: Stört es die Kinder nicht, dass auch Erwachsene mit in der Band sind?
Auböck: Ich glaube nicht. In der Band sind wir einfach alle Musiker. Sie sehen uns nicht als die Oberlehrer an. Und wir respektieren uns gegenseitig. Sogar einige Schulabgänger spielen immer noch in der Band.
REHACARE.de: Und warum machen die Erwachsenen mit?
Auböck: Weil es ihnen Spaß macht und teilweise natürlich, um die Kinder zu unterstützen. Der Enthusiasmus der Schüler steckt auch sie an. Wir haben immer öfter besondere Gäste, die mitmachen möchten, wie einmal den Bürgermeister aus dem Nachbarort bei einem Weihnachtskonzert in einem Einkaufszentrum.
REHACARE.de: Was steht in Zukunft auf dem Plan für die ASO-Kids-Band?
Auböck: Die nächsten Auftritte natürlich, beispielsweise an Fasching. Außerdem wollen wir noch mehr Kinder für die Musik begeistern. Dann werden wir jedoch bald einen neuen Proberaum brauchen, unserer wird langsam zu eng.
Dieses Interview führte Natascha Mörs.
REHACARE.de












