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Familienpflegezeit – Für den Spagat zwischen Familie und Beruf
Schwerpunkt: Pflege zu Hause
Familienpflegezeit – Für den Spagat zwischen Familie und Beruf
Pflege braucht Zeit. Zeit ist aber das, was berufstätigen pflegenden Angehörigen meist fehlt. Die sogenannte Familienpflegezeit soll ihnen nun den Rücken stärken und Beruf und Pflege in Kombination ermöglichen. Im Café Forum auf der REHACARE 2010 stand dieses Thema heute zur Diskussion.08.10.2010
Werner Kammann vom BMFSFJ;
© Messe Düsseldorf
Den ganzen Tag arbeiten gehen und zu Hause den pflegebedürftigen Vater versorgen – eine doppelte Belastung, die an den Kräften zehrt. Um die Pflegenden zu unterstützen, plant das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) die "Familienpflegezeit". Die Pflegenden können ihre Arbeitszeit um bis zur Hälfte verringern und erhalten trotzdem drei Viertel des bisherigen Gehalts.
"Die Pflegezeit kann bis zu zwei Jahre genutzt werden", erklärte Werner Kammann von der Abteilung „Ältere Menschen“ im BMFSFJ. Dieser Zeitraum ist zu kurz, sagen die einen. Doch Kammann entgegnet: "Natürlich gibt es Fälle, in denen die Pflege länger andauert. Das sind aber nicht die Pflegestufen zwei und drei, bei denen wir von einer durchschnittlichen Pflegedauer von 24 Monaten ausgehen. Dass wir diese Zeit überbrücken können, ist schon ein Erfolg. Denn bisher waren es nur sechs Monate und zehn Tage Freistellung, die dem Arbeitnehmer zustanden." Weitere Vorteile für den pflegenden Angehörigen: Er bleibt beruflich am Ball und die Rentenansprüche sind je nach Pflegestufe gleich oder höher als wenn ausschließlich gearbeitet wird.
Das Plus für den Arbeitgeber: Seine Angestellten bleiben an das Unternehmen gebunden, das durch die kürzere Arbeitzzeit außerdem keine finanziellen Einbußen hat, weil der Arbeitnehmer nach der Pflegezeit wieder in die volle Stelle zurückkehrt. Dann arbeitet er so lange für drei Viertel des Gehalts weiter, bis das Zeitkonto wieder ausgeglichen ist.
Die Diskussionrunde im Café Forum um das Thema Familienpflegezeit mit Vertretern der pflegenden Angehörigen, Pflegestützpunkte und der Krankenkassen © Messe Düsseldorf
Der Zuspruch für die Unterstützung ist laut einer Umfrage des Ministeriums groß. "Fast 40 Prozent der Berufstätigen können sich vorstellen, diese neue Hilfe in Anspruch zu nehmen und einen Angehörigen zu Hause zu versorgen", so Kammann. Doch es gehört mehr als die neue Pflegezeit dazu, die Versorgung zu Hause langfristig angenehmer zu gestalten. Darin waren sich die Diskussionspartner und Gäste im Café Forum einig.
Weder die finanzielle noch gesundheitliche Absicherung sei für die pflegenden Angehörigen ausreichend. "Sie bräuchten Kuren, um sich auch einmal vom stressigen Pflegealltag zu erholen. Aber da fehlt es auch von Seiten der Pflegekassen noch an Verständnis", kritisiert Katharina Sachser, die selbst ihren Vater pflegt und eine Gesprächsrunde für pflegende Familienmitglieder ins Leben gerufen hat.
Trotz der wachsenden Zahl an anerkannten Pflegestützpunkten fehle es immer noch an Beratung. Also müsse noch mehr darauf hingewiesen werden, welche Angebote es gibt. Denn vielen sind die vorhandenen Hilfen noch völlig unbekannt, welche die Pflegesituation deutlich verbessern können. "Und je besser es dem pflegenden Angehörigen geht, desto besser gehst es der pflegebedürftigen Person", stellte Antje Brandt von der Landesstelle Pflegende Angehörige in Münster abschließend heraus.
Die neue Familienpflegezeit erleichtert die Pflege zu Hause. Ein Quentchen mehr Anerkennung für die harte Arbeit der Pflegenden könnte das aber noch steigern.
Natascha Mörs
REHACARE.de












