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Eine Schule der besonderen Art
Schwerpunkt: Bildung
Eine Schule der besonderen Art
Für Autisten ist es meistens schwierig Kontakt mit anderen Menschen herzustellen, mit ihnen zu reden oder sie anzufassen. In der Schweiz gibt es eine Schule, in der ausschließlich autistische Kinder unterrichtet werden. Dort wird ihnen geholfen aus ihrer Isolation herauszufinden.
01.01.2007
Die meisten autistischen Kinder würden in einer normalen Schule sehr schlecht zurechtkommen. Daher kümmert man sich in der Tagesschule der Stiftung Kind & Autismus in Urdorf, in der Nähe von Zürich, speziell um 36 dieser Kinder. Alle, die dort von halb neun bis halb vier die Schulbank drücken, sind Autisten im Alter von vier bis 18 Jahren. Das Ziel: Die Kinder und Jugendlichen sollen in kleinen Klassen von vier bis sechs Kindern mit speziellen Ansätzen gefördert werden.
Das Schulhaus in Urdorf; © Stiftung Kind & Autismus
Das Spektrum der Verhaltensdefizite der Schüler ist breit. So sprechen um die 70 Prozent der Kinder, die zu dem Institutionsleiter Reto Schaffer kommen, nicht einmal. "Nur die Hälfte der Kinder wird nach und nach langsam anfangen zu reden. Einige werden lernen normal zu kommunizieren, andere werden bei einem Wortschatz von 30 Ausdrücken stehen bleiben", erklärt Schaffer. Allerdings würde nicht nur die fehlende mündliche Kommunikation autistischen Kindern das Leben in einer Regelschule schwer machen. Erschwerend hinzu kommt ihre Kontaktscheue. Sie haben oft kein Interesse daran mit anderen Jungen und Mädchen zu spielen, vermeiden Blick- und Körperkontakt. Der Grund dafür ist, dass Autisten sich auf Teilbereiche fixieren und die Welt nicht als Ganzes wahrnehmen. Von einem Gesicht sehen sie zum Beispiel nur den Haaransatz oder den Mundwinkel. Dadurch erleben sie die Umwelt als chaotisch, fühlen sich von der Reizvielfalt überflutet.
Kochen und Mittagessen gehören
zum Schulalltag;
© Stiftung Kind & Autismus
In Urdorf ist deshalb einer der Förderansätze, die Kinder vor einer Reizüberflutung zu schützen, indem sie am Anfang in einen Begegnungsraum kommen - ein leeres Zimmer mit einer Matratze auf dem Boden und einem leeren Regal an der Wand. Das Kind wird so nicht von anderen Dingen abgelenkt und kann sich konzentrieren. Zum Beispiel auf sein Lieblingsspielzeug, das man außerhalb seiner Reichweite in zwei Meter Höhe auf das Regal gestellt hat. Nun muss der Schüler lernen, dass er sein Spielzeug nur bekommt, wenn er dem Betreuer durch Sprache oder Geste gezeigt hat, was er möchte. Es lohnt sich also mit anderen Menschen zu kommunizieren. Der Schüler lernt, dass er andere Menschen als Instrument benutzen kann, um etwas zu erreichen.
Auch auf dem Pausenhof kommt
der PECS-Ordner zum Einsatz;
© Stiftung Kind & Autismus
Um mit seiner Umgebung in Kontakt zu treten wird auf die Schüler ein weiterer Förderansatz angewandt, das PECS (Picture Exchange Communication), bei dem sich die Kinder mit Hilfe eines Ordners und vereinfachten Bildern in ganzen Sätzen mitteilen können. "Wenn ein Kind sagen möchte 'Ich will einen Ball', dann kann es ein Bild von sich selbst nehmen und ein Bild mit zwei ausgestreckten Händen, das für 'will' steht. Die heftet es mit einem Bild eines Balles nebeneinander auf einen Klettstreifen", erklärt Schaffer.
Die spezielle Förderung von Autisten in Urdorf zeigt Erfolg. "Etwa vier bis fünf Jugendlichen gelingt es pro Jahr in eine normale Schule zu wechseln. Denen musste dann nur geholfen werden, ihre Angst abzubauen, Struktur und Sicherheit vermittelt werden", so Schaffer.
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