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Integrationsklassen: Gemeinsam sind sie stark

Schwerpunkt: Bildung

Integrationsklassen: Gemeinsam sind sie stark

Seit einigen Jahrzehnten können Kinder mit Behinderungen in Integrationsklassen zusammen mit nicht behinderten Schülern lernen. Profitieren sollen von der Konstellation alle Schüler. REHACARE.de besuchte eine solche Schule und schaute sich das Konzept an.

01.02.2007

 
 
Foto: Kinder im Klassenzimmer
Vom Gemeinsamen Unterricht von
Kindern mit Behinderung und ohne
können alle profitieren;
© madmaven/SXC

In Florians* Ohren sitzen große Hörgeräte. Er beugt sich über ein Buch, einen Kinder-Brockhaus. In den schaut auch Marco hinein, der keine Behinderung und seinen Platz neben Florian hat. Gemeinsam versuchen sie alles Mögliche über Wolken herauszufinden - Wetter ist das Thema der Unterrichtsstunde in der dritten Klasse der Matthia-Claudius-Schule in Bonn.

Jeden Morgen strömen 350 Schüler in die Gebäude der Schule. Zwölf davon sind behindert und lernen in Integrationsklassen zusammen mit nicht behinderten Kindern. Im Durchschnitt werden etwa zehn Prozent der behinderten Kinder in Deutschland auf diese Art und Weise integriert, die meisten an Grundschulen. Die Idee für dieses Konzept entstand vor 30 Jahren. Damals setzte eine Elterninitiative in Berlin die erste Integrationsklasse an einer staatlichen Grundschule durch.

"Durch die Elterninitiativen schossen in den 80er- und 90er-Jahren die Integrationsschulen wie Pilze aus dem Boden. Im Moment stagniert die Entwicklung, weil es die Integrationsbewegung nicht mehr in dieser Form gibt", erklärt Professor Hans Wocken, der an der Universität Hamburg einen Lehrstuhl für Pädagogik bei Lernbehinderung unter Einbezug integrativer Erziehung hat. "Die Eltern, die Wert auf eine Integration ihrer Kinder legen, haben einen Platz gefunden."

Auch die Eltern von Tobias haben ihren Sohn in Florians Integrationsklasse geschickt. Er ist verhaltensauffällig. Vielleicht sitzt er deshalb allein an seinem Tisch, der eigentlich für sechs Schüler ist. Die anderen Kinder, die sonst seine Nachbarn sind, laufen durch die Klasse und sammeln Informationen zum Thema Wetter. Es ist laut. Aber auch Maria ist allein an ihrem Tisch - sie hat keine Behinderung. Der Unterschied zwischen den Kindern erscheint letztendlich verschwindend gering. Klassenkameraden, gerade jene im Grundschulalter, haben keine Scheu vor behinderten Kindern. "Für die sind das Kinder wie alle anderen auch, mit einigen Verschiedenheiten eben", sagt Wocken.

Allerdings brauchen Schüler mit Behinderungen manchmal neben dem Sonderpädagogen noch eine zusätzliche Unterstützung im Unterricht. Wie Simon, der autistische Störungen hat. Neben ihm sitzt manchmal eine Frau am Tisch. Sie wirkt groß an dem kleinen Pult. Fünfzehn Stunden in der Woche hilft die Lernbegleitung Simon im Unterricht, weil er manchmal Probleme hat die Aufgaben richtig zu verstehen und sich in der Klasse einzugliedern. "Wenn er zum Beispiel das Wichtigste aus einem Text herausfiltern soll, dann schreibt er den ganzen Text ab. Er hat da Schwierigkeiten zu differenzieren", erklärt seine Klassenlehrerin.

In den Integrationsklassen der Matthias-Claudius-Schule sind meistens mehrere Kinder mit Behinderung. Denn pro Integrationskind bezahlt das Land drei Unterrichtsstunden pro Woche, in denen neben der Klassenlehrerin noch ein Sonderschulpädagoge mit dabei ist. "Bei drei Integrationskindern können wir schon neun Stunden die Woche vor Ort sein", sagt eine der drei Sonderschullehrerinnen, die an der Schule arbeiten. Davon profitieren auch die übrigen Kinder, denn auch die nutzen die Chance, zwei Ansprechpartner in der Klasse zu haben.

"Die Angst, dass durch die Anwesenheit von behinderten Kindern die Lernerfolge der nicht behinderten Kinder zurückgehen, ist absolut unbegründet. Sie lernen mindestens genauso viel, wenn nicht sogar mehr", sagt Wocken. Ein Problem, genügend nicht behinderte Kinder für den gemeinsamen Unterricht zu finden, gibt es daher auch nicht. "Die Eltern sind mit den Integrationsklassen sehr zufrieden", weiß der Hamburger Professor.

Nach der Stunde ist erstmal große Pause an der Matthias-Claudius-Schule. Es ist kalt, aber die Sonne scheint. Die Kinder spielen Fußball auf dem Schulhof. Simon steht zunächst noch etwas unentschlossen an der Wand. Vielleicht will er mitspielen, aber traut sich nicht so recht. Wenn der Ball in seine Richtung kommt, tritt er einen Schritt nach vorne, bleibt dann aber doch stehen. Aber dann spielt ihm ein Kind den Ball direkt zu und er schießt zurück. Florian hingegen rennt mit ein paar anderen Jungs um die Wette. Er hat sich die Kapuze über den Kopf gezogen, seine Hörgeräte sind verschwunden.

* Alle Kindernamen von der Redaktion geändert

REHACARE.de

 
 

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