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Blindeninformationssystem: Von sprechenden Bussen
Schwerpunkt: Sehbehinderung
Blindeninformationssystem: Von sprechenden Bussen
1.2.2006
Alles begann mit den neuen Straßenbahnen und Bussen vor sechs Jahren. Diese waren für den öffentlichen Verkehr in Dresden bestimmt. Doch saß der Fahrer drei Meter weit von der Einstiegstür entfernt und damit zu weit weg, als dass man rasch mal nach dem Weg fragen könnte. Ein besonderes Problem für Blinde und Sehbehinderte. Die Lösung: Das Blindeninformationssystem BLIS.Der Dresdner Blinden- und Sehbehinderten Verband machte mobil als er das Problem erkannte und sprach die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) an. Gemäß des Mottos "ÖPNV für alle" suchten sie gemeinsam nach einer Lösung des Kommunikationsproblems. Fündig wurden sie in Prag. Dort gibt es seit Jahren "sprechende Busse", die Zielort und Liniennummer bei der Einfahrt über Lautsprecheranlage ankündigen. Mittlerweile haben in Dresden 110 Straßenbahnen und 56 Busse das BLIS.
Mit einem Druck startet das BLIS © DVB AG
Wer das BLIS nutzen möchte, muss um die 90 Euro für einen Funksender investieren. Das ist ein schwarzes Kästchen, etwas größer als eine Streichholzschachtel, mit drei Tasten. Das kleine Gerät kann aber auch gleich in einen Blindenstock eingebaut werden. Mit der ersten Taste kann der Benutzer die Straßenbahn mit Infrarot-Signalen anfunken. Das funktioniert bei einer Entfernung von zirka 30 Metern. Nach zwei Sekunden sagt eine Frauenstimme dann Liniennummer und Fahrtziel über einen Außenlautsprecher an. Fährt die richtige Linie ein, drückt der wartende Sehbehinderte die zweite Taste. Beim Fahrer geht dann eine rote Lampe an und es brummt. Jetzt weiß dieser, dass ein sehbehinderter Fahrgast ein- oder aussteigen möchte. Und die dritte Taste kommt im Bus zum Einsatz. Verpasst der BLIS-Nutzer die Ansage der nächsten Haltestelle, wird diese durch ein Drücken auf diese Taste wiederholt.
Gerold Schönfelder, Hilfsmittelberater des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Sachsen, hat den Sender schon getestet. "Das System hat seinen Nutzen", so Schönfelder. "Besonders wenn Bus und Bahn sich verspäten oder die Strecke geändert wurde." Die Informationen sind nun Blinden und Sehbehinderten zugänglich, ohne dass sie jemanden fragen müssen.
Vertreter der DVB AG präsentieren das Informationssystem BLIS © APEX
Allerdings könnte der Mensch im System noch effizienter arbeiten. "Damit die zweite Taste noch wirkungsvoller ist, würde ich mir wünschen, dass der Fahrer beim Erkennen des Signals automatisch die Tür aufmacht", schlägt Gerold Schönfelder vor. An den Geräuschen beim Öffnen der Tür können sich sehbehinderte Mitfahrer besser orientieren, wo genau es in den Bus geht. Noch müssen sie sich den Weg zur Tür selbst ertasten. Doch soll dieses Defizit durch künftige Fahrer-Schulungen getilgt werden.
Seit zwei Monaten werden die Sender beim Landeshilfsmittelzentrum in Dresden verkauft. Daher sind noch nicht viele der BLIS-Geräte im Umlauf, so dass die Ansagen per Außenlautsprecher an Bus und Bahn selten ertönt. "Da reagieren wartende Bahnfahrer auf die Stimme ähnlich wie bei den ersten akustischen Ampeln", so Schönfelder. Und schauen sich verwundert um, wo die Stimme aus dem Nichts herkommt.
Wer das BLIS vor Ort erleben und dabei weitere barrierefreie Angebote in Dresden nutzen möchte, schickt eine E-Mail an REHACARE.de. Wir verlosen bis zum 15. Februar zehn Touristenführer für Dresden, die auf 32 Seiten Informationen zur Anreise, barrierefreien Unterkünften und Restaurants sowie Sehenswürdigkeiten für Menschen mit Handikap geben. Die Broschüre entstand in Zusammenarbeit mit den örtlichen Behindertenverbänden, der Landeshauptstadt Dresden, Kulturbetrieben und der Tourismuswirtschaft.
REHACARE.de












