Hauptinhalt dieser Seite

Sprungmarken zu den verschiedenen Informationsbereichen der Seite:

Sie befinden sich hier: REHACARE-Portal. REHACARE Magazin. Archiv. Schlaganfall.

Phonagnosie: Nicht wissen, wer spricht

Phonagnosie: Nicht wissen, wer spricht

Bild: Hörwellen treffen auf menschliches Ohr 

Phonagnosie ist eine kaum untersuchte neurologische Besonderheit. Viele Menschen erkennen Anrufer sofort an der Stimme, einigen fällt es schwer; Phonagnostiker können Stimmen überhaupt nicht erkennen. Mithilfe eines neuen Online-Tests kann jeder sich nun selbst testen.

Forscher des Leipziger Max-Planck-Instituts (MPI) für Kognitions- und Neurowissenschaften haben jetzt einen Online-Test entwickelt, mit dem jeder seine Fähigkeiten im Erkennen von Stimmen prüfen kann. Warum diese Einschränkungen im Stimmenerkennen auftreten, ist bislang ein Rätsel. Dass es sie gibt, ist selbst Betroffenen häufig nicht bewusst.

Phonagnostiker hören ganz normal, können aber andere Menschen - selbst enge Familienmitglieder und Freunde - nicht an ihrer Stimme erkennen. Bei einem vergleichbaren Phänomen der angeborenen Prosopagnosie, der Unfähigkeit, Gesichter zu erkennen, sprechen Wissenschaftler von ein bis drei Prozent der Bevölkerung.

Störungen in der Stimmwahrnehmung können durch Hirnverletzungen auftreten, wie nach einem Schlaganfall. Die MPI-Forscher interessieren sich aber besonders für die angeborene Form der Phonagnosie, die das erst Mal 2008 in England bekannt wurde. Der Fall erregte großes Aufsehen in der Fachwelt, denn das Gehirn erwies sich im Gegensatz zu bekannten Fällen bei klinischen Untersuchungen als völlig normal.

Ein so seltenes Phänomen wie die angeborene Phonagnosie liefert der Forschung wichtige Erkenntnisse über die Hirnfunktionen bei Personenerkennung. Welche Rolle spielen verschiedene Merkmale der Stimme wie Tonhöhe, Klangfarbe und Rhythmus? „Vielleicht werden wir dadurch in Zukunft verstehen, warum das menschliche Gehirn normalerweise so hervorragend im Erkennen vertrauter Stimmen ist, während Stimmerkennung per Computer immer noch nicht fehlerfrei funktioniert“, sagt Katharina von Kriegstein, Leiterin der Forschungsabteilung am MPI.

Um für geplante Studien erstmals auch Betroffene im deutschsprachigen Raum zu finden, wollen die Forscher des MPI das Wissen über die Phonagnosie erhöhen und haben unter www.phonagnosie.de einen Test ins Internet gestellt, bei dem die Teilnehmer die Stimmen den dazugehörenden Personen und Namen zuordnen müssen. Die Resultate werden online angezeigt und anonymisiert ausgewertet.

REHACARE.de; Quelle: Max-Planck-Institut

- Mehr über die Max-Planck-Gesellschaft über: www.mpg.de

 
 

( Quelle: REHACARE.de )

 
 

Mehr Informationen

 
© Messe Düsseldorf gedruckt von www.REHACARE.de