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Einfacher gemalt als gesagt
Schwerpunkt: Kunst
Einfacher gemalt als gesagt
Aus zwei mach eins - zwei Therapeutinnen kamen auf die Idee, die Musik- und Kunsttherapie zu kombinieren, um Jugendliche mit neurologischen Erkrankungen bei der Rehabilitation zu unterstützen. Auf der REHACARE 2006 wird das Projekt im Rahmen der Ausstellervorträge und Seminare vorgestellt.
01.10.2006
In der St. Mauritius Therapieklinik in Meerbusch werden Menschen betreut, die an den Folgen von Hirnhaut- oder Tumorerkrankungen, Schlaganfällen und Spasmen leiden oder geistige Behinderungen haben. Die Mediziner behandeln ihre Patienten auf körperlicher Ebene mit Physio-, Ergo- oder Sporttherapie, aber auch psychisch mit Musik- und Kunsttherapie.
Astrid Kletke-Drawert und Diana Marten wollten wissen, ob sich die Musik- und Kunsttherapie kombinieren lassen und so bessere Ergebnisse bei jugendlichen Patienten erzielen lassen. Sie organisierten das Projekt "MUKU" (Musik und Kunst), das Mitte April diesen Jahres mit sieben Jugendlichen im Alter von zehn bis 16 Jahren startete. Die beiden Therapeutinnen wissen aus ihrer langjährigen Erfahrung, dass besonders Jugendliche Probleme damit haben, ihre Gefühle auszudrücken, wenn sie lange Zeit krank sind. "Aus therapeutischer Sicht ist es gerade in der sensiblen Entwicklungsphase des Jugendalters wichtig, das wahrzunehmen und mitzuteilen, was uns innerlich zutiefst bewegt."
So sieht Hoffung aus, wenn sie gemalt wird; © Marten, Kletke-Drawert
Das Projekt bestand aus sechs Gruppenstunden, während denen jeweils ein bestimmtes Thema behandelt wurde, das alle gemeinsam aussuchten. Wie zum Beispiel Gefühle. Dann wählte jeder ein Instrument aus wie Gitarren, Schlagzeug oder Flöten. Ein zwölfjähriges Mädchen wählte die Leier, ein leises Saiteninstrument. Sie spielte eine traurig anmutende Melodie. Die Musik wurde mit der Kassette aufgenommen und später beim Malen wieder abgespielt. Für ihr Bild nahm sie die Farbe Blau. Sie erzählte, dass sie in trauriger Stimmung sei, weil sie im Krankenhaus ihre Eltern nicht so oft sehen könne. Auf dreifache Weise konnte sie so ihre Gefühle zeigen: durch Melodie, Farbe und Sprache.
"Oft fällt es den Menschen nach dem Musizieren und Malen leichter, ihre Gedanken in Worte zu fassen. Eine Patientin wollte ein Gefühl von Angst malen. Und diese Angst eingrenzen. Also malte sie einen Rahmen um ihr Bild herum", so Marten. Manchmal erkennt man sogar, wie sich ein Patient entwickelt, indem man sieht, dass sich die Bilder verändern. Zum Beispiel wählen manche Patienten zuerst immer nur dunkle Farben, weil es ihnen nicht so gut geht. Später werden die Bilder heller, so als ob es ihnen besser ginge. "Das erkennen die Patienten selbst", erklärt Marten, "denn sie können sich die Bilder immer wieder ansehen. Dadurch erkennen sie, wie sie sich verändert haben".
Verschiedene Gefühle von verschiedenen Patienten; © Marten, Kletke-Drawert
Die Projektleiterinnen sind der Meinung, dass die Verknüpfung von Musik- und Kunsttherapie besonders gute Resultate hervorbrachte. Auf alle Fälle haben sich die Patienten sehr für die ungewöhnliche Kombination interessiert: "Während jeder Einheit beeindruckte uns die Intensität, mit der sich die Jugendlichen auf das Angebot einließen. Die nonverbalen und verbalen Äußerungen wurden vielfältiger, auch gerade von denen, die sonst eher still sind. Sie trauten sich, etwas von sich zu zeigen, setzten sich über ihre Einschränkungen hinweg, machten sich hör- und sichtbar."
Der Titel des Vortrags am 19. Oktober lautet: "Klangfarben und Farbklänge - Kunst- und Musiktherapie als kombinierter Ansatz in der Arbeit mit neurologisch erkrankten Menschen im Jugendalter".
REHACARE.de
- Mehr über die St. Mauritius Therapieklinik unter: http://www.stmtk.de












