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Hörbehinderte brechen die Stille

Schwerpunkt: Hörbehinderung

Hörbehinderte brechen die Stille

Mit Freunden in gemütlicher Runde am Lagerfeuer sitzen – eine furchtbare Vorstellung, zumindest für Menschen mit Hörschädigung. Denn sie brauchen Licht, um zu kommunizieren. Am Stand der Deutschen Hörbehinderten Selbsthilfe (DHS) in Halle 5 erfahren Besucher der REHACARE mehr über die Welt ohne Töne.07.10.2010

Foto: Mitglieder der DHS an ihrem Messestand 
Die Mitglieder der DHS genießen das gesellige Beisammensein auf der REHACARE; © Messe Düsseldorf

Viele Menschen mit Hörschädigung isolieren sich von ihrer Umwelt und nehmen nur eingeschränkt am Leben teil. Regina Böhm von der DHS berichtet von ihren Erfahrungen: „Knappe 30 Jahre lang war ich praktisch immer außen vor und vom eigentlichen Leben abgeschnitten. Als ich in einer Reha-Einrichtung das Fingeralphabet und die Gebärdensprache lernte, wendete sich das Blatt“, erinnert sich Böhm. Abgesehen von den neuen Möglichkeiten zur Kommunikation half ihr vor allem der Austausch mit Gleichgesinnten.

Ein ganz wichtiger Kanal für den Aufbau von Kontakten und dem Meinungsaustausch ist das Mitglieder-Onlineportal der DHS. Vom Smalltalk bis zur Klärung von Problemen darf und kann alles angesprochen werden. Etwa hundert Nutzer sind im Portal aktiv und stehen fast rund um die Uhr mit Rat und Tat zur Seite. „Im Prinzip ist eigentlich immer jemand online. Dadurch hat man meist innerhalb von wenigen Minuten eine Antwort auf eingestellte Fragen“, betont Böhm, die als eine von vier Portal-Moderatoren tätig ist. Sie passt auf, dass sich die Nutzer an die Regeln halten und beispielsweise keine Werbung machen oder Preise von Produkten nennen.

„Damit Moderatoren wie Frau Böhm regelmäßig auf dem neuesten Stand sind, bieten wir entsprechende Schulungen an“, sagt Ines Reimann. Die stellvertretende Vorsitzende der DHS freut sich über das große Engagement der einzelnen Mitglieder: „Dass sie sich so rege einbringen, ist in meinen Augen ein Zeichen dafür, dass sie zufrieden sind und sich bei uns wohlfühlen.“ Das älteste Mitglied ist bereits 92 Jahre alt, das jüngste erst 19. Unter den gut 300 Mitgliedern herrscht ein sehr freundschaftliches, fast schon familiäres Verhältnis.

Neben den Schulungen für die Moderatoren veranstaltet die DHS Seminare zur allgemeinen Lebenshilfe. „In unserem letzten Seminar sprachen wir über Verluste und Gewinne durch die Hörbehinderung. Es war erstaunlich, was dabei alles zum Vorschein kam“, sagt Reimann. Die Verluste waren schnell aufgezählt, doch mit einiger Bedenkzeit wurde auch klar, dass es nicht nur Nachteile gibt. Die Betroffenen beobachten sehr genau und können zum Beispiel selbst entscheiden, ob und wie lange sie einer Unterhaltung folgen möchten.

„Es ist uns wichtig, vor allem die positiven Seiten eines Lebens mit Hörschädigung zu betonen – so banal sie auch scheinen mögen“, betont Ines Reimann. Dass die Menschen bei der DHS den Alltag alles andere als nur negativ sehen, spiegelt sich auch in einem Spitznamen wider, den die Mitglieder für sich verwenden: Sie bezeichnen sich liebevoll und mit einem Augenzwinkern als Schlappohren.

Nadine Lormis
REHACARE.de

 
 

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