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Einfach aber gut
Schwerpunkt: Internet
Einfach aber gut
Viele Menschen mit Seh-, Körper- oder Lernbehinderungen können Webseiten im Internet nicht lesen, weil diese nicht barrierefrei sind. Dabei können Stolperfallen bei neuen Internetauftritten problemlos verhindert werden.
01.12.2006
Laut Statistischem Bundesamt ist jeder zwölfte Mensch in Deutschland schwerbehindert. Mehr als dreiviertel davon nutzt das Internet - doppelt so viele wie Nichtbehinderte. Denn gerade für Blinde, Sehbehinderte oder Menschen mit körperlichen Behinderungen ist es praktisch, wenn sie online im Supermarkt oder Bücherladen einkaufen können. Nur müssen diese Seiten auch lesbar und bedienbar für Menschen mit Einschränkungen sein. Eine Umfrage des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) zeigt aber, dass zum Beispiel für Sehbehinderte 69 Prozent der Internetauftritte unzugänglich sind.
Alles ist an Ort und Stelle - so ist es für jeden
leichter, sich zu informieren; © Landtag NRW
Oft ist es Firmen und Geschäften zu teuer, ihre vorhandenen Seiten barrierefrei zu machen. Das ist tatsächlich aufwändiger als einen neuen Auftritt gleich barrierefrei zu erstellen. "Wenn man aber die Barrierefreiheit bei der Neugestaltung einer Internetseite von Anfang an berücksichtigt, bleiben die Mehrkosten überschaubar", sagt Jutta Croll, Geschäftsführerin von der Stiftung Digitale Chancen, die sich die Förderung der Internetnutzung und Medienkompetenz zum Ziel gesetzt hat. Und sie betont: "Wer neue Kunden und ungeübte Nutzer gewinnen will, muss diesen einen barrierefrei zugänglichen Online-Laden öffnen, sie an sein Angebot heranführen, ihnen Orientierung in der Produktvielfalt bieten und sie mit dem Kauf- und Bezahlvorgang vertraut machen."
Unternehmen, die über das Internet Waren verkaufen, sind zwar laut der Barrierefreien Informationstechnik-Verordnung (BITV) nicht dazu verpflichtet, ihre Webangebote allen zugänglich zu machen. Dennoch würden sie davon profitieren, wenn ihre Webseite für alle Benutzer einfacher zu bedienen wäre: "Durch einen übersichtlichen Aufbau und eine klare Navigationsstruktur erleichtert man die Orientierung in den Inhalten", erklärt Croll. Das ist ein Kriterium, das eine barrierefreie Internetseite erfüllen muss.
Übersichtlich und für jeden zugänglich: Die Seite
von Dr. Oliver Tolmein
Ein Beispiel für einen gut gestalteten Internetauftritt findet man bei Rechtsanwalt Dr. Oliver Tolmein (www.ra-tolmein.de). Alle Texte gibt es dort auch in Leichter Sprache, was für Menschen mit Lernbehinderungen wichtig ist, oder in Gebärdensprache. Sehbehinderte können Schriftgröße und Farbkontraste ändern. 2005 gab es für diese Seite den BIENE-Sonderpreis. Die Aktion 'Barrierefreies Internet Eröffnet Neue Einsichten' verleiht seit 2003 Preise für die "besten deutschen barrierefreien Internetseiten".
Dabei wird darauf geachtet, dass Internetnutzer auf Knopfdruck die graphischen Elemente vom Inhalt trennen können, damit zum Beispiel Screenreader für Blinde nur die textliche Ebene lesen ohne die Beschreibungen für das Layout der Seite. Das hat auch einen Vorteil für alle: So können Internetseiten schneller geladen werden, auch auf dem Handy. Surfer kommen schneller ans Ziel und müssen so weniger bezahlen.
Leicht verständlich und mit Bildern und Schrift
erklärt © Lebenshilfe angesagt
Das BMWI nennt weitere wichtige Merkmale in der Infobroschüre "Barrierefreie Web-Angebote". Dazu gehören eine klare Menüstruktur und eine einfache Navigation. Alle Informationen sollen als Text zur Verfügung stehen und Grafiken sowie Bilder mit alternativem Text unterlegt sein. Die Webseite sollte auch ohne animierte und bewegte Bilder verständlich sein. Die Inhalte sollten einfach formuliert und somit verständlich, die Links eindeutig bezeichnet sein.
Croll betont, dass barrierefreie Seiten eine ganze Reihe von Qualitätsanforderungen erfüllen, die man an sauber programmierte und gut gestaltete Webseiten stelle. "Barrierefreiheit ist deshalb heute ein Qualitätsmerkmal für Internetauftritte."
REHACARE.de
- Mehr über "Barrierefreies Internet" und den BIENE-Wettbewerb gibt es unter: www.biene-award.de
- Eine Übersicht über Anlaufstellen für die Gestaltung von Webseiten gibt es unter: www.barrierekompass.de












