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Sich für seinen Umzug in eine andere Stadt im Internet zu informieren, kann ganz schön Nerven kosten. Erst recht, wenn man rolligerechte Angebote sucht.

01.09.2007



Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Wenn einer einen Umzug tut, dann muss er sich eher quälen. Vom Kisten packen bis zum Möbel schleppen – in eine neue Stadt zu ziehen ist aufregend, aber erstmal anstrengend. Noch komplizierter ist es aber, vorher das richtige Domizil zu finden. Erst recht für Behinderte. Oder? Ein Selbstversuch soll es klären: Ich suche auf meinem Computer nach Städten, deren Internetauftritte Rollifahrern den Umzug erleichtern.

 
 
Foto: Sehenswürdigkeit Berlins
Die Hauptstadt hat eine bärenstarke
Seite; © Pixelio.de

Meine Auswahl: Hamburg, Berlin, Köln und Leipzig. Meine Kriterien: barrierefreie Wohnungen, leicht zugängliche Meldeämter, Infos zu behindertengerechten öffentlichen Verkehrsmitteln. Mein Plan: Dies alles über die offiziellen Städteseiten herausfinden. Und mein erstes Erfolgserlebnis: Auf der Berliner Homepage Berliner Homepage bin ich mit drei Klicks auf einer Suchfunktion für barrierefreie Wohnungen. Auch die Berliner Verkehrsbetriebe bieten übersichtliche Pläne zur barrierefreien Beförderung in der Hauptstadt. Das nenne ich preußische Gründlichkeit.

Aber es gibt wohl auch so etwas wie preußische Improvisationskunst. Zwar finde ich die Berliner Meldeämter auch sofort – doch die Info, welche davon rollstuhlgerecht sind, die fehlt. Das Telefon muss her. Ich lerne Beethovens Neunte in der Warteschleife auswendig. Zahlreiche Gesprächspartner weiter weiß ich nun: Es gibt keine Übersichtsliste, dafür aber eine Menge persönlicher Erfahrungen. So lerne ich etwas über recht spezielle Arten, wie man mit dem Rollstuhl in die Meldeämter gelangt. Mein Favorit: Im Rathaus Charlottenburg solle ich einfach über den Nebeneingang der benachbarten Bücherei hintenrum ins Haus und mich dann durchfragen.

 
 
Foto: Kölner Dom
"Bitte melden" ist in Köln ein
Kinderspiel; © Pixelio.de

Der Luxus, rolligerechte Wohnungen direkt über die Startseite zu finden, erweist sich als einzigartig in Berlin. Immerhin gibt es in Köln laut Homepage ein anderes Konzept: die kostenlose Hilfe bei der Wohnungssuche - telefonisch oder persönlich. Die Info, dass die Beratungsstelle leicht zugänglich ist, gibt es direkt dazu. Genau wie bei den rheinländisch getauften Meldehallen: Wenige Klicks und schon erscheint eine Übersichtsseite aller Ämter mit allen Kontaktdaten wie Adresse, Telefon, Mail und Fax bis zu den Öffnungszeiten und vor allem: eine Symbolleiste, die zeigt, ob es rolligerechte Zugänge, Aufzüge, Parkplätze und Toiletten gibt. Fazit: alle Meldeämter in Köln sind barrierefrei.

Mit den Bussen und Bahnen ist es aber in der Domstadt schwieriger: Ich muss erst bei den Verkehrsbetrieben anrufen, wo mich eine rheinische Frohnatur durch die Internetseite für Bus- und Bahnverbindungen und Haltestellen lotst. Ohne sie hätte ich das PDF „Touren ohne Treppen“ wohl nicht gefunden, in dem alle barrierefreien Haltestellen verzeichnet sind.

 
 
Foto: Hamburger Hafen
Die Hamburger Stadtseite ist noch
ein undurchsichtiges Fischbecken;
© Pixelio.de

Doch die positiven Erfahrungen finden ein jähes Ende – in der Hansestadt Hamburg. Wer in Hamburg versucht, eine rollstuhlgerechte Wohnung zu finden, sollte hellsehen können oder aber vor Ort sein. Auf der Stadtseite gibt es weder einen leicht zu findenden Hinweis zum Thema barrierefreie Wohnungssuche noch weiter führende Links auf Wohnungsanbieter. Also lieber erstmal ums Anmelden kümmern: Aber ich finde die Ämter gar nicht erst. Stattdessen Werbebanner über Werbebanner. Aber ich will ja schließlich keinen Elektrokocher kaufen.

Die Telefonrechnung will ich gar nicht sehen, denn Hamburg wird zur „Stadt mit den meisten Anrufen“. Ich wähle eine allgemeine Service-Nummer. Eine nette Computerstimme vertreibt die Wartezeit. Dann erfahre ich von einer Dame, dass sie von einer Liste der Meldeämter nichts wisse. Ob die Meldeämter barrierefrei seien: ja. Wo das steht? Weiß sie nicht. Ich solle es auf www.hamburg.de versuchen. Nein danke, da komme ich ja gerade her.

Ich wage kaum, die Mobilität in der Hafenstadt unter die Lupe zu nehmen. Rein zufällig gerate ich auf eine externe Seite der Verkehrsbetriebe und über Umwege zum verloren geglaubten Schatz: Eine Liste mit allen Ämtern der Stadt und die Info, wie diese mit dem Rollstuhl zugänglich sind. Nebst umfangreicher Infos zu rollifreundlichen Haltestellen und Verkehrsmitteln. Ein einfacher Link von der Hamburger Homepage hätte viel Zeit gespart.

Da frag ich mich doch: Hab ich mich blöd angestellt, oder sind die Hamburger Infos für Rollifahrer schwer zu finden? Ich rufe die Redaktion der Webseite an. Die geduldige Dame lotst mich durch die Seite und einen Zuständigkeitsfinder, der mir dem Suchbegriff “Rollstuhl“ schon mehr preisgibt. Darauf muss man erstmal kommen! Zusammen finden wir barrierefreie Meldeämter, und Bahnen. Nachdem sie dabei aber selbst ein wenig ins Straucheln gerät, kommt sie zu dem Schluss „Ich gebe zu, das ist in der Tat schwer zu finden.“ Sie verspricht Besserung.

Meine Suche auf den Städteseiten zeigt: bis auf Wohnungen finde ich alles irgendwann. Geduld und Telefonhörer sind dabei die Rettungsanker. Da könnte sich manch einer ein Beispiel an Leipzig nehmen: Wer nämlich hier sucht, der findet tatsächlich – ohne Telefon und in Rekordschnelle.

REHACARE.de

 
 

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