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Jeder hat das Recht, zu stürzen
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Jeder hat das Recht, zu stürzen
Beim REHACARE Kongress gibt es in diesem Jahr zum ersten Mal auch eine Vortragsreihe zum Thema „Mit Demenz (zu Hause) leben“. Am Mittwoch ging es im CCD Süd zum Einstieg gleich um ein brisantes Thema, das vielen unter den Nägeln brennt: Freiheitseinschränkende Maßnahmen bei Demenzpatienten.21.09.2011
Beim REHACARE Kongress ging es
am Mittwoch um den Umgang mit
Demenzpatienten;
© Messe Düsseldorf
Die Altenpflegerin und erste Referentin am Mittwoch, Nicole Osterholz, bezog zu Beginn ihres Vortrags ganz deutlich Position: „Menschen mit Demenz gehören nicht fixiert.“ Denn Fixierungen seien nicht nur unangemessen, sondern auch völlig veraltet. Auch der Expertenstandard „Sturzprophylaxe in der Pflege“ stellt klar, dass diese Behandlungsweise unbedingt zu vermeiden ist.
Studien belegen zusätzlich, dass Menschen, die regelmäßig fixiert werden, ihre Mobilitätseinschränkung selbst schlecht einschätzen können. „Ein Demenzpatient kann es schon mal vergessen, dass er nicht gut laufen kann“, erklärte Osterholz. Die Folge: Stürze häufen sich und damit auch die sturzbedingten Verletzungen.
Die 36-Jährige sieht darin eine logische Konsequenz. Denn da die Patienten meist für eine bestimmte Zeit fixiert werden, baut sich währenddessen ein gewisser Bewegungsdrang auf, dem sie nachgeben, sobald es ihnen möglich ist. „Man muss sich mal in diese Situation hineinversetzen, etwa wie es ist, wenn man auf die Toilette muss, aber durch Gurte daran gehindert wird“, regte Osterholz an. Der Gang zur Toilette etwa sei ein Grundbedürfnis. Kann man diesem aufgrund einer Fixierung nicht nachkommen, wird der Drang aufzustehen immer größer. Und Demenzpatienten machen sich über die möglichen Folgen eines Sturzes keine Gedanken.
Deswegen ist Nicole Osterholz für einen Perspektivwechsel. Fakt sei, dass zu viele Fixierungen stattfinden, die auch noch unzureichend fachlich begründet würden. „Nicht immer machen herausforderndes Verhalten und akute Sturzgefahr den Einsatz eines Gurtes notwendig“, sagte die Altenpflegerin. Rein rechtlich gesehen sind freiheitseinschränkende Maßnahmen dafür da, um eine erhebliche Gesundheitsgefährdung abzuwenden. „Doch nicht jede Platzwunde sollte als so eine Gefährdung eingestuft werden“, gab Osterholz zu bedenken. „Ich habe schon Patienten gesehen, die selbst einen Oberschenkelhalsbruch gut durchgestanden haben.“
Als Multiplikatorin des wissenschaftlichen Projektes ReduFix setzt sich Osterholz dafür ein, Verantwortliche in der Pflege für dieses Thema zu sensibilisieren. Deswegen geht sie mit dem praxisnahen Schulungskonzept in einzelne Einrichtungen und bietet dort eintägige Schulungen an. Dabei geht sie nicht nur auf medizinische und rechtliche Aspekte ein, sondern versucht mit dem Personal noch einen Schritt vorher anzusetzen: „Gemeinsam fragen wir uns: Was sind die Gründe für die Fixierung? Und wie kann man diese eventuell im Vorfeld schon umgehen?“, sagte Osterholz.
Am Ende ihres Vortrags machte die Hamburgerin noch darauf aufmerksam, dass Stürze ein natürlicher Teil unseres Lebens seien: „Jeder hat das Recht darauf, zu stürzen. Nur sollte man versuchen, sich dabei nicht zu verletzen.“
Nadine Lormis
REHACARE.de
REHACARE Kongress
Der REHACARE Kongress "Selbstbestimmt Wohnen und Pflege zu Hause" bietet sowohl am Mittwoch als auch am Donnerstag spannende Vorträge im CCD Süd.












