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200 Gäste beim 3. opta data Zukunftstag auf Zeche Zollverein

200 Gäste beim 3. opta data Zukunftstag auf Zeche Zollverein

Das Gesundheitswesen in Deutschland unterliegt einem steten Wandel: Mit Blick in die Zukunft lässt sich sagen, dass tiefgreifende Veränderungen auf das bestehende System zukommen werden. Beim 3. Zukunftstag der opta data Gruppe am 11. Oktober auf dem Gelände des Weltkulturerbes Zollverein in Essen stellten hochrangige Referenten ihre Thesen vor – und diskutierten kontrovers.

Aller guten Dinge sind drei: Als feste Institution präsentierte sich der Zukunftstag bei seiner dritten Auflage auf Zollverein – gleichermaßen Branchentreff wie Plattform, Informations- wie Kontaktbörse: Fast 200 Teilnehmer kamen aus dem gesamten Bundesgebiet, um die Thesen der Referenten kennen zu lernen und mitzudiskutieren. Kein Wunder, stand doch der Zukunftstag unter dem Motto „Krankenkassen in Deutschland – Zahler oder Gestalter?“

Konkrete Zahlen präsentierte Prof. und Dir. Hans-Georg Will, Referatsleiter Heil- und Hilfsmittel beim Bundesgesundheitsministerium. Demnach seien die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen für Hilfsmittel im ersten Halbjahr 2011 um 4,3 Prozent auf rund 6 Milliarden Euro gestiegen. Im gleichen Zeitraum stiegen die Ausgaben im Bereich Heilmittel um 9,4 Prozent auf rund 4,5 Milliarden Euro. Will betonte, dass in den zurückliegenden Jahren die Hilfsmittelversorgung neu ausgerichtet worden sei. Durch Ausschreibungen und den Systemwechsel von der Zulassung zur Versorgung durch Vertragspartner sei der Wettbewerb deutlich gestärkt worden: „Auch wenn Ausschreibungen nicht mehr den Stellenwert haben, den sie hatten“, wie Will einräumte. Dagegen habe sich der Heilmittelbereich nur minimal verändert, das System sei durch die Einführung eines Schiedsverfahrens sogar noch bestätigt worden, so Will.

Unter dem programmatischen Titel „Hilfsmittel: Strategien gegen die Marktmacht der Kostenträger“ stand das Referat, das Klaus Lotz, Präsident des Bundesinnungsverbandes für Orthopädie-Technik, vor fast 200 Zuhörern hielt. Für Lotz steht fest, dass vor dem Hintergrund der Bevölkerungsentwicklung ein Umdenken erfolgen müsse: „Wenn wir offen mit der demografischen Entwicklung in unserem Land umgehen, werden wir früher oder später den Mut haben müssen, festzulegen, was noch GKV-Leistung sein kann und was nicht mehr. Einfach zu glauben, es geht halt alles noch billiger, wird nicht funktionieren“, so Lotz.

In Verhandlungen übt der Bundesinnungsverband der Orthopädietechniker bereits berufsübergreifend den Schulterschluss: So ist in der jüngeren Vergangenheit ein Vertrag gemeinsam mit den Orthopädieschuhtechnikern geschlossen worden. Klaus Lotz mahnte: „Die Leistungserbringer sind gefordert, transparent aufzuzeigen, welche Leistung für welchen Preis umsetzbar ist, um damit eine Basis für faire Verhandlungen zu schaffen. Nur dann kann unter Berücksichtigung von Größe und Frequenz der Kasse ein Vertragspreis gefunden werden, mit dem beide Seiten leben können.“

Doch auch Heilmittelerbringer haben mit steigenden Kosten und sinkenden Einkünften zu kämpfen. Dies unterstrich IFK-Geschäftsführer Dr. Frank Dudda in seinem Vortrag. Denn dem steigenden Aufwand für Bürokratie und Mehrarbeit stehen sinkende Einnahmen gegenüber. Für Dudda zeichne sich jedoch eine systematische Benachteiligung für Physiotherapeuten ab: „Inflationsbereinigte Gehaltsverluste seit der Wirtschaftskrise sind sicher in vielen Branchen üblich, im Heilmittel-Bereich geschieht dies jedoch seit Jahren systematisch zu Lasten der Leistungserbringer“.

Dudda verwies auf die auseinanderdriftenden Entwicklungen von Inflation und Grundlohnsumme. Während von 2001 bis 2010 die Inflationsrate um 15,6 Prozent – auf den Gesamtzeitraum bezogen – gestiegen ist, stieg die Grundlohnsumme um lediglich 10,48 Prozent. „Die Grundlohnsummenbindung bedeutet ein unzulässiges Sonderopfer für die Heilmittelerbringer zur Stabilisierung der Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung“, sagt der IFK-Geschäftsführer. Dudda nannte drei Aspekte, um die Branche zukunftsfähig zu gestalten: Hilfestellungen des Gesetzgebers im Bezug auf Ost-West-Ausgleich und Inflationsausgleich, Produktinnovationen der Verbände sowie eine weitere Professionalisierung der Branche durch mehr Autonomie.

Ein besonderes Schlaglicht auf die Situation der Pflegedienste warf Michael Diehl, Geschäftsführer der Servicegesellschaft mbH des Bundesverbandes private Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa). Sein Augenmerk richtete sich auf die „boomende Branche“ Pflege und den demografischen Wandel: „Die Kosten und die Wertschöpfung im Pflegesektor steigen zwangsläufig. Schließlich wird es 2050 fast doppelt so viele Pflegebedürftige geben wie heute“, gab Diehl zu bedenken.

Gleichzeitig verwies er auf den sich abzeichnenden Pflegenotstand. Aus diesem Grunde müssten jedoch auch die Vergütungen adäquat steigen, so Diehl, um Arbeitskräfte auch zukünftig für den Pflegeberuf zu interessieren. Diehl erinnerte an die Schiedsentscheidung vom 24. März 2011 in Bayern, die eine Erhöhung der hinterlegten Leistungszeiten um bis zu 105 Prozent bewirkte.

Diehl äußerte „große Hoffnung, dass dieser Schiedsspruch ein Umdenken anstößt.“ Gleichwohl gebe es noch Perspektiven: Diehl zitierte die Studie „Grundlagen zur Bemessung des Erstgesprächs/Erstbesuchs in der ambulanten Pflege“, die im Mai 2011 durch den bpa vorgelegt wurde. Diese Studie komme zu dem Ergebnis, dass diese Leistung bislang in Bezug auf den Umfang wie der Vergütung erheblich unterbewertet sei. Diehl gab zu bedenken, dass „die Einleitung des Pflegeprozesses einen Aufwand von mindestens 95 und maximal von 275 Minuten darstellt.“ Doch nicht nur im Bereich der ambulanten Pflege müssen die Vergütungen in Hinblick auf die Zukunft des Gesundheitswesens angepasst werden.

 
 
 

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