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Karriere auf dem Friedhof: Integration mal anders

Karriere auf dem Friedhof:

Integration mal anders

01.02.2012

In der Gastronomie oder dem Landschaftsbau gibt es zahlreiche Integrationsbetriebe. Aber auf dem Friedhof? Warum eigentlich nicht. Das dachte sich auch die Stadt Worms und startete das Projekt „Integrationsbetrieb Wormser Friedhöfe“ – und ist erfolgreich damit.

 
 
Foto: Männer kehren Laub

Bei jedem Wind und Wetter sind die Mitarbeiter des Friedhofsbetriebs im Einsatz; © Stadt Worms

Jeden Tag um sieben Uhr treffen sich die Mitarbeiter des Wormser Integrationsbetriebs auf dem Hauptfriedhof „Hochheimer Höhe“. Von dort aus fahren sie in Gruppen zu den anderen der insgesamt elf Friedhöfe der Stadt Worms. Unter ihnen sind auch Mitarbeiter mit unterschiedlichen Behinderungen, die dafür zuständig sind, die Friedhöfe in Ordnung zu halten. Sie mähen den Rasen, kehren Laub oder jäten Unkraut.

Die Idee, einen Integrationsbetrieb auf Friedhöfen aufzubauen, entstand im Jahr 2010. Die Wormser Friedhöfe hatten schon vorher Menschen mit Behinderungen eingestellt. Das klappte so gut, dass sie dieses Angebot ausbauen wollten, um die Inklusion auf dem regionalen Arbeitsmarkt zu unterstützen. Die Stadt Worms und das Integrationsamt des Landes Rheinland Pfalz waren die Initiatoren und finanzieren nun auch das gesamte Projekt.

„Bei der Planung war von Anfang an, außer dem Stadtrat und dem Bürgermeister, auch die Belegschaft des Friedhofsbetriebs in die zahlreichen Besprechungen eingebunden“, sagt Helmut Bauer, der als Berater der Stadt für die Integrationsbetriebe tätig ist. Die Leiter des Friedhofbetriebs bereiteten sorgfältig den Arbeitsplatz für die neuen Mitarbeiter vor. Sie kauften neue Geräte und Maschinen ein, die die Beeinträchtigungen der Mitarbeiter ausgleichen können – wie zum Beispiel eine Kehrmaschine, die per Knopfdruck funktioniert und somit auch für die Menschen mit körperlichen Behinderungen bedienbar ist.

 
 
Foto: Mitarbeiter und Leiter des Betriebs

Die Friedhofsleiter und Mitarbeiter sind stolz auf ihren Integrationsbetrieb. Hier: vor der Trauerhalle bei der Eröffnung vor einem Jahr; © Stadt Worms

Ein Jahr nach der Eröffnung des Integrationsbetriebs sind alle Beteiligten – sowohl die Organisatoren als auch die Mitarbeiter – mit der Entwicklung äußerst zufrieden. „Die Bereitschaft und Motivation der Beschäftigten ist sehr groß, was immer wieder bestätigt, wie wichtig und richtig dieses Projekt ist. Zurzeit gibt es mehr Bewerber als Arbeitsplätze“, erklärt Bauer.

Einer der Mitarbeiter ist Fritz Ihrig. Er leidet unter dem Raynaud-Syndrom, einer Gefäßkrankheit, und ist seit einem halben Jahr auf dem Friedhof fest angestellt. „Das ist für mich wie ein Sechser im Lotto. Ich mag es sehr, draußen zu arbeiten und dazu noch in so einer tollen Atmosphäre. Was will man mehr?“, sagt der 52-Jährige und freut sich.

Der Friedhofsbetrieb beschäftigt insgesamt 55 Personen. 15 davon besitzen einen Schwerbehindertenausweis. Sieben von ihnen kommen aus Werkstätten für behinderte Menschen, was überdurchschnittlich viel ist. Besonders für Menschen aus den Werkstätten ist es nämlich schwierig, eine Festanstellung zu bekommen. Statistiken zufolge kommen nur circa fünf Prozent der Beschäftigten in Integrationsbetrieben aus einer Werkstatt. „Die Mitarbeiter mit Behinderungen werden in dem Wormser Friedhofsbetrieb außerdem tariflich entlohnt, was nicht in jedem Integrationsbetrieb üblich ist. Dadurch fühlen sie sich auch in finanzieller Hinsicht nicht benachteiligt gegenüber den nicht behinderten Personen.“

 
 
Foto: Ein Grab

Das Thema Tod ist kein Problem für die neuen Mitarbeiter; ©panthermedia.net S. Galushko

Eine der Voraussetzungen für eine Festanstellung im Betrieb ist ein mehrwöchiges Praktikum, an dem alle Bewerber mit Behinderung teilnehmen müssen: „Das Wichtigste ist, dass die Menschen ohne Probleme die manchmal anstrengenden Tätigkeiten bei jedem Wind und Wetter verrichten können. Auf diese Weise können die Bewerber herausfinden, ob ihre Behinderung sie in der Arbeit nicht zu sehr einschränkt“, sagt Bauer.

Ein zweites Thema, dem alle Mitarbeiter begegnen, ist der Tod. Um mögliche unangenehme oder schwierige Situationen zu vermeiden, sprechen die Betriebsleiter schon im Bewerbungsgespräch mit den Interessenten darüber. Wie Helmut Bauer jedoch versichert, gab es bis jetzt keine Probleme, wenn es um den Umgang mit dem Tod und den täglichen Beisetzungen geht: „Die Mitarbeiter können normal mit diesen Themen umgehen und fühlen sich damit nicht überfordert.“

Dank des neuen Personals haben sich die Qualität und Leistung des Betriebs verbessert: „Die Arbeitsfläche auf den Wormser Friedhöfen beträgt 38 Hektar. Das bedeutet jede Menge Arbeit. Zusammen mit den neuen Beschäftigten können wir die anfälligen Aufträge zügiger erledigen, worüber sich besonders die Friedhofsbesucher freuen“, sagt Bauer.

Das Konzept des Integrationsbetriebs Wormser Friedhöfe, das im November letzten Jahres mit dem Rudolf-Freudenberg-Preis ausgezeichnet wurde, ist ein langjähriges und unbefristetes Projekt. „Durch dieses Projekt will die Stadt Worms zeigen, wie wichtig die Inklusion in unserer Gesellschaft ist. Sowohl die Leiter des Integrationsbetriebs als auch der Bürgermeister setzen sich für die immer weitere Einbeziehung der Menschen mit Behinderungen auf dem regionalen Arbeitsmarkt ein“, so Bauer.

Michalina Chrzanowska
REHACARE.de

 
 

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