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Integration geht durch den Magen

Integration geht durch den Magen

01.02.2012

Gemüseeintopf, Curryreis, Seelachsfilet – in der Kantine des Oberlandesgerichts in Köln ist für jeden Geschmack etwas dabei. So vielfältig wie die Speisekarte, so unterschiedlich sind auch die Mitarbeiter des Integrationsbetriebes. REHACARE.de durfte einen Blick in die Töpfe werfen.

 
 
Foto: Hand verteilt Paprika auf mehrere Salatschüsseln

Allein fünf Kilogramm Gurken schneidet Bettina Kordelis pro Tag;
© REHACARE.de

Flink verteilen ihre Finger das Gemüse in kleine weiße Keramikschälchen. Gurken, Tomaten, Paprika, Eisbergsalat – all das hat sie an diesem Morgen schon kiloweise geschnitten. „Wir servieren hier täglich etwa 120 bis 150 Salate“, sagt Bettina Kordelis und verteilt gekonnt das Dressing auf die angerichteten Portionen.

Die zierliche Frau mit dem blonden Kurzhaarschnitt arbeitet zusammen mit fünf Kollegen in der Kantine des Oberlandesgerichtes (OLG) in Köln. Von den insgesamt sechs Mitarbeitern haben zwei eine Behinderung. Bettina Kordelis ist eine von ihnen: Aufgrund ihrer Psyche hat sie eine Schwerbehinderung und arbeitet deswegen als Teilzeitkraft.

Viele Menschen mit Behinderung haben Schwierigkeiten, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Integrationsbetriebe greifen dieses Problem auf und steuern dem entgegen. Sie stellen gezielt Menschen mit Handicap ein, damit diese wieder eine berufliche Perspektive haben. Die Kantine im OLG Köln gehört auch dazu und wird von der DK Integrationsbetriebe gGmbH betrieben.

Das Konzept kommt gut an: Inzwischen bietet das Unternehmen seine gastronomischen Dienstleistungen in sieben Städten Nordrhein-Westfalens an. Die Betriebsstätte im OLG Köln ist ganz neu. „Seit Anfang des Jahres kochen wir hier täglich für etwa 300 Gäste“, sagt Boris Rywelski. Er ist der Küchenchef und arbeitet schon lange für den Betrieb: „Vorher war ich in der LVR-Klinik in Köln Merheim für das Restaurant und den Kiosk zuständig“, erinnert er sich.

 
 
Foto: Mann stellt Behälter auf Spülband

Noreddine Gueldi ist auch für die Sauberkeit des Geschirrs zuständig;
© REHACARE.de

Sprungbrett Praktikum

Aus der LVR-Klinik hat sich Rywelski auch zwei zuverlässige Mitarbeiter mitgebracht: Noreddine Gueldi und Bettina Kordelis. Im OLG arbeitet der 35-jährige Gueldi, der ebenfalls psychisch schwerbehindert ist, als Spüler und Küchenhelfer. In der LVR-Klinik hatte er als Praktikant angefangen; mittlerweile ist er fest angestellt.

Routiniert entfernt Gueldi die Essensreste von Tellern und Schüsseln, stellt das Geschirr auf das große Spülband. Langsam verschwinden die Sachen in dem großen, metallenen Ungetüm. Am Ende kommen sie sauber glänzend wieder heraus. Das ist eine seiner Aufgaben. „Wenn aber mal Not am Mann ist, dann kann ich auch andere Aufgaben übernehmen; beispielsweise Fleisch anbraten oder so“, erklärt Gueldi.

„Für die Gastronomie stellen wir entweder Menschen mit körperlichen oder psychischen Behinderungen ein. In der LVR-Klinik haben wir schon mit Gehörlosen, Menschen mit einem eingeschränkten Sehfeld oder mit Menschen mit psychischen Handicaps gearbeitet. Wichtig ist nur, dass die Leute mit anfassen können“, sagt Küchenchef Rywelski, während er noch schnell Zucchini für die italienische Gemüsepfanne schneidet. „Rollifahrer beispielsweise können wir hier nicht beschäftigen – die Küche ist nicht barrierefrei.“ Wenige Augenblicke später eilt er schon wieder zur nächsten Aufgabe.

 
 
Foto: Mann trägt Behältnis mit Gemüse

Boris Rywelski bringt die italienische Gemüsepfanne zur Gemüsebar;
© REHACARE.de

Integration geglückt

Geschirr klappert, Servierwagen rollen durch die Gegend. Es ist elf Uhr – die Essensausgabe steht kurz bevor. Rywelski und seine Kollegen schlängeln sich durch die engen Gänge der Großküche, jeder auf seine Aufgaben konzentriert. Doch trotz der Hektik herrscht gute Stimmung unter den Mitarbeitern.

Auch Bettina Kordelis hat ein Lächeln auf den Lippen: „Mit Herrn Rywelski zusammen bin ich jetzt gleich auch für die Mittagsausgabe zuständig. Das ist immer sehr stressig. Aber ich versuche, den Druck zu ignorieren und konzentriere mich einfach auf meine Arbeit“, erklärt die 40-Jährige. Nach der Essensausgabe räumt sie ihren Arbeitsplatz in der kalten Küche penibel wieder auf.

Dass die Kantine ein Integrationsbetrieb ist, weiß jeder im Oberlandesgericht. Und es spielt für niemanden eine besondere Rolle, Berührungsängste gibt es keine. „Ganz im Gegenteil! Die Bude ist hier eigentlich immer voll. An einigen Tagen stehen die Leute Schlange bis zur Eingangstür und müssen manchmal warten, bis ein Sitzplatz frei wird“, weiß Rywelski zu berichten.

Nadine Lormis
REHACARE.de

 
 

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Foto: Integration geht durch den Magen

Integration geht durch den Magen

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