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Licht per Fingerwink: Wenn die Zukunft zu Hause einzieht
Licht per Fingerwink:
Wenn die Zukunft zu Hause einzieht
01.04.2012
Mit einer Handbewegung den Fernseher leiser stellen, oder ein Telefongespräch annehmen, während man gemütlich in der Badewanne liegt – solche Szenarien klingen nach ferner Zukunft. Doch technisch ist es inzwischen durchaus möglich, Haushaltsgeräte mit Hilfe von Gesten zu steuern. Aber in welchen Situationen finden Menschen eine solche Gestensteuerung wirklich sinnvoll? Und welche Hemmschwellen müssen dabei berücksichtig werden? Die YOUSE GmbH hat verschiedene Nutzer befragt – und interessante Antworten erhalten.

Die beiden Geschäftsführer von YOUSE, Dr. Christoph Nedopil und Dr. Sebastian Glende;
© YOUSE
In den Räumlichkeiten der YOUSE GmbH in Berlin treffen zwei Generationen aufeinander: Neun Senioren und drei Jugendliche sind angetreten, um die Vor- und Nachteile einer Gestensteuerung im Alltag auszuloten. Zum „Aufwärmen“ können die Teilnehmer die Technik der Gestensteuerung mithilfe einer im Handel verfügbaren Spielekonsole (Xbox Kinect) erleben – für die Jugendlichen ganz normal, für die Senioren dagegen eine Premiere.
Doch von Berührungsängsten keine Spur: Mit ihrem Körper steuern sie ein Schlauchboot durch einen Hindernisparcours – und haben sichtlich Spaß dabei.
„Ich könnte mir gut vorstellen, auf diese Art und Weise Sportübungen zu machen, die fit halten. Aber nur in der Gruppe, alleine macht es weniger Spaß“, meint einer der Senioren. Ein anderer wünscht sich weniger kriegsähnliche Elemente wie den Beschuss mit Steinen, denen man ausweichen muss. „Diese Kampfsituationen hat meine Generation selbst erlebt. Deshalb kann ich sie nur schwer ertragen.“
„Solche Aussagen sind für uns sehr wichtig. Sie ermöglichen uns, konkrete Empfehlungen bei der Produktgestaltung zu geben. Wenn die Gestensteuerung beispielsweise in der Rehabilitation spielerisch zum Einsatz kommen soll, ist es enorm wichtig, die Bedürfnisse der Nutzer zu berücksichtigen“, so Dr. Christoph Nedopil, einer der Geschäftsführer der YOUSE GmbH. „In diesem Fall würde das bedeuten: Sportübungen - ja, kampfähnliche Situationen - nein.“
Nachdem die Teilnehmer nun eine konkrete Vorstellung davon haben wie Gestensteuerung funktioniert, werden im nächsten Schritt gemeinsam Ideen entwickelt, welche Arten von Gesten in welchen Situationen sinnvoll zum Einsatz kommen könnten. Dabei zeigt sich, dass intuitive Gesten für jeden unterschiedlich aussehen können: Während der eine die Funktion „lauter“ mit einer Drehbewegung am Ohr darstellt, machen andere eine Handbewegung nach oben, oder klappen einfach den Mund auf. Bei „an“ (Kopfnicken) und „aus“ (Kopfschütteln) sind sich die Teilnehmer dagegen einig. Allerdings tauchen dieselben Gesten auch für „ja/nein“ oder „Start/Stopp“ auf. Fazit: Damit der Nutzer die Bedienung nicht erst erlernen muss, ist eine Standardisierung der Gesten über Geräte hinweg wichtig.

Teilnehmer aus unterschiedlichen Generationen beim Live-Test der Gestensteuerung mithilfe der Xbox-Spielekonsole;
© YOUSE
Während die eine Teilnehmergruppe noch Gesten generiert, befasst sich eine andere unter Anleitung von Usability-Experten mit möglichen Anwendungsfeldern. Designer halten die innovativen Ideen fest, damit die Funktion sofort anschaulich ist und diskutiert werden kann. Getrennt nach den Bereichen „Bad“, „Küche“ und „Auto“ lassen die Teilnehmer ihrer Fantasie freien Lauf: den Wasserhahn betätigen, den Toilettendeckel öffnen, die Musik leiser stellen – Möglichkeiten für eine Gestensteuerung im Alltag gibt es viele. Aber wann wird den Nutzern die Technik unheimlich?
„Bei der Entwicklung innovativer Technik muss man immer auch mögliche Ängste der Nutzer im Auge behalten“, mahnt Dr. Sebastian Glende, ebenfalls Geschäftsführer der YOUSE GmbH. „Wenn die Kunden Sorge haben, dass sie die Kontrolle über die Technik verlieren könnten oder dass sie ständig überwacht werden, haben neue Produkte bei ihnen keine Chance.“
Wenn solche Vorbehalte berücksichtig werden, bietet die Gestensteuerung jedoch enorme Potenziale, gerade im Pflegebereich: Menschen mit eingeschränkter Mobilität können durch eine berührungslose Steuerung von Alltagstechnik ein Stückchen Autonomie zurückgewinnen, indem sie ohne physische Anstrengung Fenster, Licht oder Wasserhähne bedienen können – ohne anstrengendes Bücken, Strecken oder Hebel betätigen. Zu viel Technik soll es aber auch nicht sein. „Ich denke es tut den Menschen nicht gut, wenn ihnen zu viel Bewegung abgenommen wird“, mahnt eine Teilnehmerin. Also: Unterstützung – ja, aber nur in dem Maße, in dem sie tatsächlich gebraucht wird.
Insgesamt fällt das Urteil der Teilnehmer durchaus positiv aus. Und auch die Hersteller haben das Thema „Gestensteuerung“ bereits aufgegriffen: sei es die Bedienung von Fernsehern per Fingerzeig oder die Öffnung des Kofferraums mittels Fußbewegung – die Zukunft hat längst begonnen.
Kontakt:
Dr. Christoph Nedopil
YOUSE GmbH
089-21556347
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