Hauptinhalt dieser Seite

Sprungmarken zu den verschiedenen Informationsbereichen der Seite:

Sie befinden sich hier: REHACARE-Portal. REHACARE Magazin. Archiv. Wohnen.

LVR: Mehr selbstständiges Wohnen für behinderte Menschen

LVR: Mehr selbstständiges Wohnen für behinderte Menschen

24.10.2003
Landschaftsverband Rheinland Integrationsamt

Mehr behinderte Menschen als bisher sollen mit entsprechender Unterstützung in ihren eigenen vier Wänden leben können. Das ist das Ziel des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR), der seit Juli 2003 nach einer neuen Landesverordnung für dieses "Ambulant Betreute Wohnen" für Menschen mit Behinderungen zuständig ist. Wie dies in der Bundesstadt konkret umgesetzt werden kann, was sich dafür bei den Wohnangeboten für behinderte Frauen und Männer ändern muss und wie Planung und Zusammenarbeit der verschiedenen Beteiligten weiterentwickelt werden können, das war das Thema der Regionalkonferenz heute im Rathaus der Stadt Bonn.

Es geht um Fälle wie den von Christa K. Die 25-jährige Frau mit geistiger Behinderung lebte bis vor kurzem bei ihren Eltern. Christa wollte ausziehen, kann aber den Alltag nicht alleine bewältigen. Jetzt lebt sie mit einer Freundin in einer gemeinsamen Wohnung. Einmal am Tag kommt eine Sozialpädagogin, die sie bei dieser neuen Selbstständigkeit unterstützt, mit ihr den Umgang mit Alltagsschwierigkeiten trainiert, sie begleitet bei Terminen und Erledigungen. Im Kreis Heinsberg mehr Angebote zu schaffen zur Unterstützung für Menschen wie Christa K. - darum ging es bei dem heutigen Treffen, zu dem der LVR gemeinsam mit der Stadt Bonn Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Stellen der Kreisverwaltung und der Träger von Behinderteneinrichtungen eingeladen hatte.

"Unser Ziel ist es, dass die angebotene Wohn-Unterstützung für Menschen mit Behinderungen sich nach den Bedürfnissen der Betroffenen ausrichtet. Unser Motto lautet ‚Soviel Normalität und Selbstständigkeit wie möglich, aber dabei soviel Hilfe wie nötig'.", erläuterte Klaus Heuser, Leiter des Rheinischen Sozialamtes beim LVR. Deshalb müssten ambulante Angebote ausgebaut und die Zahl der stationären Heimplätze mindestens eingefroren werden.

In der Bundesstadt Bonn entfallen von den insgesamt 961 Wohnplatz-Angeboten für Menschen mit Behinderungen lediglich 30 Prozent (genaue Zahl: 292) auf Angebote des Betreuten Wohnens. Der LVR möchte konkrete Ziele für den Ausbau der selbstständigen, unterstützten Wohnmöglichkeiten in Bonn vereinbaren. Dazu sollen zukünftig regelmäßige Arbeitstreffen stattfinden. Dieter Liminski, Sozialamtsleiter der Stadt Bonn, sagte eine kontinuierliche und konstruktive Zusammenarbeit zu: "Auch wir wollen flexible Hilfen und vernetzte Angebote, im Interesse der behinderten Menschen in unserer Stadt".

Thema der Konferenz war auch die vorgesehene Finanzierung der ambulanten Unterstützungsleistungen. Eine Fachleistungsstunde soll mit rund 46 Euro abgerechnet werden, was bereits auf Kritik des Bonner Vereins für gemeindenahe Psychiatrie gestoßen war. LVR-Sozialamtsleiter Heuser äußerte sich jedoch optimistisch, die Kritik basiere weitgehend auf Missverständnissen, die ausgeräumt werden könnten. Er betonte, das neue Abrechnungssystem gebe den Trägern solcher Angebote mehr Möglichkeiten für eine flexible Gestaltung der Hilfen und zur verbesserten wirtschaftlichen Steuerung - beides hätten die Träger in der Vergangenheit wiederholt gefordert.

Bis vor kurzem lag die Zuständigkeit für das Ambulant Betreute Wohnen - so heißt es im Fachjargon, wenn ein behinderter Mensch selbstständig in seiner eigenen Wohnung oder Wohngemeinschaft lebt, aber regelmäßige Unterstützung von Fachpersonal erhält - in der Hand der Kommunen. Der Landschaftsverband Rheinland erbrachte einen finanziellen Beitrag im Rahmen freiwilliger Leistungen, war jedoch gesetzlich zuständig nur für die sogenannten stationären Wohnangebote in Heimen. Um den betroffenen Menschen individuelle und flexible Hilfen aus einer Hand anbieten und gleichzeitig die Kostenentwicklung bei der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen besser steuern zu können, hat die Landesregierung NRW den beiden Landschaftsverbänden Rheinland und Westfalen Lippe (LVR und LWL) nun für einen Zeitraum von sieben Jahren die Gesamtzuständigkeit übertragen.

 
 

Mehr Informationen

 
© Messe Düsseldorf gedruckt von www.REHACARE.de