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Standvolleyball in Deutschland - Teil 2.
STANDVOLLEYBALLER STEHEN NICHT RUM
"Standing Volleyball" – Standvolleyball – lautet zwar die offizielle Bezeichnung des Weltverbandes "World Organisation Volleyball for Disabled" (WOVD), die manchem grundsätzlichen Vorurteil gegenüber der Sportart entgegen kommt. Doch das stimmt ganz und gar nicht.
Das Rückschlagsspiel 6 gegen 6 – drei vorn drei hinten, die nach jedem Aufschlaggewinn im Uhrzeigersinn rotieren, wird äußerst dynamisch nach den gleichen Regeln wie im Nichtbehindertenbereich gespielt und zwar auf einem Feld von 18 m Länge und 9 m Breite. Dazwischen steht ein Netz, das bei den Männern 2,43 m hoch ist. Dreimal darf der Ball gespielt werden. Meistens kommt der erste Ball in eleganter Flugkurve von hinten ans Netz, der zweite wird technisch versiert parallel zum Netz "zugespielt" und der dritte mit Karacho oder list- und trickreich so auf die andere Seite befördert, dass er unerreichbar in des Gegners Feld zu Boden fällt.
Was es bei den Behinderten jedoch zusätzlich gibt, sind A-, B- und C-Spieler. Die Buchstaben stehen für den ansteigenden Schweregrad der Behinderung. Die Regeln für Standing Volleyball verlangen, dass maximal ein A-Spieler (z. B. Vorfußamputation oder Einschränkung der Armfunktion) auf dem Feld stehen darf, aber mindestens ein C-Spieler (z. B. Beinverlust im Hüftgelenk) auf dem Feld stehen muss.
Die richtige Grundaufstellung einer Volleyballmannschaft, die festlegt, welcher Spieler mit welchen Spieleigenschaften neben welchem anderen steht und so je nach Spielverlauf im Uhrzeigersinn vom Vorder- ins Hinterfeld und wieder ins Vorderfeld rotiert, ist schon für den Trainer einer Mannschaft von Nichtbehinderten eine Herausforderung. Noch schwieriger ist die Aufgabe im Standing Volleyball, denn hier gilt es, die unterschiedlichen Einschränkungen so zu ordnen, dass in jeder Spielsituation die bestmögliche Lösung herausspringt. So sind Beinbehinderte mit gesunden Armen prädestiniert für Annahme und Zuspiel. An einem Arm Behinderte kommen
verstärkt im Angriff zum Einsatz.
Wer verteidigt auf welcher Position am besten, wer blockt idealer Weise in der Mitte oder außen? Die richtigen Antworten zu finden ist eine Spezialität des Trainerfuchses Papageorgiou. Seine außerordentliche Fähigkeit, aus einem "heterogenen Haufen mit gemeinsamem Ziel" (Olaf Hänsel) eine schlagkräftige, sich in allen Elementen bestens ergänzende Mannschaft zu formen, wird er auch Zukunft in die Waagschale werfen.
EIN TEAM IM UMBRUCH
Nach den Paralympics 2000 fand in der Nationalmannschaft ein Umbruch statt. Fünf Stammspieler hörten auf, seither scheint die uneingeschränkte Dominanz der Deutschen gebrochen. Für den Bundestrainer kein Problem: "Dieser vorübergehende Misserfolg ist sehr gut verständlich", führt er aus. "Ich war eher angenehm überrascht, dass es nach dem Neuanfang so gut lief." Beim Weltcup 2001 in der Slowakei schaffte es die neu formierte Gruppe bis ins Finale, wobei allerdings mit den USA und Kanada zwei Weltklasseteams fehlten.
"Zum Glück haben wir nicht gewonnen, damit die Mannschaft ihre Leistungsfähigkeit richtig einschätzt", erklärt Papageorgiou. Im Jahr darauf fand dann die Weltmeisterschaft in Polen statt. Beide Teams aus Nordamerika nahmen wieder teil.
Für Deutschland gab es ein Erlebnis der besonderen Art: Zum ersten Mal seit über 20 Jahren kehrte das Team ohne Medaille nach Hause. Platz 4, nach Niederlagen im Halbfinale mit 3:0 gegen Kanada und dem gleichen Ergebnis im Spiel um Platz 3 gegen die Slowakei. Das Ergebnis war ein Fingerzeig. Andere Nationen haben stark aufgeholt, allen voran die Kanadier, und den jungen deutschen Spielern fehlte noch die Klasse, um ganz oben mitspielen zu können.
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