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Dem Himmel ganz nah, Teil 2

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Dem Himmel ganz nah, Teil 2

 

Dennoch stößt man als Behinderter auch mal auf unvorhergesehene, vornehmlich behördliche Komplikationen. Petra Kreuz hat dies erlebt. "Wer Gleitschirm fliegen kann, braucht keine Pflege", meinte einst der für die Pflegeeinstufung zuständige medizinische Dienst. Er hatte eine Reportage gesehen, die der Bayerische Rundfunk mit ihr gedreht hatte. Ein Treffen zeigte aber die Realität: Vier starke Männer halfen ihr beim Zu- und Abgang zum Gleitschirm. Trotz allem bleibt Petra Kreuz die Erkenntnis: "Wir werden von der Gesellschaft gezwungen, wenig zu machen." Dem hat sie sich mit Erfolg widersetzt.

Hoch hinaus - mit Motor

Auch Michael Amtmann, Gründer der Bewegung "Die Rolliflieger", ist ein Himmelsstürmer. Er betreibt Motorflugsport an fast jedem Wochenende. Unzählige Stimmungsbilder hat er dabei gesammelt. Wichtig ist für ihn vor allem das Wetter. Gute Sicht ist Voraussetzung für sein Aufsteigen, das er auch schon mal in nächtlicher Dunkelheit begeht. Ebenso schwärmt Amtmann vom Winterflug. Dies sei "ein ganz besonderes Erlebnis, auch wegen der deutlich besseren Leistung des Flugzeugs bei kalter Luft.". Sein viersitziges Motorflugzeug mit 150 PS hat der Rolliflieger zusammen mit drei anderen Piloten gekauft. Seine Leidenschaft zählt eben doch zu den teureren Flugvergnügen.

 
 
 
Das Flugzeug muss nicht unbedingt
aus Pappe bleiben; © Pixelquelle.de

Die größte Hürde für Bewerber mit Handicap ist sowohl beim Motor- und Segelflug als auch beim Ultraleichtflug das fliegerärztliche Tauglichkeitszeugnis. Ein Flugmedizinischer Sachverständiger muss ausreichende Gesundheit und Körperfunktionen bescheinigen. Vor der Tätigung größerer Investitionen sollte sich jeder Interessierte also genau umschauen, wo und wie er den Flugsport ausüben kann, und ob er unter den gegebenen Bedingungen wirklich das vorfindet, was er sich erträumt.

Im freien Fall zur Erde zurück

Motorisiert fliegen auch Karl Stückle und Eckard Kirsch gen Himmel. "Ohne Rolli, aber mit Flugbegleiter", wie Stückle sagt. Mit einem Motorflugzeug steigen die beiden querschnittgelähmten Extremsport-Anhänger in 4000 Meter Höhe auf, um sich dann mit einem Fallschirm bestückt in die Tiefe fallen zu lassen. "Ein wahrlich atemberaubendes Gefühl", schwärmt Kirsch von seinem Tandemsprung mit einer Spitzengeschwindigkeit über 240 km/h. "Als ich unten war, hätte ich sofort noch mal fliegen können."

Die Lebenskunst ist bekanntlich die Lebenslust. Nicht nur diese Flieger haben das verinnerlicht. Kontakte zu leben, ist für Querschnittgelähmte bei Flugsportarten kein Problem mehr. Sie alle verbindet das Glücksgefühl Fliegen. Und haben eines dabei ganz sicher erfahren: Nur wer gängige Wege verlässt, kann eine Spur hinterlassen.

Text: Jan-Henrik Schultz (JourKomm@web.de)
© Paraplegiker


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