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In einer eigenen Wohnung wohnen







Hamburg (kobinet) "In einer eigenen Wohnung wohnen" - dieser Wunsch war bei der gestrigen Veranstaltung von Leben mit Behinderung Hamburg zum Abschluss der ersten Phase der Kampagne "Marsch aus den Institutionen - Reißt die Mauern nieder" bei Menschen mit ganz unterschiedlichen Behinderungen allgegenwärtig. Gemeinsam mit dem Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Mensche (ForseA) hatte die Hamburger Elternorganisation unter dem Motto: "Wohnen wie ich es möchte - mit Unterstützung kann ich das!" zum Erfahrungsaustausch eingeladen



Die Tatsache, dass sich der Beginn der Veranstaltung um ein paar Minuten verzögerte, weil noch weitere Stühle für die über 70 TeilnehmerInnen organisiert werden mussten, machte den großen Andrang bei dieser Veranstaltung deutlich. Matthias Westecker von Leben mit Behinderung Hamburg zeigte sich daher auch sehr erfreut, dass so viele Menschen gekommen waren, die sich mit dem Thema Wohnen und ihren Wünschen und Träumen dafür beschäftigen wollen. Viele der anwesenden Menschen mit Lernschwierigkeiten hielten dann auch nicht lange hinterm Berg, um ihre Vorstellungen, Träume und Ziele in Sachen Wohnen ganz praktisch vorzustellen. Hierfür gab die ForseA-Vorsitzende Elke Bartz eine gute Vorlage, indem sie anhand ihrer eigenen Geschichte darstellte, wie sich ihr Leben von dem einer jungen nichtbehinderten verheirateten Frau durch einen Autounfall zu einem Leben mit vielen Einschränkungen im Heim veränderte. Sie zeigte dabei aber auch auf, wie sie es geschafft hat, wieder aus dem Heim in eine eigene Wohnung mit der Unterstützung, die sie braucht, zu ziehen und dort zu leben.



Dies löste bei den TeilnehmerInnen eine Vielzahl an Wortmeldungen aus, mit denen diese ihre Wünsche äußerten. "Es war sehr beeindruckend, wie klar und konkret die Wünsche vieler TagungsteilnehmerInnen in Bezug auf ihre Wünsche zum Wohnen waren. Dies ging wirklich ans Herz und hätte denjenigen, die uns immer wieder sagen, das können 'unsere Behinderten' nicht oder das 'wollen die gar nicht' einmal gut getan, anzuhören", erklärte Elke Bartz. Eine Frau mit Lernschwierigkeit berichtete zum Beispiel, dass sie aus der Wohngruppe ausziehen und möglichst nah an ihrer Arbeitsstelle in einer eigenen Wohnung leben möchte. Andere berichteten, dass sie ebenfalls alleine oder mit ihren PartnerInnen leben möchten, während für andere auch klar war, dass sie erst einmal gerne in der Wohngruppe weiter bleiben wollen.



Doris Haacke von People First Hamburg zeigte anhand ihrer eigenen Zukunftsplanung auf, wie wichtig es ist, Wünsche und Träume zu entwickeln und sich klare Ziele zu setzen. In den fünf Jahren, seit sie ihre Zukunftsplanung gemacht hat, haben sich viele ihrer Träume verwirklicht. Nachdem sie früher in einer Wohngruppe gelebt hat, wohnt sie heute mit ihrem Mann mit der entsprechenden Unterstützung zusammen, hat eine Terasse, eine Arbeit, die ihr gefällt und hat auch schon etwas Englisch gelernt. Mit dem Klavierspielen hat es noch nicht so geklappt und der Wunsch vom Kauf einer eigenen Wohnung, um mehr Sicherheit zu haben, wartet auch noch auf Erfüllung. "Es ist wichtig, dass wir behinderte Menschen auch mal Träumen dürfen und uns Ziele setzen. Wir brauchen dabei aber auch Leute, die uns unterstützen, denn alles schaffen wir nicht allein".



So wurde während der Tagung auch immer wieder über den Begriff "selbständig" diskutiert. Elke Bartz machte dabei deutlich, dass es nicht darum gehen könne, dass nur diejenigen dort wohnen können, wo sie wollen, die alles "selbständig" machen können. "Wir behinderte Menschen brauchen nun mal Unterstützung und die muss uns auch gegeben werden - und das nicht nur im Heim, sondern dort wo wir leben wollen. Die behinderten Menschen in Schweden, wo mittlerweile die Behindertenheime abgeschafft wurden, haben ihre Behinderung auch nicht abgegeben, sie werden jetzt nur anders und dort wo sie leben wollen, unterstützt", so Elke Bartz.



Für Dr. Steffan Peiffer und Matthias Westecker von Leben mit Behinderung Hamburg war genau dieser Aspekt von zentraler Bedeutung. "Wir möchten und kämpfen dafür, dass auch Menschen mit einem höheren Unterstützungsbedarf selbstbestimmt und dort wohnen können, wo sie möchten. Denn ein selbstbestimmtes Leben darf nicht nur für diejenigen sein, die alles selbständig können und wenig Hilfe brauchen," so Matthias Westecker. Und dies scheint auch gerade im Hinblick auf die von der Hamburger Senatsverwaltung ausgegebene Devise der Ambulantisierung die größte Herausforderung zu sein, denn damit verbindet die Behörde bisher hauptsächlich Einsparungen. Der Qualitätssprung in der Auseinandersetzung mit der Frage, "wie möchte ich wohnen" bei den Betroffenen und den Trägern war bei dieser Veranstaltung schon eindeutig zu spüren, nun ist es auch nötig, alle behinderte Menschen auf diesem Weg mitzunehmen und zu unterstützen und dafür zu sorgen, dass nicht diejenigen mit hohem Unterstützungsbedarf auf der Strecke - bzw. in den Einrichtungen zurückbleiben, fasste Elke Bartz die Veranstaltung zusammen. omp
 






 
 

( Quelle: kobinet-Nachrichten )

 
 

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