Capjob: "Mit Hilfe von Schwerbehinderten für schwerbehinderte Jobsucher"

Nachgefragt bei Felix Hüning, Capjob-Gründer

13.07.2017

Modern und nutzerfreundlich: Auf dem Jobportal Capjob.de können Arbeitssuchende die Art ihrer Beeinträchtigung angeben und gezielt nach für sie passenden Stellen suchen. Aktuell sind mehr als 50 Unternehmen gelistet, die Menschen mit Behinderung einstellen. Die Plattform wächst weiter und profitiert dabei auch in besonderem Maße vom Insiderwissen ihrer schwerbehinderten Mitarbeiter.

Foto: Felix Hüning; Copyright: Felix Hüning/Capjob

Felix Hüning, Gründer des Jobportals Capjob.de; © Felix Hüning/Capjob

REHACARE.de sprach mit Gründer Felix Hüning über die Besonderheiten von Capjob.de und warum eigentlich alle Beteiligten von einer inklusiven Arbeitswelt profitieren könnten.

Herr Hüning, wieso ist vor Ihnen noch niemand auf die Idee gekommen, ein Jobportal wie Capjob für Menschen mit Behinderung einzurichten?

Felix Hüning: Die Idee, ein Jobportal für Menschen mit Behinderung anzubieten ist nicht neu. Es gibt bereits Webseiten, die Stellen für Menschen mit Behinderung bereitstellen, nur haben mir die Angebote nicht zugesagt und ich dachte, man könne solch ein Portal effektiver, moderner und nutzerfreundlicher gestalten und die essentiellen Säulen eines Jobportals anbieten. Das sind im Wesentlichen eine feingegliederte Suche, die Möglichkeit ein Jobsucher-Profil anlegen zu können und den eigenen Lebenslauf zu hinterlegen, dazu die Option automatisch bei neuem Wunsch-Job benachrichtigt zu werden, und dass man als Arbeitgeber ein Unternehmensprofil anlegen kann. Speziell bei Capjob gibt es die einmalige Möglichkeit, Stellen nach der eigenen Behinderung zu filtern, um diejenigen Jobs zu finden, bei denen der Arbeitgeber entsprechend vorbereitet ist. Zudem kann der Jobsuchende in seinem Profil angeben, welche Hilfsmittel er bei seiner Arbeit benötigt und schafft dadurch Transparenz. Capjob ist sehr einfach gestaltet und kann von Screenreadern "vorgelesen" werden. Was uns vielleicht besonders macht, ist, dass wir Capjob mit Hilfe von Schwerbehinderten für schwerbehinderte Jobsucher und inklusiv arbeitende Unternehmen betreiben. Drei unserer Mitarbeiter sind blind, ein Kollege ist sehbehindert und zwei weitere Mitarbeiter sitzen im Rollstuhl. Das Insiderwissen und Knowhow durch die schwerbehinderten Mitarbeiter kann uns den entscheidenden Vorteil verschaffen, erfolgreich zu werden.

Welche Vorteile können Menschen mit Behinderung und Arbeitgeber in gemeinsamen Projekten erzielen?

Hüning: Bei einer Zusammenarbeit von behinderten und nicht-behinderten Menschen wird meist klar, dass Inklusion gelingt, wenn beide Parteien aufeinander zugehen und offen über die Fähigkeiten, Wünsche und Limitierungen sprechen. Am Ende sind es meistens die nicht-behinderten, die überwältigt sind von dem, was der Kollege mit Behinderung so alles kann, wie er seinen Alltag bestreitet und welche Hilfsmittel er verwendet, um seine Einschränkungen zu kompensieren. Es erdet enorm und erweitert den Horizont für beide Parteien. Vermehrt wurde mir zudem gesagt, dass Mitarbeiter mit Behinderung tendenziell noch einen Tick ehrgeiziger sind, weil sie es sich und dem Arbeitgeber beweisen wollen. Sie seien auch meist sehr loyal, weil sie das Unternehmen und die Möglichkeit schätzen und fördern zudem die Unternehmenskultur durch Offenheit und Zusammenhalt.

Foto: Das Capjob-Team (v.l.) Björn Asal, Jessica Rothenburger, Felix Hüning; Copyright: Felix Hüning/Capjob

Ein Teil des Capjob-Teams (v.l.): Björn Asal, Jessica Rothenburger und Felix Hüning; © Felix Hüning/Capjob

Was würden Sie sich nicht nur für Capjob, sondern generell für die Joblandschaft für Menschen mit Behinderung wünschen?

Hüning: Meine Utopie würde so aussehen, dass sich jeder Arbeitgeber im Klaren darüber ist, dass in Deutschland sechs Millionen schwerbehinderte Menschen leben und davon zwei Millionen im erwerbsfähigen Alter sind, wovon Tausende arbeiten können und wollen. Zusätzlich sollten Unternehmen um die Möglichkeiten und staatlichen Förderungen wissen, die sie erhalten können, wenn sie Menschen mit Schwerbehinderung einstellen. Wenn diese Transparenz hergestellt wäre, würde es stets ein Stück normaler werden, dass nicht-behinderte und behinderte Menschen zusammenarbeiten und voneinander lernen. Wichtig wäre es dann noch, dass der behinderte Jobsucher seine Fähigkeiten kennt und er beraten wird, welche Berufe er mit seiner Behinderung ausüben kann. So würde auf beiden Seiten Aufklärungsarbeit geleistet werden und das Resultat wäre eine bessere und inklusivere Arbeitslandschaft.

Was bedeutet für Sie Inklusion?

Hüning: Für mich bedeutet Inklusion das aktive Miteinbeziehen von Menschen mit Behinderung, um die Teilhabe an Bildung, Freizeit, Politik, Arbeit, Urlaub und Alltag zu ermöglichen. Miteinbeziehen bei der Planung, bei Architektur, bei politischen Entscheidungen, bei der Gestaltung von neuen Dingen jeglicher Art. Inklusion beginnt in erster Linie im Kopf. Fast jedes Restaurant und jede Kneipe hat eine Eingangsstufe, aber meist leider keine Rampe parat.

Hier geht es direkt zur Webseite unter: capjob.de
Foto: Anne Hofmann; Copyright: privat

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Anne Hofmann
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