Demenz: Arbeitsteilung zwischen Hausärzten und Pflegefachpersonen optimieren

19.05.2017

Das Forschungsprojekt "Künftige Aufgabenteilung von Pflegefachpersonen und Hausärzten in der ambulanten Demenzversorgung: Aufgaben, Akzeptanz, Qualifikation (AHeaD Studie)" des Instituts für Community Medicine der Universitätsmedizin Greifswald wird mit rund 700.000 Euro gefördert. Die Mittel stammen aus dem Innovationsfonds beim Gemeinsamen Bundesauschuss.

Foto: Studienschwester besucht Arztpraxis; Copyright: DZNE / www.schmelz-fotodesign.de

Abstimmung mit der Arztpraxis: Im Rahmen der DelpHi-MV-Studie besuchten Studienschwestern die Patienten zu Hause, um sie im Umgang mit der Demenz zu unterstützen. Dabei kooperierten sie eng mit der behandelnden hausärztlichen Praxis; © DZNE / www.schmelz-fotodesign.de

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Community Medicine, Abteilung Versorgungsepidemiologie und Community Health untersuchen, wie die ambulante Versorgung von Menschen mit Demenz durch eine künftige Weiterentwicklung der Arbeitsteilung von Hausärzten und Pflegefachpersonen verbessert werden kann.

Partner sind die Abteilung Methoden der Community Medicine, das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) e.V., Rostock/Greifswald, das Institut für Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin Rostock und der Fachbereich Gesundheit, Pflege, Management der Hochschule Neubrandenburg.

In Deutschland leben derzeit etwa 1,6 Millionen Menschen mit einer Demenz; davon rund 33.000 in Mecklenburg-Vorpommern. Diese sind auf eine leitliniengerechte medizinische und pflegerische Versorgung angewiesen. Angesichts von Nachwuchsproblemen in den Gesundheitsberufen stellt die Sicherung der bedarfsgerechten Versorgung eine Herausforderung dar.

"Innovative Versorgungskonzepte sind erforderlich. Diese Konzepte betreffen auch eine Neustrukturierung von Aufgabenfeldern einzelner Berufsgruppen. Menschen mit Demenz sind auf eine komplexe Versorgung angewiesen, die den fortschreitenden Krankheitsverlauf verzögern und solange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben in der eigenen Häuslichkeit unterstützen. Hier setzt die AHeaD Studie an", so Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Community Medicine der Universitätsmedizin Greifswald.

"Das bislang einmalige Studienvorhaben in Deutschland zielt darauf ab, eine sinnvolle Aufgabenneuverteilung von Pflegefachpersonen und Hausärzten für die ambulante Demenzversorgung hinsichtlich Kooperation, Delegation und Substitution zu entwickeln", erklärt Dr. Adina Dreier-Wolfgramm. Sie ist Projektleiterin der Studie.

AHeaD fördert dabei die patientenorientierte Versorgung und unterstützt eine frühzeitige Identifikation der Betroffenen und deren Integration ins Gesundheitssystem sowie die Entlastung der Angehörigen durch individuelle Angebote. Das Projekt ist ein Beitrag zur Verbesserung der Versorgungsabläufe basierend auf der kontinuierlichen Kommunikation und Abstimmung zwischen Hausarzt und Pflegefachperson.

Einen Ausgangspunkt bildet das Dementia Care Management Konzept der hausarztbasierten clusterrandomisierten DelpHi-MV Studie. Die Ende 2016 veröffentlichten Ergebnisse belegen, dass das Dementia Care Management die Versorgungssituation der Menschen mit Demenz in wichtigen Bereichen signifikant verbessert. Hausärzte hatten in der Studie die Möglichkeit, spezifische Tätigkeiten an Pflegefachpersonen zu delegieren.

Nun soll das Aufgabenfeld der Pflegefachpersonen, die so erfolgreich als Dementia Care Manager tätig waren, umfassend analysiert werden.

1. In AHeaD erfolgt die Definition einer Tätigkeitsliste mit Einordnung in Kooperation, Delegation und Substitution. Danach wird die Präferenz der Einordnung einzelner Tätigkeiten aus Sicht der verschiedenen DelpHi-MV Zielgruppen (Hausärzte, Pflegefachpersonen, Menschen mit Demenz und Angehörige) identifiziert.
2. Im Weiteren werden Qualifikationsanforderungen an Pflegefachpersonen spezifiziert. Zum Vergleich der Bewertungen werden Hausärzte und Pflegefachpersonen eingeschlossen, die bislang keine Erfahrungen mit dem Dementia Care Management haben und die Regelversorgung repräsentieren.
3. Die Akzeptanz einer veränderten Aufgabenübernahme bei Hausärzten und Pflegefachpersonen wird untersucht. Forschungspartner hier ist Prof. Roman F. Oppermann vom Fachbereich Gesundheit, Pflege, Management der Hochschule Neubrandenburg.
4. Die möglichen positiven und negativen Auswirkungen auf die Arzt-Patienten Beziehung werden von Prof. Atila Altiner aus der Universitätsmedizin Rostock analysiert.
5. Die künftige Finanzierung und die strukturelle Implementierung der veränderten Arbeitsteilung in der Regelversorgung untersucht Dr. Bernhard Michalowsky vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) e.V., Rostock/Greifswald.

Die Ergebnisse aus insgesamt vier Perspektiven (Hausarzt, Pflegefachperson, Menschen mit Demenz und Angehörige) werden für die Entwicklung eines Modellprojektes gemäß §63 Abs. 3c SGB V genutzt, welches nach Ablauf der Förderung unter den Bedingungen der Regelversorgung erprobt und evaluiert werden soll.

Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann wertet die Förderung der AHeaD Studie durch den Innovationsfonds als wichtigen Schritt in der Weiterentwicklung der Arbeitsteilung von Medizin und Pflege: "Mit der AHeaD Studie wird es möglich, Einzelleistungen der Gesundheitsberufe zu abgestimmten Handlungsabläufen kooperativ zu einem Gesamtversorgungsprozess zusammenzuführen. Die optimierte Arbeitsteilung kann dabei zur Arbeitsentlastung der Hausärzte beitragen. Zudem wird eine Karriereoption für Pflegefachpersonen geschaffen, die zur Attraktivitätssteigerung des Pflegeberufes führen wird. In einem optimierten arbeitsteiligen Prozess liegt auch ein erhebliches Potenzial für den effizienteren Einsatz von Ressourcen aus Sicht der Kostenträger."

REHACARE.de; Quelle: Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Mehr über die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald unter: www.uni-greifswald.de