KogniHome feiert die Wohnung der Zukunft

03.07.2017

Im August 2014 startete der Innovationscluster KogniHome mit dem Ziel, Technik für die mitdenkende Wohnung der Zukunft zu entwickeln. Kürzlich stellten die 14 Partner des regionalen Verbundprojekts eine zentrale Entwicklung vorgestellt: die KogniHome-Forschungswohnung in Bethel in Bielefeld. Ein kurzer Film zeigt die Funktionen der Wohnung der Zukunft.
Foto: zwei Personen testen den KogniHome-Spiegel; Copyright: CITEC/Universität Bielefeld

Petra Sadra und Dirk Weber leben in Bethel. Am Freitag testeten sie, wie ihnen der KogniHome-Spiegel hilft, gut in den Tag zu kommen; © CITEC/Universität Bielefeld

Zu den ersten Gästen der neuen Forschungswohnung in der Gadderbaumer Straße 41 gehörte Gabriele Albrecht-Lohmar vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Referat "Mensch-Technik-Interaktion; Demografischer Wandel". Das BMBF fördert den Innovationscluster KogniHome im Rahmen seines Forschungsprogramms zur Mensch-Technik-Interaktion. Bei Ihrem Besuch machte sich Albrecht-Lohmar mit den Fähigkeiten des rundum vernetzten Apartments vertraut. "Es ist beeindruckend, wie sich die neue Technik auf die Bedürfnisse der Bewohner einstellt und ihnen damit den Alltag erleichtert", sagt Albrecht-Lohmar. "Mit seinen Entwicklungen schafft der Innovationscluster KogniHome eine wichtige Basis für die Kooperation von Wirtschaft und Forschung", sagt die Referentin. Die Forschungswohnung vereint die Prototypen aus den Laboren und den Werkstätten der Partner, für die KogniHome bereits 2015 als ausgezeichneter Ort im Land der Ideen prämiert wurde. Vor einem Jahr handelte es sich noch um eine einfache Bestandswohnung.

"Die Forschungswohnung macht erlebbar, wie wir in KogniHome gemeinsam mit unseren Partnern aus Industrie, Dienstleistung und Forschung das Thema intelligentes Wohnen vorangetrieben haben", sagt Professor Dr. Helge Ritter, Sprecher des Innovationsclusters KogniHome. "Die Technik unserer Forschungswohnung lässt sich intuitiv bedienen und geht auf die Bedürfnisse der Bewohner ein, ohne dabei zu bevormunden", so der Neuroinformatiker, der auch Koordinator des Exzellenzclusters CITEC ist.

Außer mit der technischen und ingenieurwissenschaftlichen Forschung befasste sich das Projekt mit der möglichen Auswirkung der neuen Technik. Das reicht von ethischen Aspekten bis hin zu rechtlichen, sozialen und sicherheitstechnischen Folgen.

"Gerade für Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen ist ein selbstbestimmtes Leben in der eigenen Wohnung besonders wichtig", sagt Professor Dr. Günther Wienberg. Er ist stellvertretender Vorstandsvorsitzender der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, einer der 14 Projektpartner. "Wir haben sichergestellt, dass potenzielle Nutzer sich an der Entwicklung der mitdenkenden Wohnung beteiligen konnten. Wir haben mit dem Konsortium drängende ethische Fragen diskutiert und soziale Aspekte in die Forschung eingebracht." So diskutierten in Ethik-Seminaren Vertreter von Bethel, CITEC, der BGW Bielefelder Gesellschaft für Wohnen und Immobiliendienstleistung mbH und der juristischen Fakultät der Fachhochschule Bielefeld mit den Industriepartnern. Pünktlich zum Abschluss von KogniHome ist eine Broschüre erschienen, die Empfehlungen für den Umgang mit den ethischen und weiteren Fragen beim Einsatz von mitdenkenden Wohnungen gibt.

Starke Partner aus der Industrie gewährleisteten in den vergangenen drei Jahren, dass die KogniHome-Prototypen in Richtung Produktreife getrieben wurden. Bei der digitalen Küche brachten die Familienunternehmen Miele und Hettich ihr Knowhow ein. Im Fokus stand der Verbraucher mit seinen Bedürfnissen. Als Szenario wählten die Partner das Jahr 2024, um zukunftsweisende Technologien zu entwickeln und innovativ zu arbeiten. Herausgekommen sind Prototypen, die das alltägliche Leben vereinfachen und bereichern.

In dem neuen Film "KogniHome – Geburtstag in der mitdenkenden Wohnung" erlebt die fiktive Familie Becker einen Tag im KogniHome. Über diese in ihren Mitgliedern exemplarisch konzipierte Familie gelangen die Projektmacher zu authentischen Szenarien: Die intelligente Eingangstür begrüßt die Bewohner und Gäste persönlich, die digitale Küche "KogniChef" hilft beim Kochen "die Spur zu halten", ein virtueller Dialogassistent berät bei der Zeitungslektüre, ein persönlicher Trainer – bekannt als "Trimmdich-Sessel" – leitet altersangemessen zu Fitnessübungen an, der mitdenkende Spiegel im Eingang ist mit der Ankleide verknüpft und sorgt dafür, dass beim Verlassen der Wohnung nichts vergessen wird.

Auch wenn am 23. Juni der Abschluss des Innovationsclusters KogniHome gefeiert wird – die 14 Partner kooperieren weiter und wollen dafür den Verein "KogniHome e.V." gründen. "Wir möchten die Ergebnisse aus drei Jahren Forschung weiterführen und die mitdenkende Wohnung auch in Zukunft nutzen", sagt Helge Ritter. "Wir haben gelernt, worauf es dem Menschen beim Wohnen ankommt, und in welche Richtung Technik gehen muss, damit solche technischen Systeme bei der demographischen Herausforderung einen Beitrag leisten. Kurzum: Wir wissen, was es braucht, damit die Brücke zwischen Mensch und Technik in die Zukunft weist."

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert den Innovationscluster KogniHome bis Ende Dezember mit acht Millionen Euro. Durch die finanzielle Beteiligung der 14 Partner kommt ein Gesamtbudget von 11,3 Millionen Euro zusammen. KogniHome ist Teil des Förderschwerpunktes "Mensch-Technik-Interaktion im demografischen Wandel" des BMBF.

REHACARE.de; Quelle: Universität Bielefeld

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