Lehrkräfte fit machen für inklusiven Geschichtsunterricht

10.07.2017

Wie berufserfahrene Lehrkräfte effektiv fachliche und pädagogische Kompetenzen für inklusiven Unterricht erwerben können, untersucht in den kommenden drei Jahren ein Forscherteam unter Leitung der Professur für Theorie und Didaktik der Geschichte (Prof. Dr. Waltraud Schreiber) an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU). Das Projekt "InKLUsiv Geschichte Lehren (KLUG)", an dem das Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung der Universität Tübingen sowie das Institut für Sonder- und Rehabilitationspädagogik der Universität Oldenburg mitwirken, wird vom Bundesforschungsministerium mit insgesamt 840.000 Euro gefördert.
Foto: Lehrerin sitzt mit Tablet vor einer Gruppe Schüler; Copyright: panthermedia.net/Wavebreakmedia ltd

Mittels mBook soll es Lehrern erleichtert werden, auf die unterschiedlichen Lernansprüche ihrer Schüler einzugehen und dadurch einen inklusiveren Unterricht zu gestalten. Entwickelt wurde das digitale Lehrbuch vom Eichstätter Institut für Digitales Lernen; © panthermedia.net/Wavebreakmedia ltd

Ziel ist die Entwicklung und Evaluierung eines Weiterbildungskonzeptes speziell für Geschichtslehrkräfte der Sekundarstufe 1, um so den gemeinsamen Unterricht von Schülerinnen und Schülern mit unterschiedlichen Lern- und Leistungsvoraussetzungen fundiert zu gestalten. Damit wird außerdem die Bedeutung historischen Denkens für die gesellschaftlich-kulturelle Teilhabe in den Blick genommen, die bislang in der Sonderpädagogik und Inklusionsdidaktik kaum reflektiert wurde. An der KU ist das Projekt angesiedelt im Umfeld des Forschungsverbundes "Inklusives Leben und Lernen in der Schule".

"Viele Lehrkräfte sehen in einem inklusiv ansetzenden Fachunterricht der Sekundarstufe 1 eine neue und als schwierig erlebte Aufgabe, auf die sie sich nur begrenzt vorbereitet fühlen. Über die Fächer hinweg zeigt sich als gemeinsames Problem für die Realisierung inklusiven Unterrichts, dass es Lehrkräften oft an hinreichend tiefem und flexiblem Wissen in den Fachwissenschaften sowie den zugehörigen Fachdidaktiken fehlt, um die spezifischen Bedürfnisse der Lernenden im Fachunterricht ausreichend berücksichtigen zu können", erklärt Prof. Dr. Waltraud Schreiber. Diese Einschätzung wird über die Selbstwahrnehmung der Lehrkräfte in Bezug auf die eigenen Kompetenzen unterstützt, in denen diese unter anderem fachlichen Unsicherheiten konstatieren. Viele fühlten sich verunsichert, wenn sie individuelle Lernangebote entwickeln müssten, die eine Differenzierung und Adaption des Lernprozesses ermöglichen.

Im Verbundprojekt soll daher untersucht werden, wie sehr sich fachliche sowie überfachlich-pädagogische Kompetenzen von Lehrkräften durch ein Paket an Unterstützungsmaßnahmen fördern lassen. Grundlage dafür wird das digitale Unterrichtsbuch "Gemeinsames Lernen" sein, das vom Eichstätter Institut für Digitales Lernen entwickelt wurde. Dieses mBook ermöglicht beispielsweise, Wahrnehmungsstörungen auszugleichen, indem zentrale Lehrtexte, Quellen und Darstellungen als Audio-Beiträge eingesprochen werden sowie die Anpassung von Schriftgrößen und Schriftarten oder die Veränderbarkeit von Seitenhintergründen möglich ist. Um auf unterschiedliche Lern- und Leistungsvoraussetzungen einzugehen, bietet das mBook jeweils mindestens zwei Differenzierungsebenen an.

Die Stichprobe der Studie werden 150 Lehrkräfte in Nordrhein-Westfalen bilden, welche in drei Gruppen aufgeteilt sind: Eine Gruppe absolviert ein umfangreiches Fortbildungsprogramm, das zum Teil auch Fernunterricht (e-sessions) am Bildschirm umfasst, und nutzt das mBook samt Lehrerhandbuch im Unterricht. Im Vergleich dazu erhält eine Selbstlerngruppe zunächst nur das Lehrmaterial mit Handbuch. Eine Kontrollgruppe wiederum bekommt zunächst keinerlei Unterstützung, hat aber nach einem Jahr die Möglichkeit, das mBook zu nutzen und – wie die erste Gruppe – an Fortbildungen teilzunehmen. Durch den Vergleich der verschiedenen Fortbildungsansätze soll deren Effekt auf die Selbstwahrnehmung der Lehrkräfte, deren Kompetenzen und die Unterrichtswahrnehmung der Schülerinnen und Schüler überprüft werden.

Ziel des Forschungsprojekts ist die Etablierung eines direkt umsetzbaren Fortbildungsprogramms, das auch Implikationen für andere Fächer haben wird.

REHACARE.de; Quelle: Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

Mehr über die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt unter: www.ku.de