Mobilität: Forschungsprojekt zur barrierearmen Navigation gestartet

14.04.2017

Hochschule Fresenius, TU Darmstadt und DB Systel haben ein Forschungsprojekt gestartet mit dem Ziel, eine neuartige Navigations-App zu entwickeln. Damit sollen sich Menschen mit eingeschränkter Mobilität zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln besser bewegen können. Im Mittelpunkt des „Per-Pedes-Routings“ steht eine barrieresensitive Navigation durch die Stadt.
Foto: Frau im Rollstuhl hält Handy mit einer App in der Hand; Copyright: Andi Weiland | Sozialhelden e.V.

Mit der neuen App könnte man einen sehr großen Personenkreis erreichen, der bis dato bei vergleichbaren Entwicklungen unberücksichtigt geblieben ist, sagen die Entwickler; © Andi Weiland | Sozialhelden e.V.

Das System wird in der Lage sein, die individuelle Leistungsfähigkeit des Nutzers zu berücksichtigen und Hindernisse zu bewerten. Wiesbaden ist die erste Stadt, in der ab sofort Daten für die Entwicklung der App erhoben werden. Nachfolgend ist eine bundesweite Ausdehnung geplant.

Finanziert wird das Vorhaben vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, das Gelder aus dem mFUND zur Verfügung stellt. Unterstützt und begleitet wird das Projekt durch die Unternehmen DB Regio und Samsung.

"Mobilität ist die Grundvoraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe und ein wichtiger Faktor für den Erhalt der Lebensqualität", sagt Prof. Dr. Christian T. Haas, Leiter des Instituts für komplexe Gesundheitsforschung an der Hochschule Fresenius, das die Federführung im Projekt innehat. "Mit der verbesserten Navigation zu Fuß möchten wir dazu beitragen, dass ältere Menschen und Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung weiterhin die Möglichkeit haben, sich eigenständig zu versorgen und wichtige Ziele wie Arzt, Therapeut, Apotheke oder Supermarkt zu erreichen." Für Städte sei es wichtig, dass die wachsende Zahl an Senioren und anderer Menschen mit Beeinträchtigungen der regionalen Wirtschaft erhalten bleiben.

Das Projekt verfolgt einen so genannten Crowdsourcing-Ansatz: Indem sich möglichst viele Bürger daran beteiligen und Informationen über Barrieren auf ihrem Weg an das System melden, können diese in der App abgebildet und bei Navigationsvorschlägen berücksichtigt werden. Nutzer rufen hierfür eine kostenlose Telefonnummer an, langfristig soll auch eine vollständig automatisierte Übermittlung mittels 3D-Beschleunigungssensoren am Smartphone möglich sein. Auf diese Weise wächst die der App zugrundeliegende Informationsdatenbank ständig an und ist immer aktuell.

Laut Haas handelt es sich bei der Anwendung um das erste System, das die speziellen Bedürfnisse derjenigen berücksichtigt, die zwar über körperliche Beeinträchtigungen verfügen, aber durchaus noch in der Lage sind, zu Fuß zu Bushaltestelle zu gehen, Einkäufe zu erledigen oder Ziele zur Freizeitgestaltung zu erreichen. "Bisher existente elektronische Unterstützungssysteme zur Routenplanung erlauben lediglich eine Abschätzung der Distanz, geben allerdings meist keine weiteren Hinweise, ob physische Barrieren vorhanden sind, für den Weg eine bestimmte körperliche Leistungsfähigkeit vorhanden sein muss oder welcher Anstrengungsgrad zur Bewältigung erforderlich sein wird." Andere Forschungsprojekte beschäftigten sich mit stärker betroffenen Menschen wie Seh- oder Hörgeschädigten oder Rollstuhlfahrern. Mit der neuen App erreiche man damit einen sehr großen Personenkreis, der bis dato bei vergleichbaren Entwicklungen unberücksichtigt geblieben ist.

An dem Forschungsprojekt sind Wissenschaftler der Hochschule Fresenius wie auch der Technischen Universität (TU) Darmstadt beteiligt. Informatiker der TU werden in dem Projekt Algorithmen zur IT-basierten Navigation weiterentwickeln. Ein Team um Prof. Karsten Weihe kann dazu auf die Expertise aus langjähriger Forschungskooperation mit der Deutschen Bahn und anderen Dienstleistern zurückgreifen. Das an der TU Darmstadt erarbeitete Modellsystem erleichtert zum Beispiel auch Reisenden mit Mobilitätseinschränkungen im Nah- und Fernverkehr möglichst schnell, kostengünstig und sicher an den Zielort zu gelangen.

Die Projektbeteiligten rechnen damit, dass die Smartphone-App innerhalb der nächsten zwei Jahre einsatzfähig sein wird.

REHACARE.de; Quelle: Hochschule Fresenius

Mehr über die Hochschule Fresenius unter: www.hs-fresenius.de