Pflege von Angehörigen und Patienten erleichtern

07.06.2017

Ob als Patientinnen und Patienten, als Pflegekräfte oder Angehörige: Der Pflegealltag betrifft in Deutschland mehrere Millionen Menschen. Daher startet das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) den neuen Cluster "Zukunft der Pflege". Forschung und Wirtschaft arbeiten darin gemeinsam mit Anwendern an neuen Produkten, die den Pflegealltag in Deutschland vereinfachen sollen. Soziale und technische Innovationen sollen gerade in der Pflege eng miteinander vereint werden. Bis zum Jahr 2022 stehen dafür insgesamt 20 Millionen Euro bereit.
Foto: Altenpflegerin im Gespräch mit einer alten Dame; Copyright: panthermedia.net/alexraths

Der technische Fortschritt kann mehr Menschen in Krankenhäusern, Pflegeheimen und dem eigenen Zuhause helfen und den Pflegebedürftigen mehr Lebensqualität ermöglichen. Helfen sollen dabei auch ein bundesweites Pflegeinnovationszentrum und vier Praxiszentren; © panthermedia.net/alexraths

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka sagte anlässlich des Starts: "Egal ob Tassen, die die Flüssigkeitsaufnahme überwachen, oder Sensorsysteme, die erkennen, dass eine Person gestürzt ist und eigenständig Hilfe rufen – unterschiedlichste technische Innovationen werden den Menschen künftig unterstützen und im alltäglichen Leben entlasten. Mit dem Pflegecluster bringen wir Forschung und Praxis enger zusammen und sorgen dafür, dass hilfreiche digitale Assistenzsysteme im Alltag erprobt und weiterentwickelt werden. Wichtig ist mir, dass menschliches Miteinander und technologische Unterstützung gemeinsam erlebt werden können. Dafuer brauchen wir die neuen Pflegepraxiszentren in Deutschland. Das hilft auch, Mobilität zu Hause zu erhalten."

Als erster Baustein des Pflegeclusters nimmt seit Anfang Juni ein bisher in Deutschland einmaliges Pflegeinnovationszentrum seine Arbeit auf. Es konzentriert seine Aktivitäten auf die praxisnahe Erforschung neuer Technologien gemeinsam mit Pflegediensten, Heimen und Kliniken. Dabei steht das auf die Bedürfnisse von Patienten und Pflegenden ausgerichtete Zusammenspiel von Mensch und Technik im Vordergrund. Koordiniert wird dieses Innovationszentrum durch das Oldenburger Institut für Informatik OFFIS. Beteiligt sind zudem die Universität Oldenburg, die Universität Bremen sowie das Hanse Institut Oldenburg.

Komplettiert wird das Pflegecluster ab 2018 durch vier Pflegepraxiszentren, die in den Bundesländern Baden-Wuerttemberg, Bayern, Berlin und Niedersachsen angesiedelt sind. Dort werden innovative Pflegetechnologien in klinischen, stationären und ambulanten Pflegebereichen renommierter Einrichtungen eingesetzt und auf ihre Wirksamkeit im Pflegealltag untersucht. Die Praxiszentren werden dabei eng mit forschenden Industriepartnern sowie Einrichtungen der Gesundheits- und Pflegebranche zusammenarbeiten. Pflegeinnovationszentrum und Praxiszentren arbeiten im Cluster vernetzt zusammen und sind vom Leitbild geprägt, von Anfang an Innovationen partizipativ und interdisziplinär zu entwickeln.

Durch die demografische Entwicklung und den technischen Fortschritt können künftig digitale Innovationen mehr Menschen in Krankenhäusern, Pflegeheimen und dem eigenen Zuhause helfen und den Pflegebedürftigen mehr Lebensqualität ermöglichen. Mit Assistenzsystemen werden viele Menschen beispielsweise länger in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können. Dabei helfen auch neuartige Pflegetechnologien, bespielsweise intelligente Pflegebetten. Mit Sensoren können diese Systeme die Liegeposition schwer pflegebedürftiger Menschen erfassen und deren Lagerung nach Bedarf anpassen. Damit verbessern sie die Durchblutung, vermeiden Druckgeschwüre und helfen Pflegebedürftigen bei ihren Bewegungen. Gleichzeitig können die neuen Systeme die Pflegedokumentation übernehmen und so insbesondere Pflegekräfte und Physiotherapeuten entlasten. "Intelligente Technik kann so eingesetzt werden, dass wieder mehr Zeit für menschliche Zuwendung bleibt", sagte Wanka.

Sowohl das Pflegeinnovationszentrum als auch die Pflegepraxiszentren dienen zukünftig zusätzlich als Lernorte für die Aus-, Fort- und Weiterbildung von Gesundheits- und Krankenpflegekräften beziehungsweise Altenpflegerinnen und -pflegern. Das Pflegecluster wird Impulse für die Lehrpläne in der Pflegeausbildung geben und gezielt den richtigen Einsatz von Technik in der Pflege und deren gesellschaftliche Bedeutung aufzeigen.

REHACARE.de; Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung
Mehr über das Bundesministerium für Bildung und Forschung unter: www.bmbf.de