Selbstbestimmt leben im Quartier --

Selbstbestimmt leben im Quartier

15.11.2013
Foto: Senioren in der Stadt

Die Wohnumgebung beeinflusst im Alter den Alltag und trägt zum Gelingen oder Misslingen des Alterns bei; © panthermedia.net/kurhan

Alt werden und dabei gesund und selbstständig bleiben – wer wünscht sich das nicht? Nach Erkenntnissen der Alternsforschung gelingt dies Senioren am besten, wenn sie aktiv leben. Das Wohnumfeld, also Nachbarschaft, Gebäude, Straßen, Parks und Nahversorgungs-möglichkeiten, aber auch die klimatische Bedingungen sind dabei ein wichtiger Einflussfaktor.

Eine von der Fritz und Hildegard Berg-Stiftung mit rund 300.000 Euro geförderte Junior- Forschungsgruppe an der Universität Stuttgart und weiteren Partner- Institutionen soll dazu beitragen, Quartiere generationengerecht und gesundheitsförderlich zu gestalten.

Die Bevölkerung wird älter, die Verstädterung nimmt zu, ebenso die Isolierung des Einzelnen. Ein zweiter Aspekt ist der klimatische Wandel, der städtische Quartiere im Sommer heftig aufheizt. In diesem Spannungsfeld sind Stadt- und Raumplaner gefordert, die Stadt der Zukunft so zu gestalten, dass alle Generationen sich wohlfühlen und ältere Menschen so lange wie möglich selbstbestimmt im Quartier leben können.

„Städtische Quartiere, in denen Menschen sich gerne außer Haus bewegen, sind der tragende Baustein für ein selbstbestimmtes Leben im Alter“, so Wolfgang Schlicht vom Lehrstuhl für Sport- und Gesundheitswissenschaften der Universität Stuttgart, der die jungen Forscher gemeinsam mit den Professoren Clemens Becker (Stuttgart), Frank Oswald (Frankfurt am Main), Stefan Siedentop (Dortmund) und Antje Stokman (Universität Stuttgart) betreut.

Im Rahmen des Projekts arbeiten fünf junge Wissenschaftler der Gerontologie, der Geriatrie, der Gesundheitswissenschaften, der Landschaftsarchitektur und der Stadt- und Raumplanung ab Januar 2014 gemeinsam daran, die mobilitätsfördernde, generationengerechte Stadt zu beschreiben. Sie entwickeln zuverlässige Methoden und erklären die Person-Umwelt-Wechselwirkungen, die zur Mobilität führen oder sie behindern. Ihre Doktorarbeiten konzentrieren sich auf die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen Umwelt (klimatische, lärm- und lufthygienische, baulich-räumliche Aspekte), Bedürfnissen und Erwartungen älterer Menschen. Am Beispiel der Stadt Stuttgart wird beschrieben und erklärt, wodurch körperliche und soziale Mobilität älterer Menschen behindert wird, was sie fördert und wie sich das auf Autonomie, Gesundheit und Wohlbefinden der älteren Menschen auswirkt.

Ältere Menschen „transportieren“ biographische Erfahrungen aus vergangenen Lebenslagen und haben vielfältige Lebensstile. Häufig wohnen sie über Jahrzehnte im selben Quartier. „Dabei beeinflusst gerade im hohen Alter die Wohnumgebung den Alltag viel mehr als in jungen Jahren und trägt so zum Gelingen oder Misslingen des Alterns bei“, sagt Frank Oswald von der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Auch klimatische Einflüsse beeinflussen das Alltagsverhalten. Hohe Temperaturen bei einer gleichzeitig hohen Luftfeuchte zwingen ältere Menschen in den Sommerwochen zur Inaktivität. Einmal inaktiv, kann ihnen bald der Verlust von Lebensfunktionen drohen und die Fähigkeit sinken, den Alltag selbständig zu meistern. „Während des Sommers 2003 verstarben in Süddeutschland vorzeitig alte Menschen, die noch hätten leben können.

Hätten wir mehr Beschattung, Belüftung, Verdunstung und auch andere, in ihrer Wirkung noch unbekannte Maßnahmen der Quartiersgestaltung, dann könnten wir solche vorzeitigen Todesfälle verhindern“, sagt Clemens Becker, Chefarzt der Geriatrischen Rehabilitationsklinik am Robert-Bosch- Krankenhaus Stuttgart. „Das Projekt ist mit seiner interdisziplinären Zusammensetzung herausfordernd und es ist vielversprechend, um das Leben und Wohnen von älteren Menschen in ihrem städtischen Quartier zu erklären.

Der Zugang erweitert unsere städtebauliche, räumliche und landschaftsarchitektonische Expertise, mit der wir Leitlinien für eine lebensfreundliche Stadtgestaltung entwickeln können“, so Antje Stokman vom Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur und Ökologie der Universität Stuttgart und Stefan Siedentop, der Leiter des Instituts für Stadt- und Raumplanung an der Universität Dortmund.

REHACARE.de; Quelle: Universität Stuttgart

Mehr über die Universität Stuttgart unter: www.uni-stuttgart.de