Trauer-Power an der KatHo NRW

29.05.2017

Im Bereich der palliativen Versorgung sind Menschen mit Behinderungen bisher deutlich unterrepräsentiert. Es besteht bisher kaum empirisches Wissen über die tatsächliche Versorgung und Begleitung von Menschen mit Behinderungen am Lebensende. Das Projekt "PiCarDi - Palliative Versorgung und hospizliche Begleitung von Menschen mit geistiger und schwerer Behinderung" der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen möchte diese Forschungslücke zukünftig schließen. Der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel (MdB) überreichte kürzlich den offiziellen Zuwendungsbescheid des Bundesministeriums für Bildung und Forschung für das "PiCarDi"-Forschungsprojekt. 

Foto: Das PiCarDi-Team erhalt den Forschungszuwendungsbescheid; Copyright: KatHo NRW

Das Team von der KatHo NRW wird sich im Rahmen des "PiCarDi"-Projektes zukünftig mit der empirischen Forschung zum Thema: "Palliative Versorgung und hospizliche Begleitung von Menschen mit geistiger und schwerer Behinderung" beschäftigen; © KatHo NRW

Nach der Begrüßung durch den Rektor der Katholischen Hochschule, Prof. Dr. Hans Hobelsberger, der die inhaltliche Bedeutsamkeit des Projektes hervorhob sowie den Beitrag zur "Third Mission" der Hochschule lobte, folgte die Ansprache des Staatssekretärs. Dieser betonte, dass er nicht zu jedem Auftakt der geförderten Projekte kommen könne, dass er sich bei diesem jedoch thematisch in dem Anliegen des Projektes "zu Hause" fühle.

Er stellte fest, dass, während sich jeder Mensch für die letzte Lebensphase eine bestmögliche Qualität wünsche, Menschen mit geistiger und schwerer Behinderung nicht die gleichen Möglichkeiten haben, ihre Wünsche und Bedürfnisse dahingehend zu äußern. Deshalb seien spezifische Unterstützungsstrukturen unbedingt notwendig, und das Projekt PiCarDi gehe mit genau diesem Anliegen vor: Zum einen mit Hilfe einer notwendigen Bedarfserhebung, zum anderen sollen die Ergebnisse in die Praxis transferiert werden. Hierbei berücksichtige das Projekt sowohl die Akteure der Behindertenhilfe und Palliativversorgung als auch die Betroffenen. Dieser interdisziplinäre und multiprofessionelle Ansatz habe eine hohe Relevanz für die Palliativversorgung.

Das Leitungsteam des PiCarDi-Projektes nahm den Bescheid erfreut entgegen, woraufhin Prof. Dr. Sabine Schäper die Aktualität des Themas herausstellte, die an vielen Stellen, sowohl national als auch international, deutlich werde. So rücke die Thematik langsam ins Bewusstsein, und das Projekt komme zur richtigen Zeit.

Auch aus der Praxis wurde die Wichtigkeit der Forschung zu diesem Thema hervorgehoben. Martina Zabel, Wohnbereichsleitung der Lebenshilfe Bochum, stellte mit zwei Mitarbei-ter_innen und drei Vertreter_innen der Betroffenenperspektive die Arbeit der Wohnstätte dahingehend vor. Sie berichtete über Anfangsschwierigkeiten, in den 1990er-Jahren das Thema Sterben und Trauer zu platzieren, und wie es zu der heutigen Zusammenarbeit mit dem Palliativnetzwerk Bochum kam. Die Betroffenen ergänzten, welche Bedeutung die regelmäßigen Trauerworkshops in der Wohnstätte bei einem Verlust von Angehörigen oder Mitbewohner_innen für sie bekommen haben: "Ohne Trauer keine Power!"

Auch heute noch sei es abhängig von der Haltung des Eingliederungshilfeträgers, ob es Menschen mit Behinderung ermöglicht werde, in der gewohnten Einrichtung auch zu sterben. Ganz besonders zum Abbau solcher Barrieren seien die erwarteten Forschungsergebnisse des PiCarDi-Projektes bedeutsam, damit Einrichtungen sich in Verhandlungen auf etwas berufen können.

Im Bereich der palliativen Versorgung sind Menschen mit Behinderungen bisher deutlich unterrepräsentiert. Es besteht bisher kaum empirisches Wissen über die tatsächliche Versorgung und Begleitung von Menschen mit Behinderungen am Lebensende. Das Projekt PiCarDi möchte diese Forschungslücke schließen.

Die Forschungsarbeit ermöglicht den Anschluss an internationale Forschungsaktivitäten sowohl im Bereich der Palliativforschung als auch im Bereich der Forschung im Bereich Behinderung. Eine umfassende Bestandsaufnahme zu spezifischen Bedarfen sowie zu den bisherigen Strukturen, Erfahrungen und Herausforderungen in der Begleitung von Menschen mit Behinderungen am Lebensende ist ein wesentlicher Forschungsansatz in dem Projekt. Mit spezifischen Bedarfen ist insbesondere bei der Personengruppe der Menschen mit geistiger Behinderung und der Menschen mit komplexer Behinderung zu rechnen.

REHACARE.de; Quelle: Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen
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