Ultra-Niedrigbett verhindert Sturzverletzungen

02.06.2017

Sechs bis sieben Zentimeter über dem Boden – so tief lässt sich ein Ultra-Niedrigbett für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen herunterfahren, das die TH Köln und die TekVor Care GmbH in einem gemeinsamen Projekt zur Sturzprophylaxe entwickelt haben. Patientinnen und Patienten können sich so nicht mehr verletzten, wenn sie aus dem Bett fallen. Zugleich lässt sich das Bett vom Pflegepersonal in rund 20 Sekunden auf eine körperschonende Arbeitshöhe hochfahren. Das Projekt wurde durch das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie mit über 250.000 Euro gefördert.
Foto: Das Ultra-Niedrigbett; Copyright: Thilo Schmülgen/TH Köln

Das an der Technischen Hochschule Köln entwickelte Ultra-Niedrigbett lässt sich bis auf sechs Zentimeter über den Boden herunterfahren; © Thilo Schmülgen/TH Köln

"Unser Entwicklungsprojekt musste zwei große Herausforderungen bewältigen: Der Abstand zwischen Boden und Matratzenauflage durfte maximal sieben Zentimeter betragen – bei dieser Höhe ist das Verletzungsrisiko für die Patientinnen und Patienten deutlich reduziert. Und dieses Ziel mussten wir in Leichtbauweise erreichen, damit das Pflegepersonal das Bett gut bewegen kann", erläutert Prof. Dr. Jochen Blaurock vom Campus Gummersbach der TH Köln die Rahmenbedingungen. Das entwickelte Ultra-Niedrigbett kann nun auf 6sech beziehungsweise sieben Zentimeter herunter und auf 64 Zentimeter hoch gefahren werden und wiegt rund 80 Kilogramm.

Zielgruppe des Entwicklungsprojektes sind pflegebedürftige oder demente Menschen, die häufig einen großen Bewegungsdrang haben. Fallen diese Patientinnen und Patienten nachts aus dem Bett, ziehen sie sich nicht selten schwere Verletzungen zu. Bettgitter, Gurte oder andere freiheitsentziehende Maßnahmen zum Schutz der Patientinnen und Patienten sind ethisch bedenklich und erfordern das Einverständnis des Patienten oder einen richterlichen Beschluss.

Die TekVor Care GmbH brachte in das Gemeinschaftsprojekt ihre Expertise im Bereich der Betten- und Medizintechnik ein und testete den Prototypen: Mehr als 10.000 Testzyklen bei maximaler Belastung führte das Unternehmen durch und simulierte so die Gesamtlebensdauer des Bettes. Prof. Blaurock und sein Team vom Institut für allgemeinen Maschinenbau der TH Köln entwickelten die Rahmenkonstruktion des Bettes sowie die mechanischen Elemente und integrierten ein ultraflaches Antriebssystem. Zudem stellte das TH-Team sicher, dass das Bett alle Anforderungen der entsprechenden TÜV-Normen erfüllt. "Mit unserer Neuentwicklung bieten wir derzeit eines der niedrigsten Betten weltweit an", sagt TekVor Care-Geschäftsführer Jakob Löwen. Krankenhäuser, Pflegestationen und Kunden aus dem Home Care-Bereich hätten bereits großes Interesse gezeigt.

REHACARE.de; Quelle: Technische Hochschule Köln
Mehr über die Technische Hochschule unter: www.th-koeln.de