Umblättern ganz ohne Hände - Schüler erhalten Sonderpreis für LEGO-Arm

29.05.2017

Drei Schülerinnen und Schüler der Grundschule "Am Steigerwald" in Erfurt haben einen motorbetriebenen LEGO-Arm entwickelt, der körperbehinderten Menschen beim Umblättern von Buchseiten hilft. Dafür erhalten Franz Teuber (9), Magdalena Volland (10) und Franz Aaron Stückrad (10) den Sonderpreis "Innovationen für Menschen mit Behinderungen" der Christoffel-Blindenmission (CBM). Der Preis wird im Rahmen des Landeswettbewerbs Thüringen der Stiftung "Jugend forscht" in der Kategorie "Schüler experimentieren" vergeben.

Foto: Die drei Preisträger mit ihrem LEGO-Arm; Copyright: CBM/Nicole Teuber

Franz Teuber, Magdalena Volland und Franz Aaron Stückrad (v.l.) haben einen motorbetriebenen LEGO-Arm entwickelt, der beim Umblättern von Buchseiten hilft; © CBM/Nicole Teuber

Etwas Technisches und Hilfreiches für Menschen mit einer körperlichen Behinderung zu entwickeln, das war das Ziel der Tüftelei von Franz, Magdalena und Franz Aaron. Weil ihnen Lesen sehr wichtig ist, wollten sie Menschen helfen, die selbst kein Buch und keine Zeitung umblättern können.

Aus LEGO Technik-Elementen bauten die drei einen Armersatz, der nach allen Richtungen beweglich ist. Das war nicht leicht: Mal war die Konstruktion zu schwer und kippte nach vorne, mal war der Greifarm zu instabil. Und dann musste er ja auch noch die Buchseiten irgendwie zu fassen kriegen. Das Ansaugen mit einer Spritze stellte sich schnell als zu kompliziert heraus.

Aber die Schüler gaben nicht auf, tüftelten einmal pro Woche in der Schule und werkelten zusätzlich auch noch Zuhause weiter. Letztendlich befestigten sie einen Fingerhut mit Gumminoppen an dem Greifarm und installierten außerdem einen Sensor. Dieser Sensor ist ein kleiner Wippschalter, der schon bei leichter Berührung über ein Computerprogramm den Noppenarm aktiviert. Der Noppen-Fingerhut schiebt die Buchseite dann sanft zur Seite, wobei sie sich zur Buchmitte hin aufwölbt. Ein zweiter Arm transportiert diese Wölbung dann weiter, bis sich die Seite umblättert. So können Körperbehinderte bequem ihr Buch lesen und auch Musiker Notenblätter wenden, ohne die Hände vom Instrument zu nehmen. Für diese Entwicklung bekommen Franz Teuber, Magdalena Volland und Franz Aaron Stückrad den CBM-Sonderpreis.

Der CBM-Sonderpreis zeichnet jedes Jahr kreative Studien und Erfindungen aus. Prämiert werden Arbeiten, die behinderten Menschen den Alltag erleichtern oder sich mit dem Zusammenhang von Krankheit und Behinderung befassen. Gewinnen können außerdem Ideen, die einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit hier und in Entwicklungsländern leisten. Denn weltweit gibt es rund eine Milliarde Menschen mit Behinderungen, 80 Prozent von ihnen leben in den ärmsten Regionen der Welt. Alle ausgezeichneten Landessieger haben die Chance, den von der CBM ausgeschriebenen Bundessonderpreis zu erhalten. Dieser wird im Juli vergeben und ist mit 300 Euro dotiert.

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den größten und ältesten Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland. Sie fördert seit über 100 Jahren Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern. Die Aufgabe der CBM ist es, das Leben von Menschen mit Behinderungen zu verbessern, Behinderungen zu vermeiden und gesellschaftliche Barrieren abzubauen. Die CBM unterstützt zurzeit 650 Projekte in 63 Ländern.


REHACARE.de; Quelle: Christoffel Blindenmission
Mehr über die Christoffel Blindenmission unter: www.cbm.de