Die Pilot*innen haben die Wettkämpfe aufgrund der COVID-19-Pandemie im eigens konzipierten "Lockdown-Modus" in ihrem jeweiligen Heimatland bestritten. Sie hatten in einem Zeitfenster von drei Stunden drei Versuche zur Verfügung, um ihren Parcours zu absolvieren, gezählt wurde der beste Versuch. Bis die Rennen am Wochenende per Livestream ausgestrahlt wurden, blieben die Ergebnisse und die Gewinner*innen geheim – auch für die Teams selbst.
Mensch und Maschine traten beim CYBATHLON in sechs Disziplinen an: Entweder bei einem virtuellen Rennen mit Gedankensteuerung, einem Fahrradrennen mit elektrischer Muskelstimulation, einem Parcours mit Armprothesen, Beinprothesen, robotischen Exoskeletten oder motorisierten Rollstühlen. Zwischen fünf und dreizehn Teams kämpften jeweils in einer Disziplin um den Sieg. Die Schweiz schickte insgesamt zehn Teams ins Rennen, fünf davon stehen in Verbindung mit der ETH Zürich. Teams aus demselben Land traten jeweils zeitversetzt in Hubs an. In der Schweiz wurden zwei Hubs genutzt: einer in Zürich an der ETH auf dem Campus Hönggerberg und einer an der EPFL. Vor Ort waren offizielle CYBATHLON-Schiedsrichter*innen für die Einhaltung der Regeln und die Wertung der Versuche zuständig. Rolf Schoch, einer der Exoskelett-Piloten im Team VariLeg enhanced 2, konnte eine persönliche Bestleistung aufstellen. Er zeigt sich zufrieden: "Diese Art der Durchführung war angesichts der Situation optimal. Obwohl ich die Stimmung mit einem Live-Publikum etwas vermisste, war ich so tendenziell konzentrierter."
Auch Joël Mesot, Präsident der ETH Zürich, hat die Wettkämpfe verfolgt: "Universitäten haben eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Technologie soll Menschen dienen und nicht umgekehrt. Der CYBATHLON ist ein besonders eindrückliches Beispiel, das Menschen und Technik verbindet." Die Zuschauer*innen durften beim CYBATHLON viele emotionale Siegesmomente erleben. Für Roland Sigrist, Leiter des CYBATHLON, ist etwas besonders wichtig: "Die Teams kämpfen beim CYBATHLON nicht nur für den Sieg, sondern auch für Fortschritte bei den Assistenztechnologien für Menschen mit Behinderung." Der CYBATHLON wurde von der ETH Zürich initiiert, um den Menschen bereits bei der Entwicklung solcher Assistenztechnologien in den Mittelpunkt zu stellen. Er bringt Menschen mit Behinderung, Technologieentwickler und die Öffentlichkeit zusammen. So generiert er nicht nur Aufmerksamkeit, sondern fördert auch global Synergien, um den Stand der Technologie voranzubringen und die Inklusion zu stärken.
Rund 70 Personen waren an der Planung und Umsetzung des CYBATHLON beteiligt. Die ungewisse Pandemiesituation war dabei herausfordernd, die Organisation musste flexibel bleiben. "Wir sind stolz, dass wir innerhalb kurzer Frist einen geeigneten Modus gefunden haben, um den CYBATHLON für alle Beteiligten sicher durchzuführen und ihnen zu ermöglichen, ihr Können zu zeigen. Für ihren grossen Einsatz und ihre Flexibilität möchte ich den Verantwortlichen in allen teilnehmenden Ländern meinen Dank aussprechen", meint Roland Sigrist, und blickt in die Zukunft: "Die ETH Zürich hat sich entschieden, den nächsten CYBATHLON wieder in der Schweiz durchzuführen. Das Organisationskomitee wird die Erfahrungen der CYBATHLON 2020 Global Edition analysieren und die Innovationen und Ideen dieses Formates auch in den kommenden Jahren, insbesondere im Hinblick auf 2024, berücksichtigen." Der CYBATHLON 2024 werde schliesslich der Zeit und den neuen Umständen gerecht werden, sagt Sigrist.
Die Gewinner im Überblick:
- Krunoslav Mihic vom Team Maker Hand (Kroatien) im Geschicklichkeitsparcours mit Armprothesen (ARM)
- Sander Koomen vom Team PULSE Racing (Niederlande) beim Fahrradrennen mit elektrischer Muskelstimulation (FES)
- Florian Hauser vom Team HSR enhanced (Schweiz) beim Parcours mit motorisierten Rollstühlen (WHEEL)
- Kim Byeong-Uk vom Team Angel Robotics 1 (Südkorea) beim Parcours mit robotischen Exoskelet-ten (EXO)
- Francesco Bettella vom Team WHi (Italien) beim Virtuellen Rennen mit Gedankensteuerung (BCI)
- Andre Frei vom Team Circleg (Schweiz) beim Hindernisparcours mit Beinprothesen (LEG)
REHACARE.de; Quelle: ETH Zürich