In einer alternden Gesellschaft wird die Versorgung von Querschnitt-Patient*innen noch allgegenwärtiger. Diesen Wandel gilt es in eine holistische Versorgung zu übertragen.
Ottobock hat deshalb den interdisziplinären Ansatz "Mobil nach Querschnitt" initiiert. Dazu veranstaltete das HealthTech-Unternehmen am 16. und 17.09.2021 ein Symposium mit Orthopädietechniker*innen, Ärzt*innen sowie Physio-, Ergo- und Sporttherapeut*innen. Gemeinsames Ziel ist eine Zeitenwende im Genesungsprozess.
Carlos González Blum (PT-Schule Emmendingen / Neurorehabilitation Hochschule Furtwangen) sagte, für einen Paradigmenwechsel des Trainings sollen Eigenaktivität gefördert und das volle Potenzial der Patient*innen ausgeschöpft werden. Den Einsatz von Hilfsmitteln wie Sprunggelenksorthesen, C-Brace sowie manuellen und elektrischen Rollstühlen begrüße er. Prof. Dr. Roland Thietje (Chefarzt Querschnittgelähmten-Zentrum BG Klinikum Hamburg) sagte: "Durch vielfältigere Erkrankungsmuster und ältere Patient*innen mit diversen Erkrankungsbildern sei der Kontext einer Querschnittlähmung komplexer als etwa in den 60er Jahren." Von zentraler Bedeutung wäre eine interdisziplinäre Therapie für Querschnittgelähmte. Philipp Hoefer, Geschäftsführer Vertrieb & Marketing DACH bei Ottobock: "Ein für die Patient*innen individuell koordinierter und interprofessioneller Versorgungsansatz ist die Voraussetzung für eine optimale Rehabilitation. Wir als Industrie können dabei gemeinsam mit dem orthopädietechnischen Betrieb oder Sanitätsfachhandel mit Hilfsmitteln unterstützen."
Zum "Mobil nach Querschnitt"-Ansatz zählen:
1. Vorausschauende Hilfsmittelplanung durch Zusammenarbeit des interprofessionellen Rehabilitationsteams mit Patient*innen
2. Regelmäßiges Stehen und Training – so kann die individuelle Rehabilitation bei inkompletten Querschnitten verbessert werden, was Folgekosten für das Gesundheitssystem senken kann
3. Aufnahme der Kompetenz-Hilfsmittelberatenden in verschiedene Ausbildungszweige
4. Frühzeitige Kostenübernahme für anpassbare Orthesen im frühen Rehabilitationsprozess
Am Ende des Symposiums waren sich alle einig: Es muss auf allen Ebenen Bewegung in die Querschnitttherapie kommen – in der frühzeitigen Hilfsmittelversorgung, in der fachübergreifenden Zusammenarbeit und in der stärkeren Einbeziehung der Patient*innen. Nur so kann das Maximum an Mobilität und Lebensqualität erreicht werden.
REHACARE.de; Quelle: Ottobock SE and Co. KGaA