"Oftmals kommen Fahrschulen mit Schüler*innen mit Behinderung an ihre Grenzen. Hier möchten wir informieren und alternative Ausbildungsansätze und Lösungen aufzeigen", sagt der Leiter der PARAVAN-Fahrschule in Pfronstetten Aichelau Ralf Buhmann. Zudem kann die Ausbildung von Menschen mit Behinderung ein attraktives zweites Standbein für die etablierte Fahrschule vor Ort sein.
Die PARAVAN-Fahrlehrer*innen präsentierten Lösungen aus der Behindertenmobilität und bieten zudem Fahrproben, im mit dem digitalen Fahr- und Lenksystem Space Drive ausgerüsteten Fahrschulfahrzeug, auf dem Außengelände. Damit können auch Menschen mit größeren körperlichen Einschränkungen, wie einer Tetraplegie, oder mit sehr geringen Restkräften in den Gliedmaßen ein Fahrzeug führen, beispielsweise mit Joystick oder Gas-/Bremsschieber. Zudem präsentierte die PARAVAN GmbH einen umgerüsteten Peugeot Rifter.
Plötzlich querschnittsgelähmt, Schlaganfall oder eine neuromuskuläre Krankheit mit fortschreitendem Beschwerdebild – für viele Menschen bedeutet das eine deutliche Einschränkung der individuellen Mobilität. Man kann sich nicht mehr einfach ins Auto setzen und irgendwo hinfahren. Doch das muss nicht sein. Es gibt viele Möglichkeiten ein Auto auf das entsprechende Beschwerdebild anzupassen und individuell umzubauen. Nach einem verkehrsmedizinischen Gutachten, in dem die kognitiven Anforderungen für das zukünftige Führen eines Fahrzeuges abgeprüft werden, können viele Menschen mit Behinderung auch weiterhin ein Auto fahren. Mit einem entsprechend angepassten Fahrschulahrzeug können die entsprechenden Prüfungen beziehungsweise Abnahmen abgelegt werden – der Einstieg in eine neue Mobilität, die weiterhin die Teilhabe am Arbeitsleben und am sozialen Leben ermöglicht.
Bereits seit über 15 Jahren bietet die PARAVAN GmbH mit ihren Fahrschulen an den Standorten Pfronstetten-Aichelau und Heidelberg eine Fachschulausbildung für Menschen mit Behinderung an. Dass muss nicht immer gleich die komplette Ausbildung sein, oftmals genügt auch eine Nachschulung nach einer Erkrankung oder einem Unfall. "Wir laden dann die Kund*innen zu uns an den Standort ein und diskutieren Lösungen, gemeinsam mit dem technischen Vertrieb und dem TÜV", sagt Buhmann. Zumeist ist bereits zu diesem Zeitpunkt ein*e Kolleg*in vom technischen Vertrieb involviert, der*die bei der Umsetzung der Fahrlösung berät und Wege zur Finanzierung beziehungsweise Genehmigung des Umbaus bei den Kostenträgern aufzeigen kann. Die theoretische Fahrschulausbildung absolvieren die Kund*innen zumeist zuhause und kommen dann nur zur praktischen Ausbildung in die PARAVAN-Fahrschule. Auch eine Ausbildung im Rahmen des begleiteten Fahrens ab 16 oder der Anhängerführerschein kann hier erlangt werden.
Die PARAVAN-Fahrschulflotte ist mit verschiedenen Fahrzeugen ganz individuell aufgestellt. Die Fahrzeuge werden, je nach Beschwerdebild ausgewählt und entsprechend angepasst. Dabei können die PARAVAN-Fahrlehrenden auf ein umfangreiches Portfolio an individuellen Fahr- und Lenkhilfen zurückgreifen – für jedes Krankheitsbild: angefangen vom Multifunktionsdrehknauf, Gasring, Handgeräten für Gas und Bremse, Linksgas, Pedalabdeckungen und -erhöhungen bis hin zum digitalen Fahr- & Lenksystem Space Drive, welches wiederum mit ganz verschiedenen Eingabegeräten an ganz unterschiedlichen Stellen – je nach Bedarf – im Auto platziert werden kann.
Fahrlehrer zu sein in diesem Bereich ist etwas ganz Besonderes: "Klar ist es manchmal eine Herausforderung, besonders wenn es um die technische Lösung geht, oder später um die ungewohnte Anstrengung während der Ausbildung", berichtet Fahrlehrer Horst Hilsenbeck. "Ist die perfekte Anpassung einmal gefunden, macht es einfach Spaß und motiviert mit den Kund*innen gemeinsam diesen Weg zu gehen beziehungsweise zu fahren. Es ist manchmal eine Herausforderung, doch die Menschen haben den unbedingten Willen ihre mobile Freiheit zurückzuerlangen." Eine bestandene Prüfung sei immer ein ganz besonderer Augenblick, denn die erste Hürde ist damit genommen.
REHACARE.de; Quelle: PARAVAN GmbH