REHACARE.de hat mit Ursula Kremer-Preiß über altengerechte Quartiersentwicklung gesprochen.
Frau Kremer-Preiß, der Schwerpunkt des diesjährigen REHACARE-Kongresses "Wir fürs Quartier" liegt auf einer altengerechten Quartiersentwicklung, durch welche die Herausforderungen des demographischen Wandels begegnet werden können. Wie sehen altersgerechte Quartiere aus? Oder anders gefragt: Was unterscheidet "normale" Quartiere von altersgerechten Quartieren?
Ursula Kremer-Preiß: Altersgerechte Quartiere gehen besonders auf die Bedürfnisse von Älteren ein. Man versucht die Wohnung und das Wohnumfeld so zu gestalten, dass Ältere, auch wenn sie in der Mobilität eingeschränkt, pflegebedürftig oder demenziell erkrankt sind, trotzdem noch in ihrem vertrauten Wohnumfeld bleiben können. Es gibt zum Beispiel barrierefreie Wohnungen, Beratungsangebote vor Ort, Begegnungsmöglichkeiten, die man vor Ort erreichen kann, oder auch viele Hilfen, die mobil ins Quartier hineingebracht oder kleinteilig vor Ort angeboten werden.
Vor welche Herausforderungen werden Land und Kommunen bei der Umsetzung eines altersgerechten Quartierkonzepts gestellt?
Kremer-Preiß: Um diese ganzen einzelnen Bausteine wirklich so im Quartier zu implementieren, dass es nachher auch ein altersgerechtes Quartier ist, braucht man sehr viele Akteure. Die Wohnungswirtschaft, die sozialen Dienstleister und die Kommune müssen sensibilisiert werden und miteinander zusammenarbeiten. Das ist eine der größten Herausforderungen: die Kooperationen im Quartier zwischen den doch sehr unterschiedlichen Akteuren.
Ein anderer Aspekt ist, dass es immer auch um die Bürger vor Ort, um die Älteren selber geht. Wichtig ist, dass sie in diesem ganzen Prozess auch eingebunden sind. Das heißt, schon am Anfang sollen sie ihre Wünsche einbringen können. Und auch nachher bei der Umsetzung müssen sie dabei unterstützt werden, sich zu beteiligen. Das heißt, die Aktivierung der Bürgerbeteiligung ist die zweite große Herausforderung.
Warum ist Quartiersentwicklung so ein wichtiges Thema im Bereich altengerechtes Wohnen?
Kremer-Preiß: Der Quartiersansatz ist ein Ansatz, mit dem man einige Herausforderungen, die sich in Zukunft stellen werden, vielleicht lösen kann. Wir stehen vor der Herausforderung, dass es immer mehr unterstützungsbedürftige, ältere Menschen gibt. Auf der anderen Seite gibt es immer weniger Jüngere, die zur Versorgung der wachsenden Zahl der Älteren zur Verfügung stehen. Wir müssen möglichst viele andere Akteure gewinnen, sich in diesen Prozess einzubringen. Vor allem auch die ältere Generation selbst, sie haben eigenen Vorstellungen und enorme Potentiale, die wir nutzen müssen. Das gelingt am ehesten in sozialen Lebensräumen, wo man über viele Jahre zusammengelebt hat und wo schon Beziehungen gewachsen sind. Da wird es eher gelingen, Eigenaktivitäten und gegenseitige Hilfe zu motivieren, weil man damit auch den eigenen Lebensraumgestaltet. Man hofft, dass Kooperation, Vernetzung und Aktivierung am ehesten in den Lebensräumen, mit denen sich die Menschen identifizieren, erreicht werden können.