Wann ist eine Prothese oder Orthese Ihrer Meinung nach optimal?
Opitz: Insgesamt spielen drei Faktoren eine Rolle. Zum einen muss die Form perfekt passen. Die Orthopädietechniker können auf unserer Homepage ganz leicht ihre Maße eingeben oder Scans und Bilder hochladen. Aus diesen Daten können wir automatisch die Form des Patienten extrahieren und in einem 3D-Modell darstellen.
Der Experte kann nun in einer digitalen Werkstatt in wenigen Minuten das Modell sowie anschließend die Versorgung in dieser "digitalen Werkstatt” anpassen. Zum anderen muss die Funktion stimmen. Hierfür brauchen wir weiterhin den Experten, denn es kommt auf die Mobilitätsklasse des Anwenders, seine Ansprüche - z.B. braucht er eine wasserfeste Prothese oder Orthese oder nur eine Nachtversorgung – an. Zuletzt kommt die Ästhetik. Diese steigert die Akzeptanz des Anwenders, da er in den Entstehungsprozess einbezogen wird. Er kann sich die Farbe aussuchen. Wer möchte, kann auch ein Foto oder ein Bild seines Lieblingstiers einprägen lassen. Es soll weggehen von "ich verstecke es" hin zu "ich zeige offen was ich habe." Das ist auch wichtig für die psychische Komponente.
Glauben Sie, dass der 3D-Druck die bisherige Herstellungsweise auf Dauer ablösen könnte?
Opitz: Ich denke, dass der 3D-Druck auf jeden Fall in der Orthopädie- und Medizintechnik ein sehr zentraler Fertigungsweg werden wird, weil jeder Patient anders ist. Da bietet sich dieser Weg einfach an. Er ermöglicht einem Experten in Deutschland außerdem Patienten in anderen Ländern zu versorgen, da die Modelle am Computer konfiguriert werden. Ich glaube allerdings nicht, dass der 3D-Druck das einzige Mittel zur Prothesen- bzw. Orthesenproduktion werden wird. Es wird immer Situationen geben, in denen sich andere, älter bekannte Methoden besser eignen werden. Auch der Orthopädiemechaniker wird weiter gebraucht. Er rutscht vielleicht in eine beratende Rolle und steht etwas seltener in der Werkstatt, aber ein Computer kann ihn als Fachmann nicht ersetzen. Eher bekommt er neue Mittel und Wege aufgezeigt, um seine Patienten individueller versorgen können.
Sie halten zwei Vorträge auf der Messe.
Opitz: Bei dem rehaKIND-Vortrag wird es speziell um Kinderversorgung und die Herausforderungen sowie Chancen gehen, die durch 3D-Druck und digitales Maßschneidern geboten werden. Wir werden viele Beispiele im Bereich der Prothetik zeigen, aber auch darüber sprechen, was in der Orthetik möglich ist. Außerdem gehen wir auf Kostenfaktoren und Erstattungsmöglichkeiten ein. Den REHACARE-Vortrag halten wir allgemeiner. Hier geht es um den gesamten digitalen Prozess und welche Vorteile sich für den Anwender, aber auch den Orthopädietechniker bieten. Hier sollen sich alle Altersgruppen angesprochen fühlen.