"Es ist wichtig, dass Menschen nicht gleich, sondern gleichwertig behandelt werden. Gerade in Pflegeeinrichtungen muss auf die speziellen Bedürfnisse von Menschen mit Migrationshintergrund eingegangen werden", sagte die Vorsitzende des Deutsch-Japanischen Vereins für kultursensible Pflege "DeJak-Tomonokai" Yoshiko Watanabe-Rögner in einem Interview mit REHACARE.de letztes Jahr. "Eine Gleichbehandlung würde die Unterschiede ausblenden. Dazu gehört auch das Verstehen der Sprache des Bewohners. Diese Kompetenzen müssen in der Aus- und Fortbildung vermittelt werden."
Mögliche Sprachbarrieren sind ein zentraler Punkt in der interkulturellen Pflege. Das Personal möglichst vielfältig zu planen und somit auch verschiedene Sprach- und Kulturkenntnisse im Team zu vereinen, ist daher der wirksamste Weg zur interkulturellen Öffnung. Watanabe-Rögner betonte im Interview beispielsweise, dass vor allem in der Pflege von Demenzkranken noch qualifizierte Japanisch sprechende Fachkräfte benötigt würden: "Im zunehmenden Krankheitsverlauf verlernen die Menschen die Fähigkeit zum Sprechen ihrer Zweitsprache Deutsch. Obwohl Japaner sehr gut in der deutschen Kultur integriert sind — ihnen das auch wichtig ist — haben sie im Alter eine große Sehnsucht nach ihrer eigenen Kultur. Das spiegelt sich schon beim Essen wieder. Wir haben bei japanischen Heimbewohnern mitbekommen, dass der Wunsch nach einem kultursensiblen Alltag sehr groß ist. Doch für die Umsetzung müssen Pflegekräfte weiter sensibilisiert und insbesondere mehr ehrenamtliche Helfer geschult werden."
Dies möchte unter anderem auch das Kompetenz Zentrum Interkulturelle Öffnung der Altenhilfe (kom•zen) erreichen. Sie wollen eine Altenhilfestruktur, die der bestehenden Migrationsgesellschaft angemessen ist. kom•zen versteht sich in diesem Sinne als Informations-, Austausch- und Vernetzungsplattform. Um diese angestrebte Vielfalt besonders gut gewährleisten zu können, ist auch das Team von kom•zen durch verschiedene Kulturen geprägt.
Auch Deta-Med, ein bereits 1999 gegründeter kultursensibler Pflegedienst in Berlin hat sich die kulturspezifische Pflege zum Hauptanliegen gemacht. Pflegende Familienmitglieder sollen bei der täglichen Versorgung unterstützt und entlastet werden. Außerdem besteht vor allem für Frauen die Möglichkeit, bei Bedarf eine komplette Ausbildung zu machen – etwa zur examinierten Altenpflegerin oder auch zur Pflegedienstleitung.
Doch nicht nur Pflegedienste sollten sich den interkulturellen Ansatz zur Grundlage ihrer Arbeit machen. Auch Krankenhäuser müssen sich dieser Anforderung zunehmend stellen. Deshalb gibt es tatsächlich bereits einige kultursensible Kliniken in Deutschland, die sich beispielsweise in erster Linie darum gekümmert haben, bestehende Sprachbarrieren zwischen Patienten und Personal zu verringern oder zu beseitigen. Hilfreich hierfür ist auch der Praxisratgeber der Beauftragten der Bundesregierung für Migration und Integration (PDF), der zahlreiche Ansätze zur interkulturellen Öffnung von Krankenhäusern zur Verfügung stellt. Sicher muss jede Einrichtung dann individuell entscheiden, was umsetzbar und notwendig ist. In Großstädten und Ballungsgebieten etwa wird der Fokus auf die interkulturelle Öffnung deutlich relevanter sein als beispielsweise im ländlichen Raum.
Ob Krankenhäuser oder Pflegeeinrichtungen – immer häufiger wird bereits mit sprachkompetentem Personal gearbeitet. Es werden für verschiedene Kulturen religiöse Veranstaltungen angeboten oder einfach schon im Alltag auf eine gewisse Kultursensibilität geachtet, zum Beispiel beim Essen. Und bei zunehmend mehr Neubauten von Pflegeheimen oder Krankenhäusern werden kultursensible Maßnahmen bereits vorgeschrieben, beispielsweise in Form eines Gebetsraumes.