Im Interview mit REHACARE.de gibt Tourismusberaterin Julia Marmulla Einblick in ihre Arbeit und schildert ihre Beobachtungen in der Branche.
Frau Marmulla, welche Erfahrungen haben Sie im Themengebiet "barrierefreies Reisen" bisher gemacht?
Julia Marmulla: Bereits in meinem Studium der Politikwissenschaft habe ich mich den Themenfeldern der Inklusion, der UN-Behindertenrechtskonvention, deren Ratifizierung zu dem Zeitpunkt brandaktuell war, und der Barrierefreiheit in Entwicklungsländern gewidmet. In meinem beruflichen Werdegang im Tourismus habe ich viele verschiedene Stationen absolviert und immer wieder Berührungspunkte zum Themenfeld des barrierefreien Reisens gehabt.
Meine Erfahrung ist, dass fast jeder, der im Tourismus arbeitet, mit Fragen zur Barrierefreiheit und Teilhabe konfrontiert wird.
Bevor ich mich selbstständig gemacht habe, habe ich die Geschäftsstelle des Vereins "Tourismus für Alle Deutschland e.V." (NatKo) geleitet. Der Verein wurde von verschiedenen Behindertenverbänden getragen, mittlerweile hat er sich jedoch aufgelöst. Die NatKo verfolgte das Ziel – im Dialog mit der Tourismuswirtschaft und -politik – die Barrierefreiheit im allgemeinen Tourismus zu stärken. Ein Hauptaugenmerk war dabei das Zertifizierungssystem "Reisen für Alle", an dessen Entwicklung die NatKo maßgeblich beteiligt war.
Seitdem ich selbstständig bin, berate ich Touristiker (Destinationen, Hotels, Museen, Veranstalter) und gebe ein Reisemagazin mit dem Namen .Meine Reisewelt. einzigartig – komfortabel – barrierefrei heraus.
Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Beratung und dem Reisemagazin?
Marmulla: In der Beratung richtet sich die Zielsetzung nach den Aufgabenstellungen der Auftraggeber (beispielsweise Hotels oder Destinations-Management-Organisationen). Die Aufgaben sind ganz unterschiedlich. Unter anderem geht es darum, Potenziale von Reisezielen im Bereich des barrierefreien Tourismus zu erkennen und Empfehlungen zu formulieren, wie diese Potenziale genutzt werden können. So entsteht mehr Barrierefreiheit vor Ort – davon profitieren Reisende, aber auch touristische Unternehmen.
Mit dem Reisemagazin verfolge ich das ganz klare Ziel, vor allem Rollstuhlfahrer*innen, sehbehinderten und blinden Menschen eine Kombination aus Reise-Inspirationen und nützlichen Hinweisen zur Barrierefreiheit vor Ort zu bieten. Die meisten Artikel informieren über zweierlei Aspekte: Zum einen wird – ähnlich wie in jedem anderen Reisemagazin – das Reiseziel geschildert und zum anderen wird der Status der Barrierefreiheit beschrieben und weiterführende Informationen verlinkt. Für manche Menschen, die vielleicht erst vor kurzer Zeit mit einer Behinderung leben, soll das Magazin auch als Mutmacher dienen, indem es zeigt, was und wie – in der vielleicht noch ungewohnten Lebenslage – erlebt werden kann.