Neben bereits zugelassenen Verfahren nutzen die Fraunhofer-Wissenschaftler auch noch nicht am Markt verfügbare, eigene Technologien . Zusammen mit einem Hersteller von WC-Sitzen wurden etwa Sensoren auf einem Toilettensitz angebracht – „damit kann ganz einfach ein Elektrokardiogramm (EKG) gemacht werden, indem sich die Bewohner mit ihren Oberschenkeln selbst auf die Elektroden setzen“, erklärt der Experte. Und dann gibt es die Matratze, die das Wundliegen verhindern: Sie besteht aus einzelnen Schaumstoffwürfeln, die so verändert und angepasst werden können, dass der Körper nicht an allen Stellen aufliegt.
Roboter dürfen natürlich dennoch nicht fehlen – es gibt den einfachen, der die Flure der Senioreneinrichtung putzt. Aber für einige Wochen wird auch ein fortschrittliches Modell ausprobiert, das sich Gesichter merken und Gespräche weiterführen kann. „Geplant ist außerdem der Einsatz einer Robotornachtwache, die mithilfe ihrer Radars ensoren Notfälle erkennen und Hilfe verständigen kann“, sagt Thomas Wittenberg. Jetzt schon im Einsatz für die schönen Stunden, in denen die Bewohner zumindest in ihren Gedanken verreisen können: VR-Brillen, die beim Aufsetzen die Landschaft am Tegernsee oder wahlweise das Leben im Berlin der 1930er Jahre vorspiegeln.
Um all diese Technologien parallel laufen zu lassen, musste im gesamten Haus Curanum drahtloses Internet eingerichtet werden. Eine weitere Herausforderung: Auch diejenigen auf die Reise in die Pflege der Zukunft mitzunehmen, die technologischen Entwicklungen eher skeptisch gegenüberstehen. Erste Umfragen bei den Mitarbeitenden zeigen jedoch: Das scheint zu gelingen, allgemein ist das Personal „ziemlich zufrieden“. Und das Ziel lautet: mehr Zeit für empathische Begegnungen mit den Bewohnern des Hauses, während die Maschinen effizient ihre Arbeit im Hintergrund erledigen. Am Jahresende wird ausgewertet, wie gut dies erreicht wurde. Wenn es gelingt, stellt sich die große Frage: Wie können die Technologien, die getestet und für gut befunden wurden, zu den Menschen kommen – sprich, von den Pflegeeinrichtungen oder für sie finanziert werden? Thomas Wittenberg und sein Team sind gespannt auf künftige Lösungen.
Weitere Informationen über die Pflegeeinrichtung der Zukunft gibt es beim Fraunhofer IIS:
https://www.iis.fraunhofer.de/de/ff/sse/health/digitale-pflege/pflege2030.html