Zwischen Selbstständigkeit und Systemhürden
Für den Report wurden mehr als 1.500 Menschen befragt, die regelmäßig Hilfsmittel nutzen und in den vergangenen fünf Jahren Kontakt mit der Beantragung, Genehmigung, Anpassung oder Reparatur eines Hilfsmittels hatten. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Hilfsmittel wirken unmittelbar. 95 Prozent der Befragten berichten von einem positiven Einfluss auf ihr tägliches Leben, 86 Prozent erleben durch Hilfsmittel mehr Selbstständigkeit. Damit sind Hilfsmittel nicht nur medizinische Produkte oder Kostenpositionen im System. Sie sind Voraussetzung für Teilhabe, Mobilität, Kommunikation, Erwerbsfähigkeit und ein möglichst selbstbestimmtes Leben.
Besonders deutlich wird die Belastung auf dem Weg zum passenden Hilfsmittel: Zwei Drittel der Befragten fühlen sich durch bürokratische Prozesse belastet. 76 Prozent sind überzeugt, dass gute Versorgung nur bekommt, wer hartnäckig bleibt und sich im System auskennt. Entsprechend verhalten fällt die Gesamtbewertung aus: Zwar sind 68 Prozent der Befragten mit ihrer Hilfsmittelversorgung insgesamt zufrieden, rund ein Drittel ist es jedoch nicht. Auch das Bild des Versorgungssystems ist gespalten. 49 Prozent der Befragten erleben das System als Sparsystem der Kostenträger, 52 Prozent dagegen als Unterstützungssystem für Anwenderinnen und Anwender. Besonders kritisch urteilen jüngere Befragte: 63 Prozent der 18- bis 29-Jährigen nehmen das System als Sparsystem wahr. Auch Frauen und Menschen mit geringerem Einkommen bewerten die Versorgung häufiger kritisch.
Die Ergebnisse des REHACARE Reports zeigen: Wenn pauschale Kürzungslogiken auf einen Versorgungsbereich treffen, der stark vom individuellen Bedarf, von Beratung, Anpassung und Service abhängt, drohen Fehlsteuerungen. Einsparungen an der falschen Stelle können dazu führen, dass Kosten nicht verschwinden, sondern sich verlagern – etwa in Pflege,Krankenhausaufenthalte, Arbeitsausfälle oder verlorene gesellschaftliche Teilhabe.
Gute Hilfsmittelversorgung hat damit auch einen volkswirtschaftlichen Nutzen. Sie kann Menschen dabei unterstützen, im Beruf zu bleiben oder wieder in Arbeit zurückzukehren. Sie kann Angehörige entlasten, Pflegebedarfe reduzieren und dazu beitragen, dass Menschen ihren Alltag möglichst eigenständig bewältigen. Voraussetzung dafür sind passende Produkte, qualifizierte Beratung, funktionierende Prozesse und transparente Entscheidungen.