Sabrina Lorenz: Menschen, die mit Hilfsmittelbedarf leben, mit einer chronischen Erkrankung oder Behinderung, die wissen am allerallerbesten, was sie brauchen. Und deshalb finde ich zeigt dieser Report eben auch eine Rückeroberung dieser Selbstbestimmung, weil da ganz viele Stimmen zusammenkommen.
Hannes Niemann: Hilfsmittel haben einen positiven Effekt. Und wenn man auf dieses Hilfsmittel den Anspruch hat, den man auch bekommt, dann ermöglichen sie dieses selbstbestimmte Leben. Und ich glaube, das ist etwas, worauf man aufbauen kann. Das ist ja schon mal gut. Aber der Weg dahin ist halt doch beschwerlich. Und was du auch gerade gesagt hast: Ich glaube, wenn man sagt, dass man durch ein Hilfsmittel jemandem ermöglicht, am Arbeitsleben teilzunehmen… Dadurch entstehen ja auch Effekte, positive Effekte für die Gesellschaft. Die in all dieser Kostenbetrachtung eigentlich gar keine Rolle spielen oder bislang nicht mitgedacht wurden.
Kirsten Abel: Ganz wichtiger Punkt in dem Report ist: Diese Zwischenteile, also Verwaltung, GKV-Prozesse – bitte stabilisiert die! Da ist KI wichtig. Da ist Digitalisierung wichtig. Da wollen wir schneller an Informationen rankommen. Da müssen wir wissen: Wieso liegt eigentlich meine Akte noch im Schrank und nicht schon längst beim Arzt?
Barbara Kleinow: Ich habe 150 Ansprechpartner und keiner weiß irgendwas und es ist auch nie wirklich richtig dokumentiert, was eingegangen ist. Eine Stelle, wo das einläuft. Ich habe einen Sachbearbeiter, der sich um diesen einen Fall jetzt mal kümmert.
André Dietz: Das ist einfach wie ein steter Kampf – und das darf es ja nicht sein. Wir führen ihn trotzdem, um auch für andere Leute zu sensibilisieren, die vielleicht eben nicht diesen Kampfeswillen haben. Und wir geben an der Stelle auch nie auf. Aber dass das eben sein muss, denn – das habt ihr auch schon gesagt – diese Pflege, das ist ein 24-Stunden-Job, den wir noch dazu machen. Und dann noch das? Was soll das?
Moritz Brückner: Dieses ganz typische Ding von vernetzen. Dafür sind Messen extrem wichtig. Aber man muss nicht das Pulver immer neu erfinden. Es gibt ganz viele Leute, die es schon geschafft haben, die meinetwegen auch wissen, wie ich Sachen formulieren muss, um es vielleicht zu bekommen. Wo man sich melden muss. Es gibt ganz viele Leute, die da beratend zur Seite stehen, die einem sagen können: Pass auf, das steht dir zu und das könntest du auch noch beantragen und das könntest du auch noch haben zur Erleichterung.
André Dietz: Inklusion ist ja ein Menschenrecht. Wissen wir alle. Wissen viele nicht, habe ich jetzt gerade mitbekommen so in der aktuellen Politik. Um Inklusion wirklich zu schaffen, ist das auch ein großer Part.
Sabrina Lorenz: Mein Problem ist nicht meine Behinderung. Natürlich gibt es Aspekte meiner chronischen Erkrankung, die ich schwierig finde. Aber ich bin nicht das Problem, sondern die Barrieren im Außen. Und wenn ich Hilfsmittel brauche, um meinen Tag zu gestalten, dann müssen sie mir zustehen.
Barbara Kleinow: Habe ich nicht die Hilfsmittel, die ich brauche, dann kann ich halt nicht so schnell schreiben, weil meine Hand vielleicht nicht funktioniert. Das kann es nicht sein. Das heißt, dann bin ich der Kostenfaktor, aber ich werde dazu gemacht.
Sabrina Lorenz: Wir müssen zusammenarbeiten. Es gibt diesen Spruch, der sagt: Es braucht ein gesamtes Dorf, um ein Kind zu erziehen. Und vielleicht braucht es ein gesamtes Dorf, um eine bedarfsgerechte Hilfsmittelversorgung irgendwie zu ermöglichen.