Sprecherin: Das Unternehmen KADOMO baut Fahrzeuge so um, dass Menschen mit körperlichen Behinderungen damit mobil sein können. Das Team berät beim Anpassen des Führerscheins, baut die Technik der Fahrzeuge individuell um und hilft so dabei, sicher unterwegs zu sein. Christoph Toups ist ein langjähriger Kunde und fährt mittlerweile das siebte speziell für ihn umgebaute Auto.
Christoph Toups: Ich sitze seit 1994 aufgrund eines Unfalls im Rollstuhl, bin also querschnittgelähmt und fahre eigenständig Auto wieder, ich glaube, seit 1997. Das ist so: Autofahren ist für mich wie für jeden anderen auch, der laufen kann, ganz normal. Bei meinem Auto ist umgebaut worden das Gas- und das Bremssystem. Das heißt, ich habe einen speziellen Umbau, den ich von der Firma KADOMO bekommen habe. Ich habe einen Gasring, Ein-Viertel-Gasring nennt sich das, hinter dem Lenkrad und bremse über einen Bremshebel. Das Design ist für mich nicht wichtig. Was ich nicht möchte, ist zum Beispiel den Gasring am Tunnel befestigt, so dass ich nur eine Hand am Lenkrad habe. Das war für mich eigentlich ausschlaggebend, dass ich mit beiden Händen am Lenkrad mein Auto fahren kann.
Sprecherin: Udo Späker betreut Kunden und Kundinnen schon seit 30 Jahren und kennt die vielen Anpassungsmöglichkeiten für ganz unterschiedliche körperliche Behinderungen – von halbseitigen Lähmungen über Amputationen bis hin zu altersbedingten Einschränkungen.
Udo Späker: Bei uns macht es keinen Unterschied, was für ein Handicap vorliegt. Also tatsächlich vom Joystick-Umbau bis zum einfachen Drehknopf – können wir eigentlich alles umbauen. Ist natürlich einer unserer Schwerpunkte, gerade auch für ältere Menschen, damit sie leichter ins Auto kommen, dass das der Sitz aus dem Fahrzeug herausgedreht werden kann und die Person leichter sich draufsetzen kann.
Wir bauen tatsächlich sehr, sehr, sehr viele Fahrzeuge, auch für Fahrdienste um. Vom einfachen Fahrdienst, wo ein VW Caddy oder ein Citroen oder ein Mercedes genutzt wird, um meine Person im Rollstuhl im Heckbereich zu transportieren, bis hin zu Fahrdiensten mit Liegentransport.
Sprecherin: Das Team steht nicht nur in Sachen Umbau mit Rat und Tat zur Seite, sondern hilft auch bei einer wesentlichen Voraussetzung für das Fahren mit einer körperlichen Behinderung: einem angepassten Führerschein.
Udo Späker: Viele glauben nach wie vor, dass ihr Führerschein auch mit einem Handicap weiterhin ungehindert genutzt werden kann. Dem ist es nicht so, der Führerschein behält seine Gültigkeit absolut. Aber er muss halt entsprechend auf das Handicap angepasst werden. Das ist wie die Brille, die Sie im Führerschein stehen haben müssen, wenn Sie eine Brille dauerhaft brauchen, damit Sie im Falle eines Unfalls abgesichert sind.
Wir haben eine Kraft-Messstation, wo wir die Kräfte und Reaktionszeiten testen können. Und einmal im Monat bieten wir den Service an, dass der TÜV-Sachverständige die Fahrproben bei uns abnimmt. Das heißt, Sie können bei uns mit einem Fahrlehrer 1,2,3 Stunden auf unseren Fahrschulfahrzeugen nehmen und dann Ihre Fahrprobe ablegen und danach den Wagen von uns umbauen lassen.
Sprecherin: Der Umbau dauert in der Regel drei bis fünf Tage. Im Bereich der handwerklichen Umsetzung hat sich gerade in den letzten Jahren einiges getan.
Udo Späker: Die Umbauten sind im mechanischen Bereich schwieriger geworden, weil wir nicht mal eben kurz mehr ein Loch setzen können und etwas verschrauben können, sondern meist tatsächlich da intensiver prüfen müssen, wie wir etwas befestigen. Was aber leichter geworden ist, ist das, worüber wir vor 25 Jahren noch total entsetzt waren, nämlich, dass die Fahrzeuge immer mehr Elektronik bekommen bzw. immer mehr zu einem Computer sich entwickeln.
Dann haben wir natürlich die Möglichkeit, im 3D-Druck mittlerweile auch ganz viele Dinge noch mal schöner zu machen. Einfach weil wir eine Abdeckung im 3D viel, viel filigraner designen können, als wir es mit Metall und sonstigen Mitteln machen konnten.
Die Leute haben höhere Ansprüche. Gerade so Kunden, die wiederkehrend sind bei uns, die halt wissen, was für einen Anspruch wir selbst auch an die Ästhetik von so einem Umbau haben.
Es macht halt darum so viel Spaß, weil es immer was anderes ist. Also es ist selten, dass – ich sage es mal – zweimal der gleiche Kunde kommt und man genau das gleiche macht. Es ist immer anders.
Sprecherin: Für notwendige Fahrzeugumbauten gibt es finanzielle Unterstützung – für Berufstätige durch die Rentenversicherung.
Christoph Toups: Für mich ist wichtig, mit meinem eigenen Auto zur Arbeit zu fahren, mobil zu sein, um auch meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Das heißt, ohne Auto als Rollstuhlfahrer ist es natürlich schwierig. Öffentliche Verkehrsmittel sind heutzutage auch schon relativ weit fortgeschritten und umgebaut. Aber grundsätzlich ist eigentlich ein Auto für einen Menschen mit einem Handicap, wenn er denn Auto fahren kann, das absolute Nonplusultra.